Kapitalerträge steuererklärung

    0
    36

    Abgeltungssteuer

    So funktioniert die Abgeltungssteuer

    • Zuletzt aktualisiert: 17. Februar 2017
    • Von: Ludwig Heinz

    Das Wichtigste in Kürze

    • Seit 2009 wird die Abgeltungssteuer auf Zinsen, Dividenden und realisierte Kursgewinne fällig. Davon behält das Finanzamt 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag und seit Januar 2015 auch Kirchensteuer ein.
    • In Ihrer Steuererklärung müssen Sie nichts angeben, aber dafür sorgen, dass Sie einen korrekten Freistellungsauftrag erteilt haben.
    • Schöpfen Sie die Freibeträge auf Ihre Anlagen aus, die zu einem Sparerpauschbetrag zusammengefasst sind: 801 Euro für Ledige, 1.602 Euro für Verheiratete. Sie können auch unter dem Jahr die Freistellungsaufträge bei Ihren Banken ändern.
    • Beim Verkauf von Aktien gilt, dass die zuerst angeschafften als zuerst veräußert behandelt werden. Aktien, die bis Ende 2008 investiert wurden, können steuerfrei verkauft werden.
    • Bei Fonds, die im Ausland aufgelegt sind und Dividenden einbehalten, müssen Sie diese dennoch versteuern. Erträge müssen Sie in der Anlage KAP angeben.
    • Ab 2018 ändert sich die Besteuerung von Investmentfonds grundlegend. Details lesen Sie im Artikel zum Investmentsteuerreformgesetz

    Unser Tipp: Bleiben Sie zu wichtigen Steuerfragen immer auf dem Laufenden – mit unserem kostenlosen Newsletter!

    Sparer, die Geld anlegen in Form von Bankeinlagen, Aktien, Anleihen, Fonds oder Zertifikaten, sind von der Abgeltungssteuer betroffen. Sie wird seit 2009 fällig für Zinsen, Dividenden und realisierte Kursgewinne – sogenannte Kapitaleinkünfte. Die Abgeltungssteuer beträgt pauschal 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag. Sie wird von der Bank einbehalten und an das Finanzamt abgeführt.

    Automatischer Kirchensteuerabzug

    Kapitaleinkünfte unterliegen zudem der Kirchensteuer. Diese wurde bislang allerdings nur dann von Ihrer Depotbank an das Finanzamt abgeführt, wenn Sie einen Antrag auf Einbehalt der Kirchensteuer gestellt haben. Wer diesen Antrag nicht gestellt hatte, musste die Kirchensteuer im Rahmen seiner Einkommensteuererklärung zahlen. Seit Januar 2015 brauchen Sie keinen Antrag auf Einbehalt der Kirchensteuer mehr zu stellen. Denn seitdem erhalten die Banken die Information über die Religionszugehörigkeit ihrer Kunden vom Bundeszentralamt für Steuern in Bonn (BZSt) und führen die Kirchensteuer direkt an das Finanzamt ab.

    Die rechtlichen Grundlagen zur Abgeltungssteuer finden Sie in Paragraf 32d Einkommensteuergesetz. Sorgen Sie unbedingt dafür, dass Sie einen korrekten Freistellungsauftrag erteilt und den Freibetrag auf Ihre verschiedenen Anlagen ausgeschöpft haben. Die Freistellungsaufträge können Sie auch unterjährig ändern und so den Steuerabzug über Ihre diversen Depots optimieren. Dafür müssen Sie Ihrer Bank einen schriftlichen Auftrag erteilen.

    Altaktiengewinne können steuerfrei verkauft werden

    Das System der Abgeltungssteuer wurde zum 1. Januar 2009 eingeführt. Für Veräußerungsgewinne aus Wertpapieren, die bis Ende 2008 gekauft wurden, gilt daher eine Besonderheit: Sie können diese auch heute noch steuerfrei verkaufen.

