Fahrtkosten steuerfrei vom arbeitgeber

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    Abrechnung von Lohn- und Gehaltsempfängern – Fahrkostenersatz

    Hier soll nur der Fahrkostenersatz des Arbeitgebers für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte (früher regelmäßige Arbeitsstätte) betrachtet werden. Kosten die im Zusammenhang mit Fahr- bzw. Reisetätigkeit stehen, werden auf der Seite Reisekosten behandelt.

    (1) Werbungskosten sind Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen. Sie sind bei der Einkunftsart abzuziehen, bei der sie erwachsen sind. Werbungskosten sind auch

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    1. Aufwendungen des Arbeitnehmers für die Wege zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte im Sinne des Absatzes 4. Zur Abgeltung dieser Aufwendungen ist für jeden Arbeitstag, an dem der Arbeitnehmer die erste Tätigkeitsstätte aufsucht eine Entfernungspauschale für jeden vollen Kilometer der Entfernung zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte von 0,30 Euro anzusetzen, höchstens jedoch 4 500 Euro im Kalenderjahr; ein höherer Betrag als 4 500 Euro ist anzusetzen, soweit der Arbeitnehmer einen eigenen oder ihm zur Nutzung überlassenen Kraftwagen benutzt. Die Entfernungspauschale gilt nicht für Flugstrecken und Strecken mit steuerfreier Sammelbeförderung nach § 3 Nummer 32. Für die Bestimmung der Entfernung ist die kürzeste Straßenverbindung zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte maßgebend; eine andere als die kürzeste Straßenverbindung kann zugrunde gelegt werden, wenn diese offensichtlich verkehrsgünstiger ist und vom Arbeitnehmer regelmäßig für die Wege zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte benutzt wird. Nach § 8 Absatz 2 Satz 11 oder Absatz 3 steuerfreie Sachbezüge für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte mindern den nach Satz 2 abziehbaren Betrag; ist der Arbeitgeber selbst der Verkehrsträger, ist der Preis anzusetzen, den ein dritter Arbeitgeber an den Verkehrsträger zu entrichten hätte. Hat ein Arbeitnehmer mehrere Wohnungen, so sind die Wege von einer Wohnung, die nicht der ersten Tätigkeitsstätte am nächsten liegt, nur zu berücksichtigen, wenn sie den Mittelpunkt der Lebensinteressen des Arbeitnehmers bildet und nicht nur gelegentlich aufgesucht wird.

    Der Fahrkostenersatz lässt sich in 2 Gruppen einteilen:

    unter diesem Oberbegriff sind die früheren Reisekostenarten Fahrtätigkeit, Einsatzwechseltätigkeit und Dienstreise zusammengefasst (§ 3 Nr. 16 EStG),

  • Arbeitnehmer, die einen beruflich veranlassten doppelten Haushalt führen; Doppelte Haushaltsführung (§ 3 Nr. 16 EStG).
  • Ist der Fahrkostenersatz steuerfrei, ist er auch beitragsfrei in der Sozialversicherung.

    Das benutzte Verkehrsmittel spielt bei den aufgeführten Fällen keine Rolle.

    Die Steuerfreiheit des Arbeitgeberersatzes für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte bei Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel durch den Arbeitnehmer wurde ab 01.01.2004 gestrichen.

    Sammelbeförderung ist nach § 3 Nr. 32 EStG die unentgeltliche oder verbilligte Beförderung eines Arbeitnehmers zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte mit einem vom Arbeitgeber gestellten Fahrzeug, wenn diese Beförderung für den betrieblichen Einsatz des Arbeitnehmers notwendig ist.

    Für Strecken mit einer steuerfreien Sammelbeförderung gilt die Entfernungspauschale nicht mehr. Es ist eine gesonderte Aufzeichnung im Lohnkonto vorzunehmen und auf der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung der Großbuchstabe F einzutragen.

    Das benutzte Verkehrsmittel spielt dabei keine Rolle.

    Die Lohnsteuer kann ab dem 1. Entfernungskilometer mit 15% pauschaliert werden, und zwar in Höhe der Entfernungspauschale von derzeit 0,30 € pro Entfernungskilometer. Die Pauschalierung der Lohnsteuer mit 15% ist bei Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel bis zur Höhe der dem Arbeitnehmer tatsächlich entstehenden Aufwendungen möglich und nicht auf die Entfernungspauschale begrenzt.

