Kirchensteuer steuererklärung

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    Kirchensteuer

    Mit oder ohne Kirchenaustritt lassen sich Steuern sparen

    • Zuletzt aktualisiert: 14. September 2017
    • Von: Udo Reuß

    Das Wichtigste in Kürze

    • Kirchensteuer zahlen müssen in Deutschland wohnende Mitglieder einer evangelischen oder katholischen Kirche sowie Mitglieder der jüdischen Kultusgemeinden, nicht jedoch Muslime oder Christlich-Orthodoxe.
    • Neben der normalen Kirchenlohnsteuer, gibt es noch zwei Sonderfälle: die Kirchengrundsteuer (in den Bistümern Speyer und Limburg) sowie das allgemeine und das besondere Kirchgeld.
    • Kirchensteuer ist Landesrecht. Der Steuersatz liegt bei 9 Prozent der zu zahlenden Einkommensteuer, nur in Bayern und Baden-Württemberg sind es 8 Prozent. In diesen Bundesländern wird allerdings zusätzlich das sogenannte Kirchgeld fällig.

    So gehen Sie vor

    • Kirchensteuer und Kirchgeld sind unbeschränkt als Sonderausgaben abzugsfähig. Geben Sie diese auf der zweiten Seite des Mantelbogens Ihrer Steuererklärung an.
    • In den meisten Bundesländern können sehr gut verdienende Kirchenmitglieder die Kirchensteuer kappen. Dann wird sie auf 2,75 bis 3,5 Prozent des zu versteuernden Einkommens begrenzt. In einigen Ländern müssen Sie dies beantragen, andernorts übernimmt dies das Finanzamt automatisch.
    • Mit einem Kirchenaustritt können Sie die Zahlung von Kirchensteuer dauerhaft vermeiden. Im Jahr des Austritts ist die Steuer jedoch ein letztes Mal fällig.

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    Peter Maffay ist laut Medienberichten von einem Fan zum Glauben bekehrt worden. Um zu Gott zu finden, muss man offenbar nicht unbedingt in der Kirche sein, denn Maffay ist nach eigener Auskunft „schon vor vielen Jahren“ ausgetreten. Dadurch hat der Rockmusiker enorm bei der Kirchensteuer gespart.

    In Deutschland sind rund 48 Millionen Menschen potenziell kirchensteuerpflichtig. So viele Bundesbürger gehören einer staatlich anerkannten Religionsgemeinschaft an, die eine Kirchensteuer erheben darf. 2015 gab es jedoch 390.000 Kirchenaustritte, ein Motiv dafür war womöglich das Sparen von Kirchensteuer. Aktuell sind nur noch 56 Prozent der Deutschen Mitglieder in einer Kirche.

    Voraussetzungen für die Kirchensteuerpflicht

    Die Kirchensteuer wird durch Gesetze der Bundesländer geregelt (Kirchensteuergesetze). Zwei Voraussetzungen müssen erfüllt sein für diese Steuerpflicht.

    Mitgliedschaft – Religionsgemeinschaften oder Weltanschauungsorganisationen, die als Körperschaft des öffentlichen Rechts staatlich anerkannt sind, dürfen Kirchensteuer erheben. Dazu zählen alle katholischen Kirchen, die altkatholische Kirche, die evangelischen Landeskirchen, freireligiöse Gemeinden, die Französische Kirche zu Berlin, die Mennonitengemeinde in Hamburg-Altona, die Unitarische Religionsgemeinschaft Freier Protestanten in Rheinland-Pfalz, die jüdischen Kultusgemeinden sowie die israelitischen Religionsgemeinschaften. 2015 nahmen die Religionsgemeinschaften insgesamt 11,46 Milliarden Euro Kirchensteuer ein – ein Rekordwert.

    Wohnsitz in Deutschland – Weitere Voraussetzung neben der Mitgliedschaft in einer kirchensteuererhebenden Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaft ist, dass Sie in Deutschland wohnen.

    Helfer für die Steuererklärung

    Religionsgemeinschaften, die keine Kirchensteuer erheben

    Die orthodoxen Kirchen und die evangelisch-freikirchlichen Gemeinden dürften Kirchensteuer von ihren Mitgliedern erheben, verzichten jedoch darauf. Dazu zählen beispielsweise auch die Zeugen Jehovas, die Heilsarmee, die Alevitische Gemeinde Deutschlands, die Neuapostolische Kirche sowie Bahá’í.

    Muslimische Religionsgemeinschaften sind in Deutschland keine anerkannten Körperschaften des öffentlichen Rechts und dürfen daher keine Kirchensteuer verlangen. Das betrifft gut vier Millionen Muslime. Auch Buddhisten, Adventisten, Baptisten und Methodisten müssen keine Kirchensteuer zahlen.

