Außergewöhnliche belastung steuer

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    Außergewöhnliche Belastungen

    Krankheitskosten in der Steuererklärung angeben

    • Zuletzt aktualisiert: 25. Oktober 2017
    • Von: Udo Reuß

    Das Wichtigste in Kürze

    • Ausgaben für Brillen, Zahnersatz, Physiotherapie oder Akupunktur sind typische Krankheitskosten, die Sie als außergewöhnliche Belastungen von der Steuer absetzen können.
    • Allerdings müssen Sie dafür Ihre individuelle Belastungsgrenze (zumutbare Belastung) überschritten haben. Diese hängt von der Höhe Ihrer Einkünfte, Ihrem Familienstand und der Zahl Ihrer Kinder ab.
    • Nach einem neuen Urteil des Bundesfinanzhofs ist die zumutbare Belastung für jeden Steuerpflichtigen gestaffelt nach Einkommensstufen zu ermitteln (Az. VI R 75/14). Folglich sind höhere Beträge abzugsfähig.
    • Prophylaxe lohnt sich für die Steuer nicht: Kosten für vorbeugende Maßnahmen erkennt der Fiskus nicht an.

    So gehen Sie vor

    • Erst das Attest, dann die Behandlung – diese Reihenfolge erhöht Ihre Chancen, dass das Finanzamt Ihre Ausgaben anerkennt.
    • Auch selbst getragene Rezeptkosten, Zuzahlungen zu Heilmitteln sowie Fahrtkosten zu Ärzten und Kliniken sind absetzbar.
    • Die Krankheits-, Kur- und Pflegkosten geben Sie im Hauptvordruck Ihrer Steuererklärung an (Erklärung 2016: in Zeile 67).
    • Falls Sie die Kosten nicht bei Ihrer privaten Krankenkasse (PKV) geltend gemacht haben, um eine Beitragsrückerstattung zu bekommen, bringt dies steuerlich nichts.

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    Haben Sie in einem Jahr sehr hohe Ausgaben wegen Gesundheitsproblemen, dann stehen die Chancen gut, dass Sie im Gegenzug weniger Steuern zahlen müssen. Allerdings müssen Sie dafür eine magische Schwelle überschreiten, die sogenannte zumutbare Eigenbelastung.

    Die zumutbare Belastung ist eine sowohl vom Gesamtbetrag der Einkünfte und der Anzahl unterhaltsberechtigter Kinder abhängige Rechengröße. Erst wenn diese überschritten wird, mindert der darüber hinausgehende Betrag als außergewöhnliche Belastung die Steuer. Das heißt: Menschen mit hohem Einkommen und ohne Kinder müssen mehr Geld für medizinische Leistungen ausgeben als Durchschnittsverdiener, um ihre Steuerlast zu verkleinern.

    Wie die zumutbare Eigenbelastung zu ermitteln ist

    Es gibt drei Einkunftsstufen, in denen je nach Familienstand unterschiedlich hohe Prozentanteile der Einkünfte (1 bis 7 Prozent) als zumutbare Belastung aufgewendet werden müssen (§ 33 EStG). So sieht die Abstufung aus:

    • bis 15.340 Euro,
    • mehr als 15.340 Euro bis 51.130 Euro sowie
    • mehr als 51.130 Euro.

    Bis Anfang 2017 herrschte bei den Finanzbehörden und vielen Juristen die Auffassung, dass für die gesamten Einkünfte (Gehalt, aber auch Miet- oder Zinseinnahmen) jeweils der höhere Prozentsatz als zumutbare Belastung gilt, auch wenn die Schwelle zur nächsten Stufe nur um wenige Euro überschritten ist. Der Bundesfinanzhof (BFH) entschied anders: Gerade in Grenzbereichen der Einkunftsstufen könne dieses starre Festhalten zu einer ungerechtfertigten Besteuerung führen (Urteil vom 19. Januar 2017, Az. VI R 75/14).

    Ein Beispiel: Sie haben zwei unterhaltsberechtigte Kinder und gemeinsam mit Ihrem Partner Einkünfte von insgesamt 58.550 Euro. Bisher wurden gemäß Paragraf 33 EStG 4 Prozent davon als zumutbare Belastung angesehen, also 2.342 Euro. Erst wenn Sie diesen Betrag überschritten hatten, wirkte sich der darüber hinausgehende Betrag als außergewöhnliche Belastung aus.