    Generell gilt für den Aktienverkauf das Prinzip „first in, first out“. Das heißt, dass zuerst angeschaffte Wertpapiere als zuerst verkauft gelten. Dementsprechend werden diese steuerlich behandelt. Dies können Sie zu Ihrem Vorteil ausnutzen. Haben Sie beispielsweise 100 Fresenius-Aktien 2008 erworben und zudem ein Jahr später weitere 100 und wollen nun 150 davon verkaufen, dann können sie 100 davon steuerfrei verkaufen und 50 nach dem Abgeltungssteuersatz.

    Um solche Bestände leichter voneinander abgrenzen zu können, ist es in vielen Fälle besser, neue Anlagen in einem zweiten Depot zu verwahren. Insbesondere Anleger, die sehr oft Wertpapiere kaufen und verkaufen, sollten darüber nachdenken. Online-Depots verlangen inzwischen keine Grundgebühren mehr, weswegen das finanziell keinen Unterschied macht. Die günstigsten Depots finden Sie in unserem Ratgeber.

    Mit der Reform der Investmentbesteuerung, die ab 2018 in Kraft tritt, wird der Bestandsschutz von Investmentfonds aufgehoben: Anleger zahlen dann auf Erträge, die Altfonds ab 2018 erzielen, Abgeltungssteuer jährlich auf eine Pauschale und bei Verkauf. Erträge, die bis Ende 2017 erzielt wurden, bleiben steuerfrei. Für Privatanleger gibt es einen Freibetrag von 100.000 Euro. Um ihn anwenden zu können, sollten Besitzer von Altfonds diese unbedingt halten. Wie die neue Besteuerung für Altfonds genau funktioniert, lesen Sie im Detailartikel zur Investmentsteuerreform.

    Kapitalverluste verrechnen

    Sie dürfen Verluste aus Kapitalerträgen mit den positiven Einkünften aus Ihren Anlagen verrechnen. Beispiel: Erzielen Sie nach dem Verkauf einer Lebensversicherung einen Verlust, so können Sie diesen mit Ihren Zinserträgen aus Sparkonten verrechnen. Aktienverluste dürfen Sie aber nur mit Kursgewinnen aus Aktiengeschäften verrechnen. Laut einer Übergangsregelung konnten bis Ende 2008 erlittene Verluste noch bis 2013 mit neuen Gewinnen verrechnet werden.

    Freibetrag nutzen

    Seit 2009 sind die vorher geltenden Freibeträge in einem Sparerpauschbetrag zusammengefasst. Er beträgt für Ledige 801 Euro im Jahr, für Verheiratete das Doppelte, also 1.602 Euro. Gleichzeitig hat der Gesetzgeber die Abrechnung von Werbungskosten in der Steuererklärung gestrichen. Somit dürfen auch Kosten für einen Kredit, der für den Kauf von Wertpapieren verwendet wird, nicht mehr steuerlich geltend gemacht werden.

    Möglich ist allerdings nach einem Urteil des Finanzgerichts Baden-Württemberg vom 17. Dezember 2012 (Az. 9 K 1637/10) in begründeten Ausnahmefällen ein Abzug der tatsächlichen Werbungskosten bei den Einkünften aus Kapitalvermögen. Demnach können Sie den Abzug von Werbungskosten in tatsächlicher Höhe beantragen, sofern Ihr persönlicher Einkommensteuersatz bereits unter Berücksichtigung des Sparerpauschbetrags unter dem Abgeltungssteuersatz von 25 Prozent liegt.

    Darauf wird die Abgeltungssteuer fällig

    Läuft der Vertrag zwischen Ihnen und der Versicherungsgesellschaft noch keine zwölf Jahre und werden entsprechende Kapitalerträge aus der Versicherung schon vor dem 60. Lebensjahr ausgezahlt, sind Sie als Versicherter verpflichtet, die Abgeltungssteuer von 25 Prozent auf den jeweiligen Betrag zu entrichten.

