Elterngeld einkommensteuer

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    Elterngeld in der Steuererklärung

    Das Elterngeld unterstützt junge Eltern. Aber Vorsicht: Es drohen Einbußen bei der Steuerrückerstattung oder sogar Nachforderungen vom Finanzamt. Darauf sollten frisch gebackene Eltern gefasst sein. Manchmal hilft es, die Steuerklasse zu wechseln.

    In den ersten 12 bis 24 Monaten nach der Geburt eines neuen Erdenbürgers hilft der Staat den jungen Eltern finanziell. Bis zu 67 Prozent des letzten Nettoeinkommens fließen als Elterngeld in die Familienkasse. Was viele Eltern nicht wissen: Elterngeld wird zwar steuerfrei ausgezahlt, es unterliegt aber dem Progressionsvorbehalt. Das bedeutet: Es erhöht die Steuerlast auf das übrige Einkommen im Jahr – das gilt bei zusammen veranlagten Eltern auch für das Einkommen des Partners.

    Fallbeispiel: Elterngeld und Finanzamt

    Ein Beispiel: Eine Familie bekommt im Januar 2011 das 1. Kind. Vater V arbeitet das ganze Jahr wie bisher auch und hat in der Steuererklärung ein zu versteuerndes Einkommen von 56.000 Euro. Mutter M arbeitet 2011 durch die Geburt gar nicht und hat kein eigenes Einkommen. Durch ihre selbstständige Tätigkeit aus den Jahren zuvor erhält sie jedoch von Februar bis Dezember 2011 insgesamt 14.500 Euro Elterngeld.

    Vater V müsste auf das Einkommen bei gemeinsamer Veranlagung in der Steuererklärung regulär 10.600 Euro Steuern und Solidaritätszuschlag zahlen, das entspricht einem Durchschnittssteuersatz von 18,93 Prozent. Genau dieser Satz wird aber durch das Elterngeld erhöht. Denn das Finanzamt rechnet jetzt, wie hoch der Steuersatz wäre, wenn das Elterngeld als Einkommen in der Steuererklärung zählen würde.

    Auf diese theoretischen 70.500 Euro müsste die Familie bei gemeinsamer Veranlagung 21,98 Prozent Steuern zahlen. Dieser Steuersatz wird einfach auf das tatsächliche Einkommen angewendet, so dass die Steuerlast von 10.600 Euro auf 12.308 Euro (immer inklusive Solidaritätszuschlag) steigt – immerhin ein Plus von 16 Prozent oder 1.708 Euro. Damit wird nur auf das Elterngeld rechnerisch ein Steuersatz von fast 12 Prozent fällig.

    Das Elterngeld darf dabei vom Finanzamt auch in voller Höhe bei der Berechnung mit einbezogen werden – das gilt auch für den Sockelbetrag von 300 Euro, den ja auch nicht arbeitende Eltern erhalten. Das hat der Bundesfinanzhof (AZ: VI B 31/09) entschieden, nachdem der Wortlaut der gesetzlichen Regelung eindeutig war.

    Geld zurücklegen für drohende Nachzahlungen

    Der Progressionsvorbehalt beim Elterngeld führt fast immer dazu, dass Sie Steuern nachzahlen müssen oder die Erstattung geringer ausfällt als bisher. Bei drohenden Nachzahlungen sollte also Geld zurückgelegt werden – bis zu 15 % des Elterngeldes sind dabei sinnvoll.

    Am günstigsten ist Steuerklasse III

    Wie viel Elterngeld die Anspruchsberechtigten bekommen, richtet sich vor allem nach dem Nettoeinkommen der letzten 12 Monate vor der Geburt. Und dieses Nettoeinkommen richtet sich vor allem auch nach der gewählten Steuerklasse. Und da Eltern die beeinflussen können, haben sie es auch in der Hand, die Höhe des Elterngeldes zu beeinflussen.

    Die geringsten Abzüge und das höchste Nettoeinkommen ergeben sich in der Steuerklasse III – und das höchste Nettoeinkommen führt auch zu dem höchsten Elterngeldanspruch. Die Elterngeldstellen müssen einen Steuerklassenwechsel sogar akzeptieren, wie das Bundessozialgericht (AZ: B 10 EG 3/08 R und B 10 EG 4/08 R) in zwei Fällen entschied – frei nach dem Motto: Das Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG) verbietet den Steuerklassenwechsel nicht, also ist er erlaubt.

