Insolvenzgeld steuer

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    Steuer auf das Insolvenzgeld / Konkursausfallgeld

    Wenn ein Arbeitgeber aufgrund einer Insolvenz nicht mehr in der Lage ist, die noch ausstehenden Löhne und Gehälter seiner Mitarbeiter zu decken, so kann ein Arbeitnehmer den noch ausstehenden Lohn als Insolvenzgeld oder Kurzarbeitergeld ersatzweise vom Arbeitsamt erhalten.

    Diese Zahlung ist jedoch nur für maximal 3 Monate möglich und muss seitens der betroffenen Arbeitnehmer bei der Agentur für Arbeit rechtzeitig beantragt werden, bevor das eigentliche Insolvenzverfahren vom Insolvenzgericht eröffnet wurde. Das gilt auch, wenn man vor der Eröffnung des Insolvenzverfahrens gekündigt wurde.

    Die Zahlung von Insolvenzgeld / Konkursausfallgeld ist an konkrete Vorbedingungen gebunden: So muss nicht nur der Antrag auf Insolvenzgeld rechtzeitig innerhalb einer 2 Monatsfrist gestellt werden, auch die Insolvenz an sich muss dauerhaft sein – und nicht nur einer temporären Betriebseinstellung entsprechen.

    Das Insolvenzgeld / Konkursausfallgeld unterliegt im Gegensatz zu einem Arbeitseinkommen nicht der Besteuerung, es ist als staatliche Leistung steuerfrei. Jedoch besteht für das Insolvenzgeld der Progressionsvorbehalt, das heißt, dass sich der Satz der Einkommensteuer durch den Erhalt des Insolvenzgeldes erhöhen kann, der auf das zu versteuernden und steuerpflichtige Einkommen anfällt.

    Die Insolvenzgeldhöhe richtet sich stets nach den letzten Nettoeinkommen – das Insolvenzgeld wird nicht in Höhe des Bruttolohnes gezahlt. Die Steuer auf das Insolvenzgeld entspricht dem Mehrbetrag, der bei der Abführung der Einkommensteuer zu zahlen ist.

    An einem vereinfachten Beispiel verdeutlich: Max erhält bis zum September ein Gehalt von 2.700 Euro netto. Die Firma bei der er arbeitet, meldet im Oktober Insolvenz an, spricht Max die Kündigung aus und er bekommt bis Dezember kein Gehalt mehr ausbezahlt. Das Insolvenzverfahren wird im Januar eröffnet Max sollte nach dem Bekanntwerden der Insolvenz sofort bei der Agentur für Arbeit einen Antrag auf Insolvenzgeld stellen. Er würde dann 2.700 Euro Insolvenzgeld erhalten, zuzüglich aller sonstigen Bezüge, die sein Arbeitgeber ihm bisher gewährt hat.

    Bei der Versteuerung ist das Insolvenzgeld von 8.100 Euro (3 x 2.700 Euro) zwar steuerfrei, aber durch den Progressionsvorbehalt steigt der Steuersatz auf sein zu versteuerndes Einkommen von 24.300 Euro. Normalerweise müsste Max dafür 3.902 Euro Einkommensteuer bei einem Steuersatz von 16,06 % zahlen.

    Der Progressionsvorbehalt bedeutet, dass sein Einkommen (steuerpflichtig und steuerfrei) aus Insolvenzgeld und Gehalt addiert wird und der Steuersatz auf den Betrag von 32.400 Euro erhoben wird – das wären 19,74 %. Dieser Steuersatz wird nun auf das zu versteuernde Einkommen von 24.300 Euro angewendet – Max muss nun statt 3.902 Euro 4792,82 Euro Einkommensteuer zahlen.

    Die Steuer auf das Insolvenzgeld / Konkursausfallgeld beträgt somit 894,82 Euro, die durch den Progressionsvorbehalt entsteht.

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    1 Kommentar(e) zu diesem Artikel

    Ich begreife das nicht mit dem Progressionsvorbehalt. Das Insolvenzgeld ist doch der Nettolohn. Faktisch heißt das doch, dass ich als Arbeitnehmerin noch weniger Lohn bekomme als ohnehin schon. Wir sind in der Eigenverwaltung („Schutzschirminsolvenz“) und druch den Schuldenschnitt hat uns der Arbeitgeber schon um ca. 150 Überstunden betrogen. Jetzt wird auch noch der Nettolohn in drei Monaten gekürzt. Damit hat also der Gesetzgeber die Arbeitnehmer statt den Arbeitgeber zu schröpfen, weil beim Arbeitgeber nichts mehr zu holen ist. Wo ist das gerecht.