    Aufwendungen für die Wege zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte waren seit dem 01.01.2007 bis zur Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts (09.12.2008) erst ab dem 21. Entfernungskilometer steuerlich abziehbar.

    Die Pauschalierung der Lohnsteuer löst Beitragsfreiheit in der Sozialversicherung aus.

    Die Möglichkeit der Pauschalierung mit 15% besteht auch bei Aushilfskräften und Teilzeitbeschäftigten. Die pauschal mit 15% versteuerten Fahrkostenzuschüsse werden nicht auf die 450-Euro-Grenze bei geringfügig entlohnten Beschäftigungen angerechnet.

    Zahlt der Arbeitgeber einen Fahrkostenzuschuss und pauschaliert ihn mit 15%, so mindert sich der Werbungskostenabzug des Arbeitnehmers um diesen Betrag. Es ist eine gesonderte Aufzeichnung im Lohnkonto vorzunehmen und auf der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung in der Zeile 18 der pauschal besteuerte Betrag einzutragen.

    Mit dem "Gesetz zur Fortführung der Gesetzeslage 2006 bei der Entfernungspauschale" wurde die frühere gesetzliche Regelung wiederhergestellt.

    • Zahlung der Pauschale von 30 Cent ab dem ersten Entfernungskilometer.
    • Aufwendungen für öffentliche Verkehrsmittel, die die Entfernungspauschale überschreiten, sind wieder steuerlich abziehbar. Diese Regelung war 2007 gestrichen worden.
    • Die Kosten für einen Unfall, der sich auf dem Hin- bzw. Rückweg zwischen erster Tätigkeitsstätte und Wohnort ereignet, sind wieder als außergewöhnliche Aufwendungen absetzbar (sie sind nicht mehr durch die Entfernungspauschale abgegolten).

    Abgeltungswirkung der Entfernungspauschale

    Nach § 9 Absatz 2 Satz 1 EStG sind durch die Entfernungspauschale sämtliche Aufwendungen abgegolten, die durch die Wege zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte und Familienheimfahrten entstehen. Damit sind z. B. auch folgende Aufwendungen abgegolten:

    • Parkgebühren für das Abstellen des Kraftfahrzeugs während der Arbeitszeit,
    • Finanzierungskosten (Bundesfinanzhof Urteil vom 15.4.2010, VI R 20/08 – Durch die Entfernungspauschale wird auch eine Leasingsonderzahlung abgegolten. ),
    • Beiträge für Kraftfahrerverbände,
    • Versicherungsbeiträge für einen Insassenunfallschutz,
    • Aufwendungen infolge Diebstahls sowie die
    • Kosten eines Austauschmotors anlässlich eines Motorschadens auf einer Fahrt zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte oder einer Familienheimfahrt.

    Unfallkosten, die auf einer Fahrt zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte oder auf einer zu berücksichtigenden Familienheimfahrt entstehen, sind als außergewöhnliche Aufwendungen im Rahmen der allgemeinen Werbungskosten nach § 9 Absatz 1 Satz 1 EStG weiterhin neben der Entfernungspauschale zu berücksichtigen (BMF-Schreiben vom 31.10.2013).

    In diesem Punkt hat die Finanzverwaltung eine andere Meinung als die der Rechtsprechung. Der Bundesfinanzhof hat mit Urteil vom 20.03.14 (VI R 29/13) entschieden, dass die Reparaturaufwendungen nicht als Werbungskosten neben der Entfernungspauschale abziehbar sind, da auch außergewöhnliche Aufwendungen durch die Entfernungspauschale abgegolten sind. Dies folge aus dem Wortlaut des § 9 Abs. 2 Satz 1 des Einkommensteuergesetzes ("sämtliche Aufwendungen"), aus der Systematik und dem Sinn und Zweck der Vorschrift.

    Unfallkosten sollten sie in Ihrer Steuererklärung als Werbungskosten ansetzen. Die Meinung der Finanzverwaltung ist für den Steuerpflichtigen günstiger. Nach den Lohnsteuerrichtlinien werden Unfallkosten auf den Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte neben der Entfernungspauschale berücksichtigt.