    Rechtzeitig vor Geburt des Kindes Steuerklasse wechseln

    Das heißt für Eltern: Sie können vor der Geburt Ihres Kindes die Steuerklasse so wechseln, dass Sie Ihren Elterngeldanspruch optimieren. Dabei sollten Sie jedoch daran denken, dass das Einkommen über einen Zeitraum von 12 Monaten berücksichtigt wird – die Steuerklasse sollte also möglichst früh gewechselt werden, wenn bereits ein Kind geplant ist.

    Steuerlich hat der Wechsel übrigens keine Auswirkungen: Denn ein Steuerklassenwechsel hat mit der tatsächlichen Steuerbelastung über das Steuerjahr gesehen nichts zu tun. Mit der Steuerklasse wird lediglich festgelegt, wie viel Steuern monatlich einbehalten werden – die Jahressteuer wird am Ende des Jahres im Rahmen der Einkommenssteuererklärung festgesetzt – und ist faktisch immer gleich, egal, wie hoch das Nettoeinkommen im Monat ist.

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    Die Wahrheit über das Elterngeld

    2. Teil: Elterngeld und Steuern: „Das Elterngeld ist steuerfrei“

    ist Chef vom Dienst bei SPIEGEL ONLINE.

    Bild: Lisa Meinen

    Offiziell muss man auf das Elterngeld keine Steuern zahlen. Doch praktisch läuft es genau darauf hinaus. Der Grund ist der sogenannte „Progressionsvorbehalt“. Der besagt, dass das Elterngeld selbst nicht besteuert wird, es wird aber auf alle anderen Einkommen angerechnet, zum Beispiel auf das Gehalt des Ehepartners. Dadurch erhöht sich dessen Steuersatz, die Gesamtbelastung steigt.

    Wolfgang Wawro vom Steuerberaterverband Berlin-Brandenburg rechnet dies anhand eines Beispiels vor: Der Ehemann verdient 60.000 Euro im Jahr, die Frau bezieht 840 Euro Elterngeld im Monat. Ohne das Elterngeld müsste der Mann 11.523 Euro Steuern zahlen, inklusive Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag. Durch das Elterngeld erhöht sich jedoch sein Steuersatz, so dass 12.840 Euro fällig werden. Das heißt: Das Ehepaar hat eine Mehrbelastung von 1317 Euro – nur weil es Elterngeld bezieht. Faktisch entspricht dies einer Steuer auf das Elterngeld in Höhe von 13 Prozent.

    Die erhoffte Rückzahlung bei der nächsten Steuererklärung dürfte also dürftig ausfallen. In vielen Fällen müssen Familien sogar eine Nachzahlung leisten. Im Klartext bedeutet dies: Paare, die Elterngeld beziehen, sollten frühzeitig Geld fürs Finanzamt zurücklegen.

    Dabei trifft der Progressionsvorbehalt nicht nur Ehepaare. Auch Alleinerziehende müssen genau nachrechnen. Dies macht ein weiteres Beispiel des Experten Wawro deutlich: Eine alleinerziehende Mutter verdient 25.000 Euro im Jahr. Am 1. Juli geht sie in Elternzeit und bezieht fortan ein Elterngeld von 840 Euro im Monat. Für die sechs Monate, in denen sie gearbeitet hat, müsste die Frau eigentlich nur 285 Euro Steuern zahlen. Doch weil das Elterngeld den Steuersatz nach oben treibt, sind samt Kirchensteuer 943 Euro fällig. Die Mehrbelastung beträgt also 658 Euro. Damit ergibt sich auch in diesem Fall ein „Steuersatz“ auf das Elterngeld von 13 Prozent.

    Das Familienministerium bestreitet dies nicht, weist aber Kritik von sich. Dass es den Progressionsvorbehalt gebe, sei nichts Neues. „All das haben wir von Anfang an so kommuniziert“, erklärt ein Sprecher.

    Besonders hoch fällt die Mehrbelastung bei Geringverdienern aus. Denn der Steuersatz steigt bei niedrigen Einkommen überproportional stark. Besserverdiener sind dagegen fein raus: Sie zahlen ohnehin den Spitzensteuersatz, der sich nicht weiter erhöht.

    • 1. Teil: Die Wahrheit über das Elterngeld
    • 2. Teil: Elterngeld und Steuern: „Das Elterngeld ist steuerfrei“
    • 3. Teil: Elterngeld für Väter: „Das Elterngeld bekommt man 14 Monate lang“
    • 4. Teil: „Das Elterngeld entspricht 67 Prozent vom Netto“
    • 5. Teil: „Das Elterngeld ist sozialabgabenfrei“
    • 6. Teil: „Das Elterngeld ist für alle gleich“
    • 7. Teil: „Das Elterngeld hilft unbürokratisch“

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    Muss ich das erhaltene Elterngeld in der Steuererklärung angeben?