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    Dieser Artikel wurde am 21.02.2011 um 14:30 Uhr veröffentlicht.

    Insolvenzgeld: Ist es wirklich steuerfrei?

    8.000 Angestellte der Airberlin erhalten Insolvenzgeld.

    10.246 Insolvenzen von Unternehmen verzeichnet das Statistische Bundesamt im ersten Halbjahr 2017. Am 15. August hat nun die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Seit diesem Tag können die 8.000 angestellten Mitarbeiter, auch Praktikanten, Auszubildende und geringfügig Beschäftigte, Insolvenzgeld nach dem Dritten Sozialgesetzbuch bei ihrer Agentur für Arbeit beantragen. Wie sich das gewährte Insolvenzgeld auf die Einkommensteuererklärung auswirkt, erklärt Gudrun Steinbach, Mitglied im Vorstand der Lohi.

    Oft können insolvente Unternehmen ihre Mitarbeiter nicht mehr bezahlen. Für die letzten drei Monate vor der Eröffnung eines Insolvenzverfahrens springt die Agentur für Arbeit rückwirkend ein, sobald eine Insolvenzbescheinigung vom Arbeitgeber vorgelegt werden kann und die Löhne nicht mehr bezahlt wurden.

    Die Höhe des Insolvenzgeldes entspricht in der Regel dem üblichen monatlichen Nettoeinkommen. Auch Zulagen, Zuschläge, Sonderzahlungen, Zuwendungen, Erstattungen und Provisionen werden miteingerechnet. Die Beiträge zur Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung übernimmt die Agentur für Arbeit für gesetzlich Versicherte. Bei privat Versicherten werden die Zuschüsse des Arbeitgebers zur privaten Kranken- oder Pflegeversicherung als Insolvenzgeld bezahlt. Die Versicherungsbeiträge sind vom Arbeitnehmer an die Versicherung zu entrichten.

    Wie wird das Insolvenzgeld versteuert?

    „Löhne oder Gehälter, die ein Arbeitnehmer aufgrund von Ausfällen erst gar nicht erhalten hat, müssen in der Einkommensteuererklärung nicht angegeben werden“, erklärt Gudrun Steinbach. „Nur das, was der Angestellte tatsächlich erhalten hat.“

    Lohnersatzleistungen, wie das Insolvenz- oder Arbeitslosengeld, sind an sich steuerfrei. Jedoch unterliegt das Insolvenzgeld dem Progressionsvorbehalt. Es wird zu dem übrigen Jahreseinkommen hinzugerechnet, um den individuellen Steuersatz festzulegen. Dieser erhöhte Steuersatz wird dann auf die übrigen Einkünfte angewendet. Letztendlich führt dies für die übrigen Einkünfte nahezu zum selben Steuersatz, so als ob der Arbeitgeber anstatt der Arbeitsagentur den Arbeitslohn weiter ausbezahlt hätte. Durch die steuerfreie Auszahlung des Insolvenzgeldes bleibt, obwohl der Steuersatz für die übrigen Einkünfte erhöht wird, ein Steuervorteil.

    Verheimlichen kann man das Insolvenzgeld übrigens nicht; die Agentur für Arbeit versendet im Februar des Folgejahres nicht nur die Leistungsbescheinigungen an ihre Kunden, sondern übermittelt die Zahlungen auch direkt elektronisch an die Finanzämter. Durch den Bezug von Insolvenzgeld ist man verpflichtet, eine Einkommensteuererklärung abzugeben, da das Insolvenzgeld in der Regel höher als 410 Euro im Jahr ist.

    Bei Gutverdienern kann es sein, dass das Insolvenzgeld unter dem normalen monatlichen Nettoeinkommen liegt. Das Insolvenzgeld ist derzeit auf den Bruttobetrag von 6.350 Euro abzüglich der gesetzlichen Steuern und Sozialversicherungsbeiträge begrenzt. Ist das Nettoeinkommen höher, wird die Differenz zwischen dem Insolvenzgeld und dem üblichen Nettoeinkommen vom Arbeitgeber oftmals weiterbezahlt. „Dieser Zuschuss zum Insolvenzgeld ist wie das normale Einkommen steuerpflichtig“, so Gudrun Steinbach.