    Unfälle auf dem Weg von und zur Arbeit gelten als Arbeitsunfälle (Wegeunfälle).

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    Die Entfernungspauschale gilt nicht für Flugstrecken. Maßgebend bei Flügen sind nur die tatsächlich angefallenen Flugkosten (§ 9 Abs. 1 Nr. 4 EStG).

    Beispiel zur Pauschalierung der Lohnsteuer für den Fahrkostenersatz

    Ein Arbeitnehmer hat eine Entfernung zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte von 50 Kilometern.

    Bis 31.12.2006 konnte ein Betrag von 15 €/Arbeitstag (50 Km * 0,30 €/Km) pauschal versteuert und damit SV-frei als Fahrkostenzuschuss durch den Arbeitgeber gezahlt werden.

    Auf die 15 € wären 15% pauschale Lohnsteuer (2,25 €) zu entrichten.

    Zusätzlich ist noch der Solidaritätszuschlag in Höhe von 5,5% der pauschalen Lohnsteuer zu entrichten (0,12 €).

    Zusätzlich ist auch noch die pauschale Kirchensteuer in einer je nach Bundesland unterschiedlichen Höhe zu entrichten. In Sachsen beträgt die pauschale Kirchensteuer 5%. Damit müssten 5% der pauschalen Lohnsteuer (0,11 €; es ist beim Solidaritätszuschlag und der Kirchensteuer immer auf den Cent abzurunden) als pauschale Kirchensteuer abgeführt werden.

    Ab 01.01.2007 ist die Pauschalierung auf den Betrag begrenzt worden, den der Arbeitnehmer wie Werbungskosten geltend machen konnte. Das waren nur noch 9 €/Arbeitstag (30 Km * 0,30 €/Km).

    Die 30 Km ergeben sich als Differenz von 50 Entfernungskilometern und den ersten 20 Kilometern die nicht mehr angesetzt werden durften.

    Ab Dezember 2008 gilt wieder die alte Regelung. Eine rückwirkende Beitragserstattung war möglich.

    Durch die Pauschalierung der Lohnsteuer mit 15% verliert der Arbeitnehmer den Werbungskostenabzug in der Höhe des gezahlten Fahrkostenersatzes.

    Aus Vereinfachungsgründen kann unterstellt werden, dass das Kraftfahrzeug an 15 Arbeitstagen monatlich zu Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte benutzt wird (BMF-Schreiben vom 31.10.2013). Der Pauschalierung kann aber auch die tatsächliche Anzahl der Arbeitstage zugrunde gelegt werden.

    Überlassung eines Job-Tickets

    Jobtickets sind Monats- oder Jahres-Fahrkarten, die Unternehmen oder Behörden bei einem Verkehrsunternehmen erwerben können und die sie entgeltlich oder unentgeltlich an ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgeben.

    Die unentgeltliche oder verbilligte Überlassung von Jobtickets für die Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte stellen steuerrechtlich einen Sachbezug dar. Wenn der geldwerte Vorteil die Bagatellgrenze von 44 Euro pro Monat nicht übersteigt, ist der Sachbezug steuerfrei.

    Problematisch ist hier die Frage, ob den Arbeitsnehmern bei einer Jahreskarte der geldwerte Vorteil einmalig für das gesamte Jahr oder monatlich aufgeteilt zufließt.

    Zu dem Thema gibt es ein Urteil des Bundesfinanzhofs (VI R 56/11 vom 14.11.2012)

    Geldwerter Vorteil beim Erwerb einer vergünstigten Jahresnetzkarte (Jobticket)

    1. Ein Sachbezug i.S. des § 8 Abs. 2 Satz 1 EStG liegt auch dann vor, wenn der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer durch Vereinbarung mit einem Verkehrsbetrieb das Recht zum Erwerb einer vergünstigten Jahresnetzkarte (Jobticket) einräumt, soweit sich dies für den Arbeitnehmer als Frucht seiner Arbeit für den Arbeitgeber darstellt.

    2. Dieser geldwerte Vorteil fließt den Arbeitnehmern mit Ausübung des Bezugsrechts, also dem Erwerb der Jahresnetzkarten, zu.

