Darlehen steuern

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    02.07.2013 Teurer Freundschaftsdienst

    Steuerfalle Privatkredit

    Von Christoph Rottwilm

    Wer sich einen Kredit im Bekanntenkreis sichert, anstatt zur Bank zu gehen, spart in der Regel Zinsen. Aber Vorsicht: In vielen Fällen grätscht das Finanzamt dazwischen. Steuerexpertin Stephanie Thomas erläutert das Problem – und die Lösung.

    mm: Frau Thomas, dass sich Leute im Bekanntenkreis Geld leihen, kommt immer wieder vor. Sie sagen, dabei drohe eine böse Steuerfalle. Warum?

    Thomas: Bei solchen privaten Darlehensgeschäften werden häufig keine oder nur sehr geringe Zinssätze vereinbart. Das führt dazu, dass das Finanzamt in diesen Fällen von Schenkungen ausgehen kann. Mögliche Zinseinnahmen, auf die dabei verzichtet wird, gelten dann buchstäblich als verschenkt. Darauf kann Schenkungsteuer erhoben werden.

    mm: In welchen Fällen ist das so?

    Thomas: Privatdarlehen an Ehepartner, Kinder oder Enkel sind meistens unproblematisch, denn der Gesetzgeber räumt hier hohe Freibeträge von 200.000 Euro bis 500.000 Euro bei der Schenkungsteuer ein. Aber schon bei Privatdarlehen an andere Verwandte wie Großeltern, Eltern oder Geschwister sowie an Nichtverwandte ist erhöhte Vorsicht gefragt. Dort liegt der persönliche Freibetrag nur bei 20.000 Euro – und zwar für alle Schenkungen innerhalb von zehn Jahren.

    Thomas: Das Finanzamt setzt einen fiktiven Zinssatz von 5,5 Prozent pro Jahr an, der eigentlich hätte vereinbart werden müssen. Wenn die Zinslast, die bei einem Darlehen unter Verwendung dieses Zinssatzes innerhalb von zehn Jahren zusammenkommt, den Freibetrag von 20.000 Euro überschreitet, kann der Fiskus für die Schenkung des Darlehensgebers an den Darlehensnehmer Schenkungsteuer erheben.

    mm: Mit der Folge?

    Thomas: Es würde der entgangene Zinsertrag berechnet und mit Schenkungssteuer belegt. Für die Steuerzahlung kann das Finanzamt sowohl den Beschenkten als auch den Schenker zur Kasse bitten.

    mm: Wie hoch liegt der Steuersatz der Schenkungsteuer derzeit?

    Thomas: Hier gibt es keinen einheitlichen Satz. Der Steuersatz ist vielmehr abhängig von dem Verwandtschaftsverhältnis und dem Wert des Erwerbs. Der niedrigste Satz beträgt 7 und der höchste 50 Prozent.

    mm: Haben Sie ein Zahlenbeispiel, an dem sich das Risiko aufzeigen lässt?

    Darlehen

    Beim privaten Darlehensgeber führen Einnahmen (Zins, Disagio, Kreditgebühren) aus der Vergabe eines Darlehens zu Einkünften aus Kapitalvermögen. Für den unternehmerischen Darlehensgeber sind Einnahmen aus einem Darlehen Betriebseinnahmen.

    Private aber auch betriebliche Darlehensnehmer können die Ausgaben (Zins, Disagio, Kreditgebühren) für ein Darlehen (aber nicht das Darlehen selbst) steuerlich nur dann geltend machen, wenn sie mit der Erzielung von Einnahmen im Zusammenhang stehen. Bei betrieblichen Darlehensnehmern wird dies regelmäßig der Fall sein. Für sie sind die Darlehenskosten (z.B. Zinsen) als Betriebsausgaben zu erfassen. Beim privaten Darlehensnehmer ist die Erzielung von Einnahmen zum Beispiel gegeben, wenn mit diesem Kredit ein Haus zum Zweck der Vermietung erworben wird oder wenn der für berufliche Zwecke genutzte Pkw teilweise oder vollständig kreditfinanziert ist. Für private Darlehensnehmer sind die Zinsen/Disagio als Werbungskosten bei den entsprechenden Einkunftsarten abzugsfähig.

    Darlehen unter Angehörigen unterliegen dem Fremdvergleich. Das heißt, die Ausgestaltung und die Durchführung der vertraglichen Vereinbarungen müssen dem entsprechen, was zwischen Fremden üblich ist. Hierzu gehören: die Benennung von Laufzeit und Darlehensbetrag, Vergabe von Sicherheiten sowie die Berechnung von Verzugszinsen. Entspricht das Darlehen nicht dem Fremdvergleich, kann die steuerliche Anerkennung der Darlehenskosten versagt werden.