    Jede der drei Einkunftsstufen müsse aber für sich betrachtet werden, um eine gerechte Besteuerung herbeizuführen, urteilten die obersten Finanzrichter. Das bedeutet in unserem Beispiel:

    Gegenüber der alten Regelung ergibt sich eine um 664,70 Euro geringere zumutbare Belastung beziehungsweise 665 Euro mehr, die Sie als außergewöhnliche Belastung absetzen können.

    Der BFH bestätigt in dieser Entscheidung zudem, dass generell die außergewöhnlichen Belastungen im Krankheitsfall um die zumutbare Belastung reduziert werden dürfen. Einen Verfassungsverstoß konnten die Richter nicht erkennen, dass der Gesetzgeber an den Gesamtbetrag der Einkünfte anknüpft. Das Bundesverfassungsgericht hat zuletzt am 23. November 2016 eine dementsprechende Verfassungsbeschwerde erst gar nicht angenommen (Az. 2 BvR 180/16). Bislang wurden Steuererklärungen in diesem Punkt nur vorläufig festgesetzt.

    Tipp: Geben Sie in Ihrer Steuererklärung alle Krankheitsausgaben an, die Sie selbst bezahlt haben. Wer allerdings eine Diät macht, um Gelenkprobleme im späteren Alter zu verhindern, spart damit keine Steuern. Dasselbe gilt für die Ausgaben für Vitaminpräparate oder Nahrungsergänzungsmittel und selbst getragenen Kosten einer Zahnreinigung. Die Kosten für vorbeugende, der Gesundheit ganz allgemein dienenden Maßnahmen, sind nicht als außergewöhnliche Belastungen abziehbar (§ 33 EStG).

    Die BFH-Richter entschieden in dem Urteil vom 19. Januar 2017 außerdem, dass der Gesamtbetrag der Einkünfte als Bemessungsgrundlage für die Berechnung der zumutbaren Belastung nicht um Beiträge an eine berufsständische Versorgungseinrichtung zu kürzen ist. Geklagt hatte ein angestellter Steuerberater, der in das Versorgungswerk der Steuerberater einzahlte.

    Quittungen sammeln

    Sammeln Sie über das Jahr sämtliche Quittungen von Apotheken, Optikern oder anderen Gesundheitsdienstleistern. Notieren Sie sich zudem alle Fahrten, die Sie aus entsprechenden medizinischen Gründen unternommen haben. Auch diese können Sie steuerlich absetzen. Übrigens: Viele Apotheken bieten inzwischen auch an, für ihre Kunden ein Konto zu führen und ihnen eine Jahresabrechnung zu erstellen.

    Diese Kosten sind absetzbar

    Grundsätzlich gilt: Krankheitskosten werden zum Zweck der Heilung oder Linderung einer Krankheit aufgewendet. Alles, was darunter fällt, können Sie in Zeile 67 des Mantelbogens in der Einkommensteuererklärung 2016 als außergewöhnliche Belastung ansetzen.

    Arztkosten – Dazu zählen auch Aufwendungen die beim Zahnarzt, Heilpraktiker, Logopäden, Psycho- oder Physiotherapeuten entstanden sind. Voraussetzung: Ihr Behandler hat eine Zulassung.

    Rezeptpflichtige Medikamente – Damit Sie Krankheitskosten absetzen können, benötigen Sie vom Arzt ein Rezept. Wer sich in der Apotheke auf eigene Rechnung das ärztlich verordnete Potenzmittel Viagra kauft, sollte die Rechnungen übers Jahr sammeln und kann die Kosten in seiner Steuererklärung bei den außergewöhnlichen Belastungen eintragen. Die Antibabypille ist normalerweise nicht absetzbar, weil sie als Form der Schwangerschaftsverhütung typische Kosten der Lebensführung verursacht. Im Einzelfall kann die Pille jedoch aus medizinischer Sicht geboten sein, zum Beispiel bei Zyklusstörungen, hormonell bedingter Akne oder Erbkrankheiten wie Schizophrenie. Eine ärztliche Verordnung in solchen Fällen kann Geld sparen, weil es sich dann um selbst getragene abzugsfähige Krankheitskosten handelt.