    Arbeitgeber oder Finanzamt zieht Kirchensteuer ein

    Als Arbeitnehmer finden Sie auf Ihrer monatlichen Gehaltsabrechnung den Posten Kirchensteuer. Diese führt Ihr Arbeitgeber direkt vom Lohn ans Finanzamt ab, wenn Ihre elektronische Lohnsteuerkarte das entsprechende Merkmal trägt, zum Beispiel „ev“ für die Mitgliedschaft in einer Kirche, die in den Evangelischen Landeskirchen eingegliedert ist.

    Abzug an der Quelle

    Auch auf Kapitalerträge müssen Sie Kirchensteuer zahlen. Seit 2009 werden Zinsen und Dividenden pauschal mit 25 Prozent Abgeltungssteuer besteuert. Grundsätzlich haben Sie ein Wahlrecht, ob die Bank die darauf zusätzlich fällige Kirchensteuer gleich einbehält und für Sie ans Finanzamt abführt oder ob Sie die Anlage KAP ausfüllen und somit die Kirchensteuer selbst mittels einer Steuererklärung vom Finanzamt abziehen lassen.

    Bank führt Kirchensteuer meist automatisch ab

    Wer dem Datenabruf aber schriftlich widerspricht, muss die Anlage KAP ausfüllen und dort seine Kapitalerträge angeben. Dann veranlagt das Wohnsitzfinanzamt hierfür die Kirchensteuer. Im Steuerbescheid weist es die zu zahlende Kirchensteuer aus.

    Die Kirchensteuer ist genauso wie der Solidaritätszuschlag eine Ergänzungsabgabe, auch Annex- oder Zuschlagsteuer genannt. Auf die zu zahlende Einkommensteuer kommen als Zuschlag noch 9 Prozent hinzu, außer in Bayern und Baden-Württemberg, wo nur 8 Prozent fällig werden. Bemessungsgrundlage der aufs Jahr bezogenen Kirchensteuerschuld ist also letztlich die nach einer Steuererklärung im Steuerbescheid festgesetzte Einkommensteuer.

    Ehepartner mit verschiedenen Konfessionen

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    Berechnung der Kirchensteuer

    Die Berechnung der Kirchensteuer ist geregelt in Paragraf 51a Einkommensteuergesetz.

    Quelle: Vereinigte Lohnsteuerhilfe e.V. vom 5. Januar 2016

    Bemessungsgrundlage ist die tarifliche Einkommensteuer, auch in Form der Lohnsteuer, die der Arbeitgeber direkt abführt. Davon abgezogen werden Kinderfreibeträge.

    Treten Sie beispielsweise im Oktober 2016 aus der Kirche aus, dann entfällt die Kirchensteuerpflicht – abhängig vom Bundesland – entweder Ende Oktober oder Ende November 2016. Die Bemessungsgrundlage ist jedoch für das Jahr des Kirchenein- oder -austritts zu zwölfteln. Konkret bedeutet dies, dass im genannten Beispiel im ersten Fall die Monate November und Dezember, im zweiten Fall nur der Dezember bei der Berechnung außen vor bleibt.

    Liegt das Einkommen unterhalb des Grundfreibetrags – im Jahr 2016 beträgt dieser 8.652 Euro jährlich bei einer Einzelveranlagung – ist weder Einkommen- noch Kirchensteuer zu zahlen. Verheiratete, die sich zusammenveranlagen lassen, profitieren vom doppelten Grundfreibetrag. 2017 soll dieser für jeden Steuerzahler um je 168 Euro steigen und 2018 um je 180 Euro.

    Sachleistungen – Arbeitgeber können für Sachzuwendungen eine pauschale Lohnsteuer ansetzen (§ 37b EStG). Sachzuwendungen sind steuerpflichtige Geschenke oder sonstige Sachleistungen des Arbeitgebers an seinen Mitarbeiter. Wer als Arbeitnehmer keiner Kirche angehört, sollte seinen Arbeitgeber darauf hinweisen, damit die Firma bei der Lohnsteuerberechnung keine Kirchensteuer abführt.

    Das gilt auch für Teilzeitbeschäftigte und geringfügig Beschäftigte, denn bei denen ist eine pauschale Lohnsteuer von 2, 20 oder 25 Prozent möglich (§ 40a EStG). Auch darauf ist neben dem Solidaritätszuschlag zusätzlich Kirchensteuer fällig. Unabhängig davon, ob der Arbeitnehmer überhaupt Kirchenmitglied ist, führt der Arbeitgeber je zur Hälfte Kirchensteuer für die katholische und die evangelische Kirche ab. Wenn der Arbeitnehmer jedoch keiner Kirche angehört, ist ein Widerspruch des Arbeitgebers möglich (Bundesfinanzhof, Urteil vom 30. November 1989, Az. I R 14/87, Bundessteuerblatt II 1990, 993). Unterbleibt dies, müssen sogar Nichtmitglieder Kirchensteuer zahlen.