    Bei einem unverzinslichen Darlehen, unterliegt der Zinsvorteil beim Darlehensnehmer der Schenkungsteuer. (Finanzgericht Köln, Urteil vom 30.9.2009, Aktenzeichen: 9 K 2697/08).

    Gesetze und Urteile (Quellen)

    FG Köln 30.9.2009, 9 K 2697/08

    Niedrigzinsen und Inflation

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    Geld leihen: Diese Regeln gelten für ein Privatdarlehen

    Privatdarlehen Das müssen Sie beachten, wenn Sie Freunden Geld leihen

    Quelle: Getty Images

    D ie anstehende Autoreparatur, ein kaputter Fernseher oder eine neue Waschmaschine: Nicht immer reicht das Ersparte aus, um ungeplante Ausgaben zu stemmen. Dann muss ein Kredit her. Die meisten Verbraucher gehen dafür zur Bank oder tätigen einen Ratenkauf.

    Doch wer ein Darlehen aufnehmen möchte, kann sich selbstverständlich auch an Privatpersonen wenden – etwa Familienmitglieder oder Freunde. Das kann durchaus Vorteile mit sich bringen: Freunde oder Verwandte verlangen in der Regel keine Schufa-Auskunft, sie sind idealerweise bei der Rückzahlung geduldiger als die Bank – und stellen meist auch deutlich weniger Zinsen in Rechnung.

    Anlässlich der Affäre um den früheren Bundespräsidenten Christian Wulff, der durch ein privates Darlehen eines befreundeten Unternehmerehepaars in die Schlagzeilen geraten war, veröffentlichte das Meinungsforschungsinstitut YouGov im Jahr 2012 eine Umfrage zu Privatdarlehen. Ergebnis: 52 Prozent der Deutschen halten es für normal, sich von Freunden oder Verwandten Geld zu leihen. 37 Prozent halten Privatdarlehen hingegen für bedenklich und finden, dass bei Geld die Freundschaft aufhört.

    Zinseinnahmen gehören auf die Steuererklärung

    Die Neinsager haben gute Gründe für ihre Position, denn so ein Privatdarlehen hat auch Nachteile: Der Gläubiger kann schließlich selbst in finanzielle Schwierigkeiten geraten und sein Geld kurzfristig benötigen. Oder der Schuldner kann es nicht zurückzahlen.

    Das kann die freundschaftliche oder verwandtschaftliche Beziehung auf eine harte Probe stellen. Deshalb sind klare Regeln wichtig: Ein solches Geschäft sollte man immer schriftlich abwickeln, raten Rechts- und Finanzexperten. Denn sonst droht ein böses Erwachen.

    Das sind die Gewinner und Verlierer der Zinswende

    Bitte versuchen Sie es später noch einmal.

    Die Zeit des billigen Geldes ist zumindest in den USA bald vorbei. Die US-Notenbank hat zum ersten Mal seit 2006 den Leitzins erhöht. Der Dollar ist gegenüber dem Euro so stark wie nie.

    Quelle: Die Welt

    „Das Allerwichtigste beim privaten Geldverleih ist es, einen einfachen und kurzen Vertrag aufzusetzen, der vom Darlehensgeber und Darlehensnehmer unterzeichnet wird“, sagt Markus Decker, Rechtsanwalt in der Kölner Kanzlei Decker & Böse, die auf Bank-, Kapitalmarkt- und Verbraucherrecht spezialisiert ist.

    Zum Anwalt oder Notar muss man dafür aber nicht unbedingt gehen – auch ein Mustervertrag kann ausreichen. Wichtigste Eckdaten sind dabei die Höhe der Summe, Auszahlungs- und Rückzahlungstermin sowie der Zinssatz. „Wer Zinsen verlangt, muss diese auch in der Einkommensteuererklärung angeben“, sagt Decker.

    Die Zinseinnahmen müssen in der Anlage KAP der Steuererklärung angegeben werden. „Dabei kommt es darauf an, wie oft und in welcher Größenordnung ein Darlehen gegeben wird“, sagt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler. „Wird mit einem gelegentlichen privaten Darlehen keine Einkommenserzielungsabsicht verfolgt und bekommt der Darlehensgeber nur ein paar Euro Zinsen, fällt es steuerlich nicht ins Gewicht.“

    Geld überweisen statt in bar übergeben

    Wer privat Geld verleiht, kann sich im Gegenzug auch Sicherheiten vom Darlehensnehmer übereignen lassen – beispielsweise das Auto des Darlehensnehmers. Dies muss dann in den Darlehensvertrag aufgenommen werden.