    3. Auf diesen Zeitpunkt ist der Vorteil aus der Verwertung des Bezugsrechts nach § 8 Abs. 2 Satz 1 EStG zu bewerten.

    Der Bundesfinanzhof hat damit entschieden, dass der geldwerte Vorteil den Arbeitnehmern mit der Ausübung des Bezugsrechts, also dem Erwerb der Jahresnetzkarte, zufließt. Dass die Arbeitnehmer das Jobticket monatlich bezahlten und der Arbeitgeber je Arbeitnehmer einen monatlichen Zuschuss an die Verkehrsbetriebe leistete, ist für den Zuflusszeitpunkt ohne Bedeutung. Ein anteiliger Zufluss verteilt über einen Zeitraum von zwölf Monaten wurde damit vom Bundesfinanzhof verneint. Für einen zeitanteiligen Ansatz des geldwerten Vorteils ist es notwendig, dass es sich um eine Monatskarte oder eine monatliche Fahrberechtigung für ein Jobticket handelt.

    Wird die Grenze von 44 Euro pro Monat überschritten, ist der gesamte Sachbezug steuerpflichtig. Auch hier besteht die Möglichkeit der Pauschalbesteuerung mit 15%. Der gesamte geldwerte Vorteil kann mit 15% pauschal versteuert werden. Eine Begrenzung auf den Betrag, den der Arbeitnehmer wie Werbungskosten geltend machen kann, gibt es nicht (§ 9 Abs. 2 EStG in Verbindung mit § 40 Abs. 2 EStG).

    Beantragung eines Freibetrags (ELSTAM-Verfahren) früher Eintragung eines Freibetrags auf der Lohnsteuerkarte

    Werbungskosten des Arbeitnehmers können als Freibetrag in die Lohnsteuerabzugsmerkmale (früher auf der Lohnsteuerkarte) eingetragen werden. Werbungskosten sind die Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung des Arbeitslohns (alle Aufwendungen, die durch den Beruf veranlasst sind).

    Die Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte führen zu Werbungskosten. Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 09.12.2008 zählen dazu auch wieder die ersten 20 Kilometer des Arbeitswegs.

    Steuerlich abziehbare Aufwendungen kann sich der Arbeitnehmer vom Finanzamt als Freibetrag eintragen lassen.

    Die Eintragung eines Freibetrags führt zu einer verringerten Lohnsteuer beim Lohnsteuerabzug durch den Arbeitgeber. Des Weiteren muss der Arbeitnehmer für das betreffende Kalenderjahr eine Steuererklärung abgeben und wird zur Einkommensteuer veranlagt.

    Bei der Eintragung eines Freibetrags gibt es noch zwei Grenzen zu beachten.

    Werbungskosten zählen nur mit, wenn der schon in die Lohnsteuertabellen eingearbeitete Arbeitnehmerpauschbetrag überschritten ist.

  • Antragsgrenze von 600 €

    Erst bei Überschreitung dieses Werts durch Werbungskosten, Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen erfolgt die Eintragung eines Freibetrags.

  • Das Finanzamt geht in der Regel von 230 Arbeitstagen pro Jahr aus.

    Wenn ein Arbeitnehmer mehr Fahrten abrechnen will, muss er diese genau nachweisen. Sinnvoll wären Arbeitszeitnachweise die vom Arbeitgeber oder einem Vorgesetzten gegengezeichnet werden.

    Ein Arbeitnehmer fährt mit seinem Pkw zur ersten Tätigkeitsstätte (30 km). Er möchte sich die Entfernungspauschale als Freibetrag eintragen lassen.

    Da die Antragsgrenze von 600 € überschritten ist, wird ein jährlicher Freibetrag von 1.070 € eingetragen.

    Fahrtkostenzuschuss für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte

    Welche Möglichkeiten bestehen für den Arbeitnehmer die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte in Form eines Fahrkostenzuschusses ein wenig erträglicher zu gestalten? Wir klären auf!

    8. Besondere Lohnbestandteile aus steuer- und sozialversicherungsrechtlicher Sicht

    Im letzten Kapitel widmeten wir uns den Zuschlägen und den Zulagen. Einige Formen von Zulagen stellten wir Ihnen dabei vor. Charakteristisch dafür ist, dass mit ihnen die Schwere der Arbeit zusätzlich vergütet werden kann oder der Arbeitgeber ein sonstiges persönliches Engagement damit honorieren möchte. Aber wir sahen bereits an verschiedenen Beispielen, diese Entgelte unterliegen der Steuer- und Sozialversicherungspflicht und die Auswirkungen der Steuerprogression sorgen dafür, dass mit steigendem Verdienst relativ weniger beim Netto bzw. Auszahlungsbetrag ankommt.