    Nicht rezeptpflichtige Arzneimittel – Diese sind genauso abzugsfähig wie Naturheilmittel, für die die Krankenkasse keine Kosten übernimmt. Voraussetzung: Der Arzt verordnet sie. Bei einer andauernden Erkrankung mit anhaltendem Verbrauch bestimmter Arznei-, Heil- und Hilfsmittel reicht die einmalige Vorlage einer Verordnung.

    Rezeptgebühren – Sie sind in vollem Umfang als Krankheitskosten abzugsfähig. Sie müssen sich dann allerdings für sämtliche Rezeptgebühren eine Quittung ausstellen lassen.

    Hilfsmittel – Dazu zählen Brillen, Zahnersatz, Hörgeräte, Rollstühle und andere „Hilfsmittel im engeren Sinn“, wie es im Steuerjargon heißt. Bei Spezialbetten, Massagegeräten und anderen „Hilfsmittel im weiteren Sinn“ müssen Sie die medizinische Notwendigkeit durch ein Attest eines Amtsarztes oder des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) nachweisen.

    Fahrten – Sie können die Fahrkosten zu einer Behandlung absetzen. Unter bestimmten Umständen gilt das auch, wenn Sie zu einem kranken Verwandten fahren, um ihn zu besuchen.

    Alternative Behandlungsmethoden – Akupunktur oder eine Sauerstofftherapie muss das Finanzamt nach der Rechtsprechung anerkennen und darf keine zu strengen Voraussetzungen an den Abzug der einzelnen Kosten stellen.

    Nicht ersetzte Kosten im Ausland – Wenn Sie während einer privaten oder geschäftlichen Auslandsreise krank geworden sind, sollten Sie diese Kosten auch in der Steuererklärung angeben. Dazu reicht Ihre Kreditkartenabrechnung. Besser ist aber eine Rechnung des Arztes oder Krankenhauses. Haben Sie in einer anderen Währung als Euro gezahlt, erfolgt die Umrechnung zum jeweiligen Tageskurs, mit dem die Ausgaben bei Ihnen abgerechnet wurden.

    Impfungen – Sie können Impfungen vor Auslandsreisen absetzen, sofern diese ärztlich verordnet wurden.

    Massagen, Heißpackungen, Bäder und Einläufe – Mit einem amtsärztlichen Attest müssen Sie die medizinische Notwendigkeit dieser Behandlungen nachweisen. Das Attest muss vor dem Behandlungsbeginn ausgestellt worden sein.

    Pflegekosten für einen Verwandten im Altenheim – Voraussetzung für die Absetzbarkeit ist, dass Ihr Verwandter krankheitsbedingt ins Altenheim musste.

    Trinkgelder an Pflegepersonal – Diese sind im angemessenen Rahmen als außergewöhnliche Belastungen abzugsfähig. Bezeichnen Sie die einzelnen Empfänger und die Höhe des Trinkgelds genau und lassen Sie sich den Empfang quittieren.

    Bade- und Heilkuren – Voraussetzung für die Anerkennung ist, dass sich mit der Kur eine drohende Krankheit abwenden lässt. Bei Klimakuren müssen der medizinisch angezeigte Kurort und die voraussichtliche Dauer bescheinigt werden.

    Begleitperson – Sie können die Kosten für eine Begleitperson eines hilflosen Angehörigen absetzen.

    Fitnessstudio – Beginnen Sie beispielsweise nach einem Bandscheibenvorfall mit Rückentraining, können Sie unter Umständen den dafür fälligen Mitgliedsbeitrag für das Fitnessstudio absetzen. Wichtig ist, dass dieses Training speziell der Linderung einer Erkrankung dient und von einem Arzt oder Heilpraktiker geleitet wird. Lassen Sie sich daher das Training von Ihrem Hausarzt attestieren. Vereinbaren Sie dann einen Termin mit dem Amtsarzt im Gesundheitsamt. Von diesem benötigen Sie eine amtsärztliche Bescheinigung, die Sie dem Finanzamt als Nachweis vorlegen können.