    Der Darlehensnehmer kann sein Auto dann zwar weiterhin fahren, sollte aber den Fahrzeugbrief dem Darlehensgeber übergeben. „Nur so ist gewährleistet, dass der Darlehensnehmer den Pkw nicht anderweitig verkaufen kann und dem Darlehensgeber damit die Sicherheit entzieht“, sagt Rechtsanwalt Decker.

    Wer einen schriftlichen Vertrag vermeiden möchte, um kein Misstrauen in die freundschaftliche oder verwandtschaftliche Beziehung zu bringen, sollte sich zumindest insofern absichern, als der Betrag überwiesen und nicht in bar übergeben wird – und zwar mit dem Wort „Darlehen“ im Verwendungszweck, rät Decker.

    Dann lässt sich nämlich im Streitfall zumindest beweisen, dass einem der Darlehensnehmer Geld schuldet und es sich bei dem überlassenen Betrag nicht um eine Schenkung handelte.

    Marktübliche Verzinsung oder schenkungsteuerpflichtige Vergünstigung?

    Wer Freunden oder entfernteren Verwandten Geld borgt, kann dabei in eine Steuerfalle geraten: Wird das Darlehen nicht oder nur mit einem symbolischen Prozentsatz verzinst, kann das Finanzamt die entgangenen Zinseinnahmen als Schenkung werten und dafür Schenkungsteuer verlangen.

    „Nicht selten stellen sich Verwandte oder Freunde über Jahre Geld zur Verfügung, ohne dafür Zinsen zu berechnen“, sagt Stephanie Thomas, Rechtsanwältin und Steuerberaterin bei der Mönchengladbacher Wirtschaftskanzlei WWS. „Die Finanzverwaltung wertet dies als zinslose Darlehensverträge.“

    Die Grenze zwischen marktüblicher Verzinsung und schenkungsteuerpflichtiger Vergünstigung verläuft dabei fließend: „Bei Privatdarlehen mit einem Zinssatz von bis zu drei Prozent gehen die Finanzbehörden regelmäßig von einer Schenkung aus“, sagt die Steuerexpertin. Und auch wenn private Forderungen über einen längeren Zeitraum nicht beglichen werden, könne Schenkungsteuer anfallen.

    Für die Steuernachzahlung kann das Finanzamt dann sowohl den Schenker als auch den Beschenkten zur Kasse bitten. Bei Darlehen an die Kinder dürfte dies kaum zum Tragen kommen – hier liegt der Freibetrag bei 400.000 Euro. Aber schon ein größeres zinsloses Darlehen für Schwiegersohn oder -tochter, beispielsweise als Finanzspritze für den Hausbau, ist problematisch: Der Freibetrag beträgt in diesem Fall – genau wie im Fall von Freunden – lediglich 20.000 Euro.

    Nein sagen ist völlig in Ordnung

    Grundsätzlich sollte man sich nie von einem noch so guten Freund zu einem Privatdarlehen drängen lassen. Wenn man ein ungutes Gefühl bei der Sache habe, sei es völlig in Ordnung, Nein zu sagen, sagt die Berliner Psychologin und Familientherapeutin Dörte Foertsch. „Das offen sagen zu können, wenn man kein gutes Gefühl dabei hat, ist Bestandteil von Freundschaft.“ Gibt es ganz pragmatische Gründe, kann man das ebenfalls erklären.

    Umgekehrt sollte man es selbst akzeptieren und nicht beleidigt sein, wenn einem ein Wunsch abgeschlagen wird. „Generell sollte ich aber berücksichtigen, wer den Wunsch hat“, rät Foertsch. Nimmt dieser Freund immer nur etwas von mir? Oder hat er mir schon oft geholfen? In diesem Fall überlegt man sich am besten zweimal, ob man ihm den Wunsch nicht doch erfüllen kann.

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    Источники: http://m.manager-magazin.de/lifestyle/artikel/a-908946.html, http://www.steuertipps.de/lexikon/d/darlehen, http://www.welt.de/finanzen/verbraucher/article153012271/Das-muessen-Sie-beachten-wenn-Sie-Freunden-Geld-leihen.html

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