    Nehmen wir uns den Mitarbeiter Martin Jung vor. Jeden Tag pendelt er von Schlüchtern nach Hanau und zurück. Immerhin pro Fahrt ca. 60 Kilometer. Oder Willi Wohlhabend, der ebenfalls werktäglich 60 Kilometer zwischen Hanau und Heigenbrücken fährt. Gut, es handelt sich um frei erfundene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber gerade im Rhein-Main-Gebiet ist das Einzugsgebiet recht groß und die genannten Entfernungen liegen für viele Beschäftige im unteren Bereich dessen, was vielfach als Pendelbereich zwischen Wohnung und Arbeitsstätte in Kauf genommen wird; man möge sich nur zur Hauptverkehrszeit auf die Autobahn begeben oder in den Zug setzen.

    Es stellt sich also die Frage, welche Möglichkeiten bestehen für den Arbeitnehmer diese ihm entstehenden Aufwendungen in Form einer steuerlichen Begünstigung ein wenig erträglicher zu gestalten. Bleiben wir bei den o. g. Einzelfällen und lassen eine durch den Arbeitgeber ermöglichte Sammelbeförderung außen vor.

    8.1.1. Fahrten Wohnung-Arbeitsstätte als Werbungskosten

    Die meisten von Ihnen als Leser des Online-Seminars Lohn und Gehalt werden mit Sicherheit als Arbeitnehmer im Rahmen ihrer Steuerklärung für Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit (auf die wir uns an dieser Stelle beschränken) Werbungskosten gelten gemacht haben, Kosten also, die beruflich veranlasst sind und in einem unmittelbaren Zusammenhang mit dieser Tätigkeit stehen. 1.000,00 € pro Jahr beträgt dieser Arbeitnehmerpauschbetrag, der bereits beim Lohnsteuerabzug Berücksichtigung findet. Enthalten in diesem Pauschbetrag sind demnach auch die Kosten, die dem Arbeitnehmer für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte entstehen. Auszugehen ist dabei von einer Entfernungspauschale in Höhe von 0,30 € je Entfernungskilometer und Arbeitstag.

    Ein höherer Betrag als 4.500 € pro Jahr kann im Rahmen der Einkommensteuererklärung geltend gemacht werden, wenn der Arbeitnehmer einen eigenen oder zur Nutzung überlassenen Kraftwagen benutzt hat oder im Falle von öffentlichen Verkehrsmitteln höhere Aufwendungen glaubhaft machen oder nachweisen kann (§ 9 Abs.1 Nr.4 und Abs.2 EStG).

    Kommen wir zurück zu unserem Mitarbeiter Martin Jung. Gehen wir von 200 Arbeitstagen im Jahr aus, an denen er jeweils 60 Kilometer zurücklegt, kann er Kosten in Höhe von 3.600 € geltend machen, also erheblich mehr, als im Werbungskostenpauschbetrag enthalten sind; es empfiehlt sich logischerweise eine Einkommensteuererklärung abzugeben oder einen Steuerfreibetrag zu beantragen, um bereits jeden Monat eine geringere steuerliche Belastung zu haben.

    8.1.2. Fahrten Wohnung-Arbeitsstätte als pauschal besteuerter Arbeitgeberzuschuss

    Alternativ kann der Arbeitgeber Zuwendungen für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte in Höhe der Entfernungspauschale von 0,30 € mit einer pauschalen Lohnsteuer von 15 % plus Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer besteuern. Zusätzlich entfallen die Beiträge zur Sozialversicherung sowohl für Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber!