    Was bei kranken Kindern gilt

    Wenn Ihr Kind krank ist und das bei Ihnen ungewöhnlich hohe Kosten verursacht, können Sie sich einiges davon vom Fiskus zurückholen. So erkennt das Finanzamt die Aufwendungen für die Begleitung eines kranken Kinds an, wenn Sie die medizinische Notwendigkeit nachweisen können. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn sich Ihr Kind beide Beine gebrochen hat und deswegen vorübergehend im Rollstuhl sitzt. Das Finanzamt muss sogar die Kosten für Zwischenheimfahrten der Begleitperson anerkennen, wenn es dieser Person unzumutbar ist, die Behandlung abzuwarten.

    Zusätzlich zu den Steuervorteilen für Kinder in Ausbildung können Eltern Schulaufwendungen als außergewöhnliche Belastung geltend machen, wenn es sich um unmittelbare Krankheitskosten handelt. So lassen sich beispielsweise die Ausgaben für ein Internat absetzen, wenn das Kind dort wegen einer Legasthenie behandelt wird. Dies gilt zumindest für den Krankheitskostenanteil. Gleiches gilt für die Kosten einer logopädischen Therapie.

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    Besuchsfahrten

    Sie können Besuchsfahrten in eine Klinik absetzen, solange der Kranke ein Familienmitglied ist. Dabei ist es wichtig, dass der Besuch für die körperliche oder geistige Genesung des Patienten notwendig ist. Auch dafür sollten Sie sich die medizinische Notwendigkeit vom behandelnden Arzt bescheinigen lassen.

    Absetzbar sind die tatsächlichen Fahrtkosten beziehungsweise bei Fahrten mit dem privaten Fahrzeug pro Kilometer pauschal 0,30 Euro. Bei sehr schweren Erkrankungen oder bei großen Entfernungen zum Heimatort sind auch Übernachtungskosten absetzbar. So erkennt das Finanzamt beispielsweise die Rechnung einer Pension an, wenn ein Kind in einer Spezialklinik operiert wird, die 250 Kilometer entfernt liegt.

    Fahrtkosten absetzen

    Die Kosten für Fahrten zum Arzt, zur Therapie oder zu sonstigen Behandlungen erkennt das Finanzamt an. Ansetzen können Sie entweder die tatsächlichen Aufwendungen – auch für ein Taxi – oder pauschal 0,30 Euro je gefahrenem Kilometer. Benutzen Sie allerdings Ihren eigenen Wagen, sind die abzugsfähigen Fahrtkosten begrenzt: Sie sind nur in der Höhe absetzbar, die den Kosten für die Fahrt mit einem öffentlichen Verkehrsmittel entspricht. Eine Ausnahme gilt nur, wenn es keine zumutbare öffentliche Verkehrsverbindung gibt.

    Erfolgreiches Streiten

    Natürlich gibt es auch bei Krankheitskosten Streitfälle. Es lohnt sich daher immer, zunächst einmal alle Krankheitskosten, die im Laufe des Jahres angefallen sind, in der Einkommenssteuererklärung geltend zu machen. Das zeigt der Fall einer nicht verheirateten Frau, die außergewöhnliche Belastung durch die Kosten einer künstlichen Befruchtung geltend gemacht hat und damit erfolgreich war. Der Bundesfinanzhof stimmte letztlich ihrer Argumentation zu (Urteil vom 10. Mai 2007, Az. III R 47/05).

    Was die Kasse übernommen hätte, ist nicht absetzbar

    Wenn Sie es versäumt haben, bei Ihrer Krankenversicherung die Erstattung zu beantragen, dann müssen Sie die Kosten komplett aus eigener Tasche zahlen. Krankheitskosten können Sie als außergewöhnliche Belastungen nur dann geltend machen, wenn diesen auch entsprechende Aufwendungen gegenüberstehen. Deshalb können Sie nichts absetzen, was Ihre Kasse übernommen hätte, wenn Sie es eingefordert hätten. So heißt es in einem Beschluss des Finanzgerichts Rheinland-Pfalz: „Krankheitskosten sind bei der Einkommensteuer nicht abzugsfähig, wenn sie zur Wahrung eines Beitragsrückerstattungsanspruchs nicht bei der Krankenversicherung geltend gemacht worden sind“ (31. Januar 2012, Az. 2 V 1883/11).