    Vollkommen steuerfrei sind einmalige Auszahlungen – also das komplette eingezahlte Kapital plus die Erträge aus diesem Kapital – aus einer Lebensversicherung, wenn der Vertrag folgende Bedingungen erfüllt:

    • die Laufzeit beträgt mindestens zwölf Jahre
    • Vertragsbeginn war vor dem 1.1.2005
    • die Todesfallleistung beträgt mindestens 60 Prozent der Versicherungssumme
    • es wurden über mindestens fünf Jahre Beiträge gezahlt

    Haben Sie Ihre Lebensversicherung nach dem 1. Januar 2005 abgeschlossen, müssen Sie die Hälfte des Geldes zum persönlichen Steuersatz versteuern. Dass es nur die Hälfte ist und nicht alles versteuert werden muss, ist allerdings auch an Bedingungen geknüpft:

    • der Vertrag läuft mindestens zwölf Jahre
    • die Auszahlung erfolgt erst nach dem 60. Lebensjahr

    Sämtliche Zinserträge unterliegen seit 1. Januar 2009 der Abgeltungssteuer.

    Die Abgeltungssteuer gilt für die gesamte Dividende und realisierte Kursgewinne. Dabei spielt die Haltedauer keine Rolle.

    Bei ihnen unterliegen Zinsen und Kursgewinne der Abgeltungssteuer.

    Fondserträge, egal ob ausgeschüttet oder wieder angelegt, sind mit dem Abgeltungssteuersatz von 25 Prozent zu versteuern. Gewinne aus Veräußerung von Fonds, Anteilen und Termingeschäften werden bei Ausschüttung von der Abgeltungssteuer erfasst. Ab 2018 sind Teile der Fondserträge bei Aktien- und Mischfonds pauschal steuerbefreit, dafür fällt die Anrechnung von Quellensteuer weg. Details dazu im Ratgeber Investmentsteuerreformgesetz.

    Bei Anteilen an einem Dachfonds, die vor 2009 angeschafft wurden, gilt die vor 2009 bestehende Rechtslage solange, bis der Fonds ausgezahlt und dann eine neue Anlage mit dem Geld getätigt wird. Da sie erst am Ende der Laufzeit steuerlich bewertet werden, können mit solchen Fonds, die je nach Ausrichtung Kapitalerträge aus Zinsen, Dividenden und Kursgewinnen erzielen, langfristig abgeltungssteuerfreie Erträge erzielt werden. Erträge aus Dachfonds, die nach dem 31. Dezember 2008 erworben wurden, unterliegen dagegen komplett der Abgeltungssteuer. Sie sollten sich also gut überlegen, ob Sie sich von solchen Anteilen trennen.

    Kursgewinne aus solchen Anlagen, zum Beispiel aus Zertifikaten mit Kapitalgarantie oder aus Aktienanleihen, fallen ohne Berücksichtigung einer Frist stets unter die Abgeltungssteuer.

    Zertifikate ohne Kapitalgarantie

    Sie unterliegen gleichfalls der Abgeltungssteuer. Ausnahme: Risikozertifikate, die vor dem 15. März 2007 gekauft wurden, sind nach einjähriger Haltedauer steuerfrei.

    Unser Tipp: Bleiben Sie zu wichtigen Steuerfragen immer auf dem Laufenden – mit unserem kostenlosen Newsletter!

    Behandlung ausländischer Kapitalerträge

    Auch auf Kapitalerträge, die Sie im Ausland erzielen, müssen Sie Abgeltungssteuer zahlen. Haben Sie Ihr Depot oder Konto bei einer inländischen Bank, führt diese die Abgeltungssteuer automatisch an das deutsche Finanzamt ab, sofern die Erträge über den Freibetrag von 801 Euro hinausgehen und Sie einen Freistellungsauftrag gestellt haben.