    Welche Voraussetzungen müssen dazu erfüllt sein? Vom Arbeitgeber gezahlte Zuschüsse werden zusätzlich zum vereinbarten Lohn oder dem Gehalt gewährt, was sich relativ einfach beurteilen lässt, wenn die Bestimmungen eines Tarifvertrages gelten. Wurde zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer einzelarbeitsvertraglich ein Gehalt von 2.500 € vereinbart, auf der Abrechnung erscheinen jedoch nur 2.300 € und 200 € als Fahrtkostenzuschuss, der pauschal vom Arbeitgeber versteuert wurde, sollte man schleunigst einen Blick auf seinen Arbeitsvertrag bzw. die Bescheinigung nach dem Nachweisgesetz werfen! Weiterhin darf der Zuschuss den Betrag nicht überschreiten, den der Arbeitnehmer im Rahmen seiner Einkommensteuerklärung als Werbungskosten absetzen könnte.

    Wie eine Lohnabrechnung auf der Grundlage eines pauschal versteuerten Fahrtkostenzuschusses aussehen kann, zeigen wir am Beispiel Martin Jung für den Januar 2014. Die Abrechnung aus dem vorigen Kapitel schreiben wir zu diesem Zweck fort und gehen von 24 Arbeitstagen aus. (Ohne Nachweis kann von 15 Arbeitstagen im Monat ausgegangen werden.) Für jeden Tag zahlt der Arbeitgeber 0,30 €/km bei 60 Kilometer Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte. Auf der Lohnsteueranmeldung des Arbeitgebers werden diese 432,00 € mit 15 % pauschaler Lohnsteuer, entsprechend 64,80 €, darauf entfallend 3,56 € Solidaritätszuschlag und 4,54 € pauschale Kirchensteuer erscheinen.

    Grundsätzlich kann der Arbeitgeber diese Steuern, hier insgesamt 72,90 €, auf den Arbeitnehmer abwälzen. Wäre der Fahrtkostenzuschuss als steuer- und sozialversicherungspflichter Bruttobetrag Herrn Jung gezahlt worden, betrüge der Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung statt dessen insgesamt 83,27 €. D. h., selbst wenn der Arbeitgeber die pauschale Lohnsteuer trägt, fallen für ihn die Kosten insgesamt etwas geringer aus.

    Stellt ein Arbeitgeber seinen Mitarbeitern sog. Job-Tickets zur Verfügung, also Zeitkarten zur Nutzung des Öffentlichen Nahverkehrs, ist entsprechend zu verfahren, sofern der Betrag nicht unter 44 € liegt und ggf. grundsätzlich steuerfrei bleibt.

    Beantworten wir eine letzte Frage für heute: Wie wirken sich eigentlich die Bezüge, wie sie der Arbeitnehmer Jung von seinem Arbeitgeber als Fahrtkostenzuschuss bekommt, auf die Werbungskostenpauschale in seiner Einkommensteuererklärung aus? Bei Zahlung eines Fahrtkostenzuschusses durch den Arbeitgeber, den dieser mit 15 % pauschal versteuert hat, mindert sich der Werbungskostenabzug des Arbeitnehmers um genau diesen Betrag!

    Fahrtkostenerstattung durch den Arbeitgeber

    Übernahmemodelle für Fahrtkosten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte

    Arbeitgeber haben verschiedene Möglichkeiten, ih­ren Arbeitnehmern die Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte zu erstatten. Ein An­spruch auf die Erstattung der Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsplatz haben Arbeitnehmer nur, wenn dies in einem Tarifvertrag, einer Betriebsver­einbarung oder einem Einzelarbeitsvertrag verein­bart ist. Die Fahrten zu der ersten Tätigkeitsstätte stellen keine Arbeitszeit dar, sie sind dem privaten Lebensbereich der Arbeitnehmer zuzuordnen. Den­noch kann eine Beteiligung des Arbeitgebers oder auch deren vollständige Übernahme für Arbeitgeber und Arbeitnehmer vorteilig sein. Dieser Beitrag er­läutert verschiedene Übernahmemodelle und was bei der Lohnabrechnung zu beachten ist.

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    Arten der Fahrtkostenerstattung

    Privat-Fahrzeug

    Der Arbeitgeber kann die Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte erstatten, wenn der Arbeitnehmer dafür sein privates Fahrzeug benutzt. Für die Erstattung muss der Arbeitgeber mit dem Arbeitnehmer nur einen Erstattungsbetrag pro km vereinbaren. Bei einer Erstattung von 0,30 € ist eine Pauschalversteuerung möglich. Alles was den Betrag von 0,30 € pro km übersteigt, wird als laufender Arbeitslohn mit dem individuellen Steuersatz versteuert.