    Weitere Tipps im Ratgeber gesetzliche Krankenversicherung

    Annika Krempel

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    An das Attest denken

    Die medizinische Notwendigkeit Ihrer Aufwendungen für Arznei-, Heil- und Hilfsmittel müssen Sie durch Attest nachweisen. Das gilt auch für nicht verschreibungspflichtige Medikamente. Bei Kosten für Homöopathie, Bewegungstherapien oder für Pflanzenheilkunde reicht die Vorlage einer Bescheinigung des Arztes oder Heilpraktikers, der diese Behandlungen verordnet hat (BFH, Urteil vom 26. Februar 2014, Az. VI R 27/13).

    Bei einigen Heilmaßnahmen oder dem Kauf eines medizinischen Hilfsmittels reicht ein Attest des behandelnden Arztes allerdings nicht aus. Sie brauchen schon vorher ein amtsärztliches Gutachten oder eine ärztliche Bescheinigung eines Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (§ 64 EStDV). Das gilt unter anderem für Bade- und Heilkuren, psychotherapeutischen Behandlungen oder wissenschaftlich nicht anerkannte Behandlungsmethoden wie Frischzellentherapie.

    Außergewöhnliche Belastung absetzen

    Außergewöhnliche Belastungen laut EStG sind sogenannte zwangsläufige Aufwendungen, die höher sind als bei der überwiegenden Mehrzahl der Steuerpflichtigen gleicher Einkommensverhältnisse, gleicher Vermögensverhältnisse und gleichen Familienstands. Aufwendungen sind zwangsläufig, wenn man sich ihnen aus rechtlichen, tatsächlichen oder sittlichen Gründen nicht entziehen kann und soweit die Aufwendungen den Umständen nach notwendig sind und einen angemessenen Betrag nicht übersteigen. Aufwendungen, die zu den Betriebsausgaben, Werbungskosten oder Sonderausgaben gehören, bleiben dabei außer Betracht.

    Der Rechner bestimmt anhand Ihrer Angaben auch Ihre sogenannte „zumutbare Belastung“. Der Teil der außerordentlichen Aufwendungen, der die zumutbare Belastung übersteigt ist absetzbar.

    Der Rechner wird geladen .

    Beispiele für außergewöhnliche Belastungen

    Zu den außergewöhnlichen Belastungen zählen z.B. Krankheitskosten (Eigenanteil für Zahnersatz, Zahnkronen oder Zahnfüllungen, Medikamente, Praxisgebühren, Haussanierung aus Gesundheitsgründen, Laserbehandlung der Augen, etc.) , Beerdigungskosten, sofern sie über die Höhe der Erbschaft hinausgehen sowie Pflegekosten bzw. Pflegeheimkosten für die Eltern. Für alle Beispiele gilt, dass Sie nur geltend gemacht werden können, soweit sie nicht z.B durch Leistungen einer gesetzlichen oder privaten Pflege- bzw. Krankenversicherung gedeckt sind.

    Zumutbare Belastungen

    Bevor außergewöhnliche Belastungen von der Steuer abgesetzt werden können, müssen sie die sogenannte zumutbare Belastung überschreiten. Der die zumutbare Belastung übersteigende Teil der außergewöhnlichen Belastungen kann von der Steuer abgesetzt werden. Die zumutbare Belastung ist also als Eigenanteil für die außergewöhnlichen Belastungen zu verstehen.

    Verheiratete ohne Kinder haben eine etwas geringere zumutbare Belastung als kinderlose Singles. Bei Eltern mit Kindern sind die Sätze der zumutbaren Belastung für Ledige und Verheiratete gleich hoch. Das Gesetz unterscheidet hier nur zwischen Steuerzahlern mit bis zu zwei Kindern und ab drei Kindern, wobei die letzte Gruppe die geringsten Sätze der zumutbaren Belastung hat. Sie bekommt also die höchsten Beträge der außergewöhnlichen Belastung anerkannt.