    Ist das Konto oder Depot im Ausland oder kommen die Kapitalerträge von einer ausländischen Bank oder der ausländischen Tochter einer deutschen Bank, wird keine Abgeltungssteuer einbehalten. Das betrifft zum Beispiel Kunden, die bei der Leaseplan Bank, CA Consumer Finance oder Close Brothers ein Tagesgeld- oder Festgeldkonto haben.

    Als Depot- oder Kontoinhaber haben Sie die Pflicht, solche ausländischen Kapitalerträge, für die keine Abgeltungssteuer einbehalten wurde, in der Zeile 15 der Anlage KAP Ihrer Steuererklärung anzugeben. Inländische Kapitalerträge ohne Steuerabzug müssen Sie in die Zeile 14 eintragen.

    Sonderfall ausländische thesaurierende Aktienfonds

    Haben Sie in Ihrem Portfolio einen Aktienfonds, der im Ausland aufgelegt ist und Dividenden wieder anlegt, müssen Sie ebenfalls einige Besonderheiten beachten. Da diese Dividenden nur dem Fonds und nicht direkt Ihrem Konto gutgeschrieben werden, müssen Sie sie separat in der Steuererklärung angeben. Diese Dividenden fallen unter den Posten „ausländische Kapitalerträge“. Sie müssen diese ebenfalls in Zeile 15 der Anlage KAP eintragen.

    In vielen Fällen, in denen ausländische Aktien im Fonds vertreten sind, fällt zudem Quellensteuer an. Sie wird in dem Quellstaat – also dem Staat, in dem das die dividenden zahlende Unternehmen seinen Sitz hat – direkt an die Steuerbehörde abgeführt. Die Quellensteuer kann aber häufig auf die Abgeltungssteuer angerechnet werden. Anleger müssen sie für diesen Zweck ebenfalls in der Anlage KAP angeben. Mehr Informationen dazu finden Sie im Detailartikel thesaurierende Fonds.

    Im Juli 2016 hat der Bundesrat eine Reform der Besteuerung von Investmentfonds verabschiedet. Sie tritt zum 1. Januar 2018 in Kraft. Demnach ändert sich die Systematik der Besteuerung von Investmentfonds grundlegend. Details finden Sie im Artikel zum Investmentsteuerreformgesetz.

    Sollen wir Sie

    Einmal pro Woche die wichtigsten Verbraucher-Tipps – kostenlos und werbefrei direkt in Ihr Postfach.

    Vielen Dank für Ihre Anmeldung

    Bitte bestätigen Sie Ihre E-Mail-Adresse

    1. Schauen Sie gleich in Ihrem Postfach nach.
    2. Öffnen Sie die Mail von Finanztip Newsletter.
    3. Klicken Sie auf den Bestätigungslink.

    Schauen Sie bitte auch im Spam-Ordner nach.

    Das könnte Sie auch interessieren

    Noch mehr sparen mit Finanztip

    Finanztip Newsletter

    • Jede Woche die besten Tipps
    • Absolut kostenlos
    • 100% werbefrei

    Kostenlos anmelden

    Artikel verfasst von

    ehemaliger freier Finanztip-Mitarbeiter

    Ludwig Heinz hat als freier Finanztip-Redakteur zu Themen rund um Verbraucherfinanzen geschrieben. Zuletzt arbeitete er als Teamleiter Anlagestrategie für Gruner + Jahr Wirtschaftsmedien in Frankfurt, davor als Ressortleiter Wirtschaft und Politik bei der Anlegerzeitschrift Börse Online in München. Zudem war er in unterschiedlichen Positionen für mehrere Banken tätig, überwiegend im Research. Ludwig Heinz studierte nach einer Bankausbildung Betriebs- und Volkswirtschaftslehre in München.

    Kapitalerträge: Was muss und was sollte eingetragen werden?

    Kapitalerträge sind Gewinne, die aus der Nutzung des eigenen (Geld-)Kapitals erreicht worden sind. Klassischerweise handelt es sich beispielsweise um Zinsen.

    Steuerrechtlich werden sie auch als Einkünfte aus Kapitalvermögen und unterliegen laut § 20 EStG der Steuerpflicht.