    Öffentliche Verkehrsmittel (Job-Ticket)

    Bei Fahrten mit dem öffentlichen Verkehrsmittel hat der Arbeitgeber die Wahl, ob er es mit der Entfer­nungspauschale von 0,30 € pro km erstattet oder die tatsächlichen Kosten der Fahrten. Sollte der Ar­beitgeber die tatsächlichen Kosten erstatten, kann er diese ebenfalls pauschal mit 15 % versteuern.

    Zu beachten ist die Höchstgrenze von 4.500,00 €. Erstattet der Arbeitgeber die Fahrten mit den öffent­lichen Verkehrsmitteln nur mit dem Pauschalbetrag in Höhe von 0,30 €, so ist die Pauschalversteuerung in diesem Fall auf 4.500,00 € begrenzt.

    Ein Arbeitnehmer erhält von seinem Arbeitgeber ein Job-Ticket in Höhe von monatlich 175,00 €. Der Ar­beitgeber kann die tatsächlichen Kosten in Höhe von 175,00 € pauschal mit 15 % versteuern. Es ist irrelevant, wenn die Entfernungspauschale unter 175,00 € liegt.

    Dienstwagen

    Der Arbeitgeber kann dem Arbeitnehmer auch einen Dienstwagen zur privaten Nutzung überlassen. Da­bei können die Fahrten zwischen Wohnung und ers­ter Tätigkeitsstätte entweder mit 0,03 % vom Brut­tolistenpreis ermittelt werden oder anhand eines Fahrtenbuches und der tatsächlichen Kosten. Wer­den die Fahrten zur Tätigkeitsstätte mit den anteili­gen tatsächlichen Kosten ermittelt, so kann man monatlich erstmal einen pauschalen Betrag festset­zen. Die Korrektur kann dann ebenfalls monatlich oder mit einer Dezemberkorrektur im Januar erfol­gen.

    Ein Arbeitnehmer hat für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte einen Dienstwagen mit einem Bruttolistenpreis in Höhe von 25.000,00 € zur Verfügung gestellt bekommen. Die Wohnung ist von der ersten Tätigkeitsstätte 45 km weit entfernt.

    0,03 % von 25.000,00 € x 45 km = 337,50 €

    Pauschal darf nur bis zur Entfernungspauschale ver­steuert werden:

    45 km x 0,30 € x 15 Arbeitstage = 202,50 €

    In der Sozialversicherung ist der pauschal versteu­erte Betrag frei.

    Der laufende Arbeitslohn in Höhe von 135,00 € (= 337,50 € – 202,50 €) wird mit dem individuellen Steuersatz versteuert und ist beitragspflichtig.

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    Barzuschuss

    Eine Pauschalversteuerung ist auch bei Barzuschüs­sen möglich, wenn der Betrag dafür die Vorausset­zungen erfüllt.

    Freibetrag für Fahrtkosten in Höhe von 44,00 €

    Sachbezüge, die monatlich nicht 44,00 € über­schreiten, sind steuer- und beitragsfrei. Zu den Sachbezügen gehören auch die Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte. Barzuschüsse zu den Fahrten fallen nicht unter die 44,00 €-Grenze.

    Zu beachten ist der Jahresfahrschein, da der Zu­fluss mit der Überreichung der Karte entsteht. Ein monatlicher Zufluss entsteht nur, wenn die Fahrbe­rechtigung von Monat zu Monat vom Lohnbüro überreicht wird bzw. bei Chipkarten die Freischal­tung monatlich erfolgt.

    Zuzahlungen des Arbeitnehmers

    Der Arbeitnehmer kann den steuerpflichtigen Sach­bezug (Fahrten Wohnung – erster Tätigkeitsstätte) mindern, indem er zu dem vom Arbeitgeber erstat­tenden Betrag Zuzahlungen leistet. Auf diese Weise kann der Sachbezug auf 44,00 € im Monat gemind­ert werden, was zur Folge hätte, dass der Sachbe­zug nach § 8 Abs. 2 S. 11 Einkommensteuergesetz (EStG) steuerfrei ist.

    Der Arbeitgeber stellt dem Arbeitnehmer ein Job-Ticket im Wert von 60,00 €. Der Arbeitnehmer leistet eine Zuzahlung in Höhe von 20,00 €. Andere Sach­bezüge erhält der Arbeitnehmer nicht.