    Änderung seit April 2017: Bundesfinanzhof sorgt für geringere Steuerlast

    Die Finanzämter gingen bis Ende März 2017 davon aus, dass für die Jahreseinkünfte jeweils der höhere Prozentsatz als zumutbare Belastung gilt. Dies führte schon dann zu höheren zumutbaren Belastungen, wenn die Schwelle zur nächsten Stufe nur geringfügig überschritten war. Der Bundesfinanzhof (BFH) entschied, dass diese Berechnung falsch ist. Demnach müsse jede der drei Einkunftsstufen der Tabelle für sich betrachtet werden. Es darf also jeweils nur der Teil der Einkünfte mit dem jeweils höheren Prozentsatz belastet werden, der den im Gesetz genannten Grenzbetrag übersteigt. Das folgende Beispiel verdeutlicht dies:

    Beispiel für die Berechnung

    Die Summe Ihrer Einkünfte beträgt im Jahr 2018 30.000 € bei einem Kirchensteuersatz von 9%. Sie haben ein Kind und sind mit Ihrer Frau gemeinsam veranlagt. Für eine aufwändige Laserbehandlung Ihrer Augen hatten Sie außergewöhnliche Belastungen in Höhe von 3.000 €.

    Daraus ergibt sich, dass Sie 2.253,40 € (statt bei der vorherigen Regelung 2.100 €) der außergewöhnlichen Belastungen steuerlich mindernd geltend machen können, denn Ihre zumutbare Belastung beträgt 746,60 €. Die Berechnung erfolgt gemäß Urteil des BFH vom 19.01.2017, so dass nur der Teil der Einkünfte, der den im Gesetz genannten Grenzbetrag übersteigt, mit dem jeweils höheren Prozentsatz belastet wird. Daher setzt sich die zumutbare Belastung, wie folgt zusammen:

    Statt der jetzigen 746,60 € wurden vor dem BFH-Urteil noch 3 % vom gesamten Einkommen, also 900 € als zumutbare Belastung berechnet. Somit kann nun ein höherer Betrag abgesetzt werden, denn der darüber hinausgehende Anteil Ihrer Belastungen kann abgesetzt werden, was nach neuer Regelung zu einer Steuerersparnis von 622,88 € führt.

    Versuchen Sie, mehrere außergewöhnliche Belastungen in ein Steuerjahr zu legen, damit deren Summe die zumutbare Belastung möglichst weit überschreitet. Denn die Differenz zur zumutbaren Belastung können Sie steuerlich geltend machen.

    Servicenavigation

    Familienthemen A-Z

    Unterhalt und Steuern: Außergewöhnliche Belastung

    Unterhaltszahlungen können unter bestimmten Voraussetzungen als „außergewöhnliche Belastung“ bei der Einkommensteuer berücksichtigt werden. Dabei muss der Unterhalt an eine gesetzlich unterhaltsberechtigte Person (zum Beispiel Eltern, ältere Kinder, geschiedener oder dauernd getrennt lebender Ehegatte) gezahlt werden. Eine Zahlung an eine Person, bei der zum Unterhalt bestimmte öffentliche Mittel wegen der Unterhaltszahlungen gekürzt wurden (zum Beispiel eingetragene Lebenspartnerschaften) ist hierbei ebenfalls möglich.

    Höhe der steuerlichen Entlastung

    Der Unterhalt ist bis zu einem Höchstbetrag von 8.472 Euro im Kalenderjahr steuerlich absetzbar. Sollte die unterhaltene Person eigene Einkünfte oder Bezüge haben, so vermindert sich der Höchstbetrag entsprechend. Dies gilt jedoch nur, soweit die Einkünfte oder Bezüge 624 Euro im Kalenderjahr übersteigen.

    Zudem mindern staatliche Zuschüsse (wie zum Beispiel Leistungen nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz, die nicht zurückgezahlt werden müssen) den Höchstbetrag ohne Anrechnung von 624 Euro.

    Voraussetzung für die steuerliche Berücksichtigung

    Um den Unterhalt als „außergewöhnliche Belastung“ geltend zu machen, müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:

    • die unterstützte Person ist gesetzlich unterhaltsberechtigt;
    • niemand erhält für die unterstützte Person Kindergeld oder die steuerlichen Freibeträge für Kinder (zum Beispiel weil die Voraussetzungen für den Anspruch nicht oder nicht mehr bestehen, wie bei Überschreiten der entsprechenden Altersgrenze des Kindes);
    • die unterstützte Person besitzt kein oder nur ein geringes Vermögen.

    Источники: http://www.finanztip.de/krankheitskosten/, http://www.smart-rechner.de/aussergew_belastung/rechner.php, http://www.familien-wegweiser.de/wegweiser/stichwortverzeichnis,did=93740.html

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