    Dies bedeutet, sie müssen in der Anlage KAP der Steuererklärung vermerkt und dem Finanzamt auf diese Weise kenntlich gemacht werden. Dies ist allerdings deutlich weniger aufwendig als früher.

    Wann sollte die Anlage KAP abgegeben werden?

    In vielen Fällen ist die Abgeltungsteuer auf die Kapitalerträge allerdings zu hoch oder muss überhaupt nicht gezahlt werden. In diesem Fall sollte die Anlage KAP der Steuererklärung beim Finanzamt abgegeben werden, um sich so die zu viel gezahlten Beträge zurückerstatten zu lassen.

    Die Kapitalerträge und die Steuererklärung seit 2009

    Bis 2009 hatten die Belege in der Steuererklärung über die Kapitalerträge nicht selten Radiergummi-Stärke, da diese Gewinne direkt in die Einkommensteuer miteinbezogen worden sind. Seit 2009 ist die Steuererklärung wesentlich dünner geworden, weil das Finanzamt die Steuern bereits kassiert hat.

    Möglich macht dies die Abgeltungsteuer. Es handelt sich um eine Quellensteuer, die direkt von der Bank oder z.B. dem Investmentfonds bezahlt wird. Das System funktioniert ähnlich wie die Lohnsteuer, die auch direkt vom Arbeitgeber überwiesen wird.

    Die Abgeltungsteuer hat eine Gesamthöhe von 30,5 Prozent: Hiervon sind 25 Prozent reine Steuer. Die restlichen 5,5 Prozent sind Solidaritätszuschlag. So sind z.B. die ausgezahlten Zinsen zumeist schon um die Steuer reduziert.

    Muss die Anlage KAP überhaupt noch abgegeben werden?

    Die Abgeltungsteuer hat den Effekt, dass die Steuerschuld auf Kapitalerträge voll beglichen ist. Viele Personen müssen die Anlage KAP mit der Steuererklärung deshalb gar nicht mehr abgeben. Eine Abgabepflicht besteht weiterhin für alle Personen, die

    Steuererklärung 2016: Warum Sie eine Anlage KAP abgeben sollten

    Grundsätzlich ist die Einkommensteuer auf Kapitalerträge durch den Steuerabzug, den die Bank automatisch vornimmt, abgegolten. Eine Angabe der Kapitalerträge in der Steuererklärung ist somit nicht mehr notwendig.

    Allerdings kann es Gründe geben, die Kapitalerträge in Ihrer Steuererklärung dennoch anzugeben. Unter den folgenden Voraussetzungen ist die Abgabe der Anlage KAP erforderlich:

    • Kapitalerträge haben nicht dem Steuerabzug unterlegen.
    • Es besteht Kirchensteuerpflicht, aber es wurde keine Kirchensteuer auf die Kapitalerträge einbehalten.
    • Der Steuereinbehalt soll dem Grunde und der Höhe nach überprüft werden.
    • Ein Antrag auf Günstigerprüfung wird gestellt.
    • Es sind einbehaltene Kapitalertragsteuer sowie die Nebensteuern im Zusammenhang mit anderen Einkunftsarten (z. B. Gewerbebetrieb) anzurechnen.
    • Die Abgeltungswirkung kommt aufgrund von Ausnahmeregelungen nicht in Betracht.

    Steuererklärung 2016: Die Günstigerprüfung kann für Sie vorteilhaft sein

    Für Rentner und Anleger mit einem niedrigen zu versteuernden Einkommen kann es sinnvoll sein, eine Günstigerprüfung durchzuführen. Dafür setzen Sie in Zeile 4 der Anlage KAP eine „1“ ein. Bei Zusammenveranlagung mit Ihrem Ehegatten muss jeder Ehegatte eine eigene Anlage KAP ausfüllen.