    Haben Sie für ein Kind Elterngeld von der Familienkasse erhalten, stellt sich die Frage, ob Sie dieses Elterngeld in der Steuererklärung angeben müssen? Denn schließlich steht in § 3 Nr. 67b EStG schwarz auf weiß, dass das Elterngeld steuerfrei ist. Doch das mit der Steuerfreiheit ist jedoch nur die halbe Wahrheit.

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    Gehört das Elterngeld wirklich in die Steuererklärung?

    Die Antwort gleich vorweg: Ja. Das Elterngeld muss mit in der Steuererklärung erfasst werden. Es ist zwar nach § 3 Nr. 67b EStG einkommensteuerfrei. Aber die Finanzämter besteuern das Elterngeld als Lohnersatzleistung durch ein „Hintertürchen“ und zwar durch Einbeziehung des Elterngelds in den Progressionsvorbehalt.

    Die Einbeziehung des Elterngelds in den Progressionsvorbehalt bedeutet bei der Steuererklärung für Sie Folgendes: Das Finanzamt rechnet das komplette Elterngeld in einer Schattenrechnung Ihrem zu versteuernden Einkommen hinzu und ermittelt so einen Einkommensteuersatz. Besteuert wird aber nur das zu versteuernde Einkommen ohne das Elterngeld, aber eben mit dem höheren Einkommensteuersatz.

    Sie sind verheiratet und bleiben im ersten Jahr zu Hause und kümmerten sich 2017 um Ihr im Januar 2017 geborenes Kind. Das zu versteuernde Einkommen für Sie und Ihren Ehegatten beträgt 2017 40.000 Euro. Sie geben in Ihrer Steuererklärung an, dass Sie Elterngeld in Höhe von 15.000 Euro erhielten.

    Fazit zum Elterngeld in der Steuererklärung: Zu dieser Mehrbelastung bei der Einkommensteuer kommt noch die Mehrbelastung beim Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls bei der Kirchensteuer hinzu.

    Bei Elterngeld in Steuererklärung empfiehlt sich die Bildung von Steuerrücklagen

    Das Elterngeld in der Steuererklärung führt immer zu einer Steuernachforderung, wenn daneben noch andere Einkünfte erzielt wurden. Steuern werden selbst dann fällig, wenn die steuerpflichtigen anderen Einkünfte unter dem Grundfreibetrag liefen (201: 8.820 Euro bei Ledigen und 17.640 Euro bei zusammenveranlagten Eheleuten).

    Sie sind verheiratet. Ihr Ehepartner und Sie geben in Ihrer Steuererklärung 2017 ein zu versteuerndes Einkommen von 12.000 Euro an. Sie haben 2017 aber auch Elterngeld in Höhe von 15.000 Euro beigesteuert. Obwohl das zu versteuernde Einkommen unter dem Grundfreibetrag von 17.640 Euro liegt, müssen Sie wegen des Elterngelds 777,60 Euro Einkommensteuer bezahlen.

    Bekommen Sie Elterngeld und entweder Sie oder Ihre Ehepartner hat Einkünfte bezogen, sollten Sie aufgrund der drohenden Steuernachzahlung finanzielle Rücklagen bilden. Am besten zweigen Sie zwischen 150 Euro und 200 Euro im Monat ab und überweisen dieses Geld auf ein Sparkonto. Damit kommen Sie bei späteren Steuernachzahlungen nicht in finanzielle Not.

    Elterngeld in Steuererklärung: Besteuerung durch Hintertürchen lässt sich vermeiden

    Das Elterngeld führt allerdings nicht immer zu einer höheren Steuerbelastung. Bei Ledigen fällt keine höhere Steuer durch das Elterngeld an, wenn sie in einem Jahr keine anderen Einkünfte bezogen haben, sondern ausschließlich Elterngeld.

    Bei verheirateten Eltern kann das Elterngeld in der Steuererklärung durch einen einfachen Trick verhindert werden – und zwar durch Beantragung der Einzelveranlagung anstatt der üblichen Zusammenveranlagung. Vor dem Antrag auf Einzelveranlagung muss jedoch unbedingt eine Vergleichsrechnung durchgeführt werden, ob Eltern mit der Einzel- oder mit der Zusammenveranlagung steuerlich günstiger fahren.

    Unser Tipp: Die Vergleichsrechnung, ob Eltern, die Elterngeld in ihrer Steuererklärung angeben, mit der Zusammenveranlagung oder mit der Einzelveranlagung steuerlich besser fahren, übernimmt die Steuersoftware TAXMAN automatisch.

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