    Das Job-Ticket ist in diesem Fall steuer- und bei­tragsfrei, da der Sachbezug einen Wert in Höhe von 40,00 € (= 60,00 € – 20,00 €) hat.

    Pauschalversteuerung der Fahrtkosten

    Die Entfernungspauschale ist im § 9 Abs. 1 Nr. 4 EStG geregelt. Dadurch, dass die Entfernungspau­schale als Werbungskosten in der Einkommensteu­ererklärung abgezogen werden kann, kann man als Arbeitgeber den Betrag pauschal mit 15 % Lohn­steuer versteuern. Sollte sich der Arbeitgeber jedoch dazu entscheiden, verliert der Arbeitnehmer den An­spruch auf die Ansetzung der Fahrten als Wer­bungskosten. Der Vorteil ist allerdings die Beitrags­freiheit in der Sozialversicherung.

    Die Pauschalversteuerung darf jedoch nur auf den Betrag erfolgen, der als Werbungskosten ansetzbar ist (0,30 € pro Entfernungskilometer). Der überstei­gende Betrag ist mit dem individuellen Steuersatz zu versteuern. Entscheidet man sich gegen die Pau­schalversteuerung, ist der Gesamtbetrag der Fahr­ten zwischen Wohnung & erster Tätigkeitsstätte mit dem individuellen Steuersatz zu versteuern und in der Sozialversicherung abgabenpflichtig.

    Berechnung

    Pro Entfernungskilometer wird 0,30 € berechnet und das jeden Tag den man zur Arbeit fährt.

    Für die Berechnung darf man nur die vollen Kilome­ter nehmen, das heißt, dass man die Kilometer im­mer abrundet. Ebenfalls ist nur die kürzeste Straßen­verbindung maßgebend. Die Berücksichtigung eines längeren Fahrwegs ist nur erlaubt, wenn eine erheb­liche Zeitersparnis vorliegt.

    Es gibt zwei Möglichkeiten der Ansetzung der Tage. Entweder man führt Aufzeichnungen über die tat­sächlichen Arbeitstage oder man nimmt pauschal 15 Tage im Monat. Pro Tag darf man auch nur einmal den Weg berücksichtigen. Sollte der Arbeitnehmer also mehrmals am Tag zur Tätigkeitsstätte fahren, darf dennoch nur die erste Fahrt angesetzt werden.

    Die Entfernung eines Arbeitnehmers zu seiner Ar­beitsstätte ist 10,7 km entfernt. Der Arbeitnehmer führt keine Aufzeichnungen über die Arbeitstage.

    10 km x 0,30 € x 15 Tage = 45,00 €

    Abwälzung der Pauschalsteuer auf den Arbeit­nehmer

    Der Arbeitgeber kann die Pauschallohnsteuer auf den Arbeitnehmer abwälzen. Allerdings darf die pau­schale Lohnsteuer nicht die Bemessungsgrundlage mindern und gilt als zugeflossener Arbeitslohn. Sie wird separat berechnet und als Nettoabzug abgezo­gen.

    Fahrtkosten in der Lohnsteuerbescheinigung

    Erstattet der Arbeitgeber die Fahrten zwischen Woh­nung und erster Tätigkeitsstätte, müssen auf der Lohnsteuerbescheinigung folgende Zeilen ausgefüllt sein:

    • Zeile 17: Hier ist der Betrag einzutragen der steuerfrei erstattet wird (Siehe 44,00 €-Freigren­ze).
    • Zeile 18: In dieser Zeile sind die steuerfreien Erstattungen einzutragen, die pauschal versteu­ert wurden.

    Werden die Zeilen trotz Erstattung nicht ausgefüllt, haftet der Arbeitgeber für die eventuell zu viel erstat­tete Einkommensteuer bei der Veranlagung des Ar­beitnehmers.

    Stand: 14. Dezember 2015

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    Источники: http://www.lohn-info.de/fahrkostenersatz.html, http://arbeits-abc.de/fahrtkostenzuschuss-wohnung-arbeitsstaette/, http://www.paychex.de/news-liste/fahrtkostenerstattung-durch-den-arbeitgeber.html

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