    Was bedeutet die Günstigerprüfung? Hierbei wird seitens des Finanzamts überprüft, ob der persönliche Steuersatz unter dem Abgeltungssteuersatz von 25% liegt. Dabei werden sämtliche Einkünfte zusammengerechnet und der persönliche Steuersatz ermittelt.

    Liegt Ihr persönlicher Steuersatz unter 25%, werden Ihre Kapitaleinkünfte mit Ihrem persönlichen Steuersatz besteuert und Sie bekommen die von Ihrer Bank bereits einbehaltenen Steuern zurück.

    Für die Günstigerprüfung müssen Sie allerdings sämtliche Kapitalerträge erklären. Dazu gehören die Kapitalerträge von inländischen auszahlenden Stellen (z. B. Ihre Hausbank), aber auch ausländische Kapitalerträge (z. B. bei ausländischen Kreditinstituten) sowie Erträge aus Beteiligungen.

    So profitieren Sie vom Altersentlastungsbetrag

    Zudem können Anleger mit einem Alter von über 64 Jahre vom Altersentlastungsbetrag profitieren, auch wenn deren Steuersatz über 25% liegt. Denn der Altersentlastungsbetrag ist ein Steuerfreibetrag für Nebeneinkünfte und wird für alle angerechnet, die zu Beginn des Jahres 64 Jahre alt sind.

    Die Grundlage stellen die Nebeneinkünfte dar. Dazu gehören unter anderem Kapitaleinkünfte. Geben Sie in Ihrer Steuererklärung z. B. nur die (Alters-)Renten an und machen Sie keine Angabe zu Kapitaleinkünften, wird kein Altersentlastungsbetrag angerechnet, weil dieser nicht auf der Grundlage der Renten berechnet wird.

    Sollte dadurch das zu versteuernde Einkommen unter 8.652 € bei Ledigen bzw. 17.304 € bei Ehepaaren (Grundfreibetrag) sinken, so kann eine Steuerfreiheit herauskommen. Wurde bereits die Abgeltungssteuer durch die Bank als auszahlende Stelle einbehalten, werden die Steuern erstattet.

    Rechenbeispiel für den Altersentlastungsbetrag

    Mit 65 Jahren ging der konfessionslose A im Jahr 2011 in Rente. Im Jahr 2012 erhielt er, wie im Jahr 2011, eine Bruttorente von 25.000 €. Zudem bekam er 4.500 € Zinsen. Ein Freistellungsauftrag in Höhe von 801 € wurde bei der Bank gestellt. Nach Abzug des Sparer-Pauschbetrags wurden ihm 975,61 € Steuern (25% Abgeltungssteuer und 5,5% Solidaritätszuschlag) von den Zinserträgen einbehalten und somit 3.524,39 € ausgezahlt.

    In seiner Steuererklärung für 2016 müsste A seine Kapitalerträge nicht mehr angeben. Denn der Steuerabzug auf die Zinsen hat abgeltende Wirkung. Nur seine Rente muss er angeben und in voller Höhe in die Einkommensteuererklärung eintragen. Da er in 2011 in Rente gegangen ist, werden nur 62% der Rente besteuert, also 15.500 €. Von diesem steuerbaren Rentenanteil werden pauschal noch 102 € Werbungskosten abgezogen.

    Darüber hinaus erhält A eine Sonderausgabenpauschale von 36 €. Für seine Krankenversicherung hat A 2.000 € bezahlt. Somit hätte A ein zu versteuerndes Einkommen von 13.362 € und ca. 900 € Einkommensteuer zu zahlen. Zusammen mit der Abgeltungssteuer auf die Kapitaleinnahmen hat A in der Summe 1.875,61 € (975,61 € + 900 €) Steuern gezahlt.