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    Progressionsvorbehalt

    Wer arbeitslos wird, wer längere Zeit krank ist oder wer sich in Elternzeit befindet, für den hören zwar die Gehaltszahlungen des Arbeitgebers (teilweise) auf. Es fließt aber trotzdem weiterhin Geld auf das Konto: das Arbeitslosengeld, das Krankengeld, das Elterngeld.

    Diese Lohnersatzleistungen sind steuerfrei. Es kann jedoch sein, dass Sie dann für Ihre übrigen steuerpflichtigen Einkünfte mehr Steuern zahlen müssen. Schuld daran ist der Progressionsvorbehalt und sein besonderer Steuersatz (§ 32b EStG). Der Steuersatz ermittelt sich aus dem Tarif, der auf die Summe aus laufenden Einkünfte und Lohnersatzleistungen anzuwenden wäre. Mit diesem höheren Steuersatz werden anschließend die laufenden Einkünfte (ohne Lohnersatzleistungen) besteuert.

    Wie viel Steuern Sie wegen des Progressionsvorbehalts mehr zahlen müssen, können Sie mit unserem Progressionsvorbehalts-Rechner ermitteln.

    Dem Progressionsvorbehalt unterliegen nachfolgende Lohnersatzleistungen:

    Arbeitslosengeld, Teilarbeitslosengeld, Zuschüsse zum Arbeitsentgelt, Kurzarbeitergeld, Winterausfallgeld, Insolvenzgeld, Arbeitslosenhilfe, Übergangsgeld, Altersübergangsgeld, Altersübergangsgeld-Ausgleichsbetrag, Unterhaltsgeld als Zuschuss, Eingliederungshilfe nach dem Dritten Buch Sozialgesetzbuch oder dem Arbeitsförderungsgesetz, das aus dem Europäischen Sozialfonds finanzierte Unterhaltsgeld sowie Leistungen nach § 10 des Dritten Buches Sozialgesetzbuch, die dem Lebensunterhalt dienen; Insolvenzgeld, das nach § 188 Absatz 1 des Dritten Buches Sozialgesetzbuch einem Dritten zusteht, ist dem Arbeitnehmer zuzurechnen,

    Krankengeld, Mutterschaftsgeld, Verletztengeld, Übergangsgeld oder vergleichbare Lohnersatzleistungen nach dem Fünften, Sechsten oder Siebten Buch Sozialgesetzbuch, der Reichsversicherungsordnung, dem Gesetz über die Krankenversicherung der Landwirte oder dem Zweiten Gesetz über die Krankenversicherung der Landwirte,

    Mutterschaftsgeld, Zuschuss zum Mutterschaftsgeld, die Sonderunterstützung nach dem Mutterschutzgesetz sowie den Zuschuss bei Beschäftigungsverboten für die Zeit vor oder nach einer Entbindung sowie für den Entbindungstag während einer Elternzeit nach beamtenrechtlichen Vorschriften,

    Arbeitslosenbeihilfe oder Arbeitslosenhilfe nach dem Soldatenversorgungsgesetz,

    Entschädigungen für Verdienstausfall nach dem Infektionsschutzgesetz vom 20.7.2000 (BGBl. I S. 1045),

    Versorgungskrankengeld oder Übergangsgeld nach dem Bundesversorgungsgesetz,

    nach § 3 Nr. 28 steuerfreie Aufstockungsbeträge oder Zuschläge,

    Verdienstausfallentschädigung nach dem Unterhaltssicherungsgesetz,

    Elterngeld nach dem Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz.

    Auch ausländische Einkünfte, die von der inländischen Besteuerung aufgrund eines Doppelbesteuerungsabkommens freigestellt sind, unterliegen dem Progressionsvorbehalt.

    Gesetze und Urteile (Quellen)

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    Источники: http://www.steuerncheck.net/konkursausfallgeld-insolvenzgeld-steuer/, http://www.lohi.de/steuertipps/aktuell/article/insolvenzgeld-ist-es-wirklich-steuerfrei.html, http://www.steuertipps.de/lexikon/p/progressionsvorbehalt

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