    Würde A nun auch die Kapitalerträge angeben, steht ihm der Altersentlastungsbetrag zu. Dieser ist vom Lebensjahr abhängig und beträgt hier im Beispielsfall 32,0% der

    Nebeneinkünfte (hier Zinsen), maximal aber 1.520 €. Mit Angabe der Kapitalerträge ergibt sich die folgende Berechnung:

    Hierauf sind rund 1.500 € Steuern zu zahlen. Die durch die Bank einbehaltenen Steuern in Höhe von 975,61 € werden jedoch angerechnet. A hat somit in der Summe nur eine Steuerbelastung in Höhe von 1.500 € statt – wie oben dargestellt – 1.875,61 €. Seine Steuerbelastung sinkt um rund 375 €. Zudem stellt A noch einen Antrag auf Günstigerprüfung. Die Zinsen werden dann mit dem niedrigen persönlichen Steuersatz besteuert. A bekommt die zu viel gezahlte Abgeltungssteuer wieder ausgezahlt.

    Der Antrag auf Überprüfung des Steuereinbehalts für bestimmte Kapitalerträge

    Tragen Sie in Zeile 5 der Anlage KAP eine „1“ ein, wenn das Finanzamt eine Überprüfung des Steuereinbehalts für bestimmte Kapitalerträge vornehmen soll. Insbesondere gehören dazu die folgenden Fälle:

    • Der Sparer-Pauschbetrag wurde beim Steuerabzug nicht vollständig ausgeschöpft.
    • Die Ersatzbemessungsgrundlage wurde beim Steuerabzug angewendet, weil Ihrer Bank die Anschaffungskosten von Wertpapieren nicht bekannt waren (z. B. infolge eines Depotübertrags).
    • Verluste wurden bei Ihrer Bank nicht vollständig oder zu niedrig berücksichtigt

    In diesen Fällen sind in die linken Spalte der Zeilen 7 bis 13 der Anlage KAP die Beträge laut der Steuerbescheinigung Ihrer Bank und in die rechte Spalte die korrigierten Beträge einzutragen. Auf einem gesonderten Blatt machen Sie Erläuterungen und fügen dieses Blatt der Einkommensteuererklärung bei.

    Auszahlung der Kapitalerträge ohne Kirchensteuerabzug

    Sind Ihnen trotz Kirchensteuerpflicht Kapitalerträge mit Abzug der Abgeltungssteuer, aber ohne Kirchensteuerabzug gutgeschrieben worden, tragen Sie in das Formular in Zeile 6 eine „1“ ein.

    Dabei ist es ausreichend, wenn Sie in Zeile 50 die Kapitalertragsteuer und in Zeile 51 den Solidaritätszuschlag eintragen. Möchten Sie darüber hinaus auch eine Minderung der Kapitalertragsteuer (z. B. durch die Günstigerprüfung), müssen Sie auch die anderen Felder ausfüllen.

    Teilen Sie bereits Ihrer Bank mit, ob Sie kirchensteuerpflichtig sind. Dann zieht sie bereits bei Auszahlung der Kapitalerträge die Kirchensteuer ab und leitet sie automatisch an das Finanzamt weiter.

    Sollten Sie einen hohen Steuersatz haben und entfällt für Sie dadurch eine Günstigerprüfung, brauchen Sie die Kapitalerträge nicht mehr in der Steuererklärung anzugeben, zumal dann auch schon die Kirchensteuer abgezogen wurde. Das entsprechende Formular erhalten Sie bei Ihrer Bank bzw. auf deren Homepage im Internet.

    12. Februar 2016

    Dirk Schöbel ist Diplom-Kaufmann und für einen Steuerberater, wie auch als Finanzredakteur tätig. Zu seinen Themenschwerpunkten zählen die Vermögensberatung und -analyse unter Berücksichtigung der steuerlichen Gegebenheiten.

    10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt

    Источники: http://www.finanztip.de/abgeltungsteuer/, http://www.steuerklassen.com/steuererklaerung/anlage-kap/kapitalertraege-was-muss-und-was-sollte-eingetragen-werden/, http://www.gevestor.de/details/steuererklarung-2012-warum-sie-eine-anlage-kap-abgeben-sollten-678228.html

    HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

    Please enter your comment!
    Please enter your name here