    Abfindungen – Auch auf eine Abfindung ist Kirchensteuer fällig. Sie können jedoch einen Teilerlass beantragen.

    Kirchengrundsteuer Neben der Kirchensteuer vom Einkommen gibt es in den Bistümern Limburg und Speyer außerdem auch eine Kirchensteuer vom Grundbesitz. Dies betrifft kirchensteuerpflichtige Immobilieneigentümer in Rheinland-Pfalz und Teilen von Hessen. Hier ziehen die Städte und Gemeinden zusammen mit der Grundsteuer 10 Prozent des Grundsteuermessbetrags als Kirchensteuer ein.

    Kirchgeld in Bayern und in Baden-Württemberg

    Kirchgeld ist eine besondere Form der Kirchensteuer und fließt direkt an die Kirchengemeinde. Der niedrigere Kirchensteuersatz von 8 Prozent in Bayern und in Baden-Württemberg wird damit begründet, dass zusätzlich zur Kirchensteuer ein obligatorisches Kirchgeld zu zahlen ist. Hierbei stufen sich die Kirchenmitglieder selbst einkommensmäßig ein und überweisen das Kirchgeld an ihre Kirchengemeinde – zusätzlich zur bereits monatlich vom Arbeitgeber abgeführten Kirchensteuer.

    Außerdem gibt es zwei spezielle Varianten des Kirchgeldes:

    Allgemeines Kirchgeld – Wer als Arbeitsloser, Hausfrau/-mann oder Student nur geringe Einkünfte hat und Mitglied in einer Kirche ist, muss an seine Kirchengemeinde das allgemeine Kirchgeld zwischen 24 und 72 Euro im Jahr zahlen. Fällig ist dieses immer, wenn das Kirchenmitglied volljährig ist und die Einnahmen oberhalb des Existenzminimums liegen. Das allgemeine Kirchgeld gibt es vor allem in Rheinland-Pfalz und im Rheinland.

    Besonderes Kirchgeld – Diese Form des Kirchgelds betrifft ausschließlich Ehen beziehungsweise gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften, bei denen sich beide Partner für die Zusammenveranlagung entschieden haben. Der Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe e.V. illustriert das besondere Kirchgeld im folgenden Beispiel (Stand: 5. Januar 2016):

    Ein leitender Angestellter ist kürzlich aus der Kirche ausgetreten. Er ist zusammenveranlagt mit seiner als Hausfrau tätigen Gattin, die weiterhin in der Kirche ist. Für sie ist das besondere Kirchgeld als erhöhte Kirchensteuer fällig. Berechnet wird dieses vom zuständigen Finanzamt. Als Bemessungsgrundlage gilt das gemeinsame Einkommen. Es wird in einer Tabelle mit 13 Stufen eingeordnet. Die niedrigste Stufe gilt für ein gemeinsam zu versteuerndes Einkommen des Ehepaares zwischen 30.000 und 37.499 Euro. Daraus resultiert ein besonderes Kirchgeld von 96 Euro im Jahr. Stufe 13 gilt ab einem Einkommen von 300.000 Euro. Dann sind schon 3.600 Euro fällig.

    Immer wieder klagen Steuerpflichtige gegen das besondere Kirchgeld – erfolglos. Auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat keine rechtlichen Bedenken (EGMR in mehreren Entscheidungen vom 6. April 2017). Wer das besondere Kirchgeld vermeiden will, dem bleibt nur der Austritt oder der Wechsel der Religionsgemeinschaft als Ausweg.

    Kappung der Kirchensteuer beantragen

    Bei besonders gut verdienenden Menschen wie Peter Maffay kann die Kirchensteuer ganz schön teuer kommen. Um die Steuerlasten zu mindern, ist in den meisten Kirchen und Bundesländern eine Kappung der Kirchensteuer auf 2,75 bis 3,5 Prozent des zu versteuernden Einkommens möglich. Ansonsten ist bei der Kirchensteuer die gezahlte Kirchensteuer die Bemessungsgrundlage, bei der Kappung aber nicht. Voraussetzung ist, dass die sogenannte Kappungsschwelle überschritten wird. Diese ist in den Landeskirchensteuergesetzen geregelt. Nur in Bayern gibt es keine gesetzliche Kappungsgrenze. Daher ist dort als einzigem Bundesland grundsätzlich keine Begrenzung der Kirchensteuer möglich. Allerdings können Kirchen aus Billigkeitsgründen durchaus einen teilweisen Erlass gestatten.

    In Berlin hingegen kann die Kirchensteuer auf 3 Prozent gekappt werden. Für einen Ledigen mit 150.000 Euro zu versteuernden Einkommen bringt dies einen Vorteil von fast 1.200 Euro.

    Die Hälfte der Steuerzahler, nämlich alle, die in Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz oder Saarland leben, müssen selbst aktiv werden und die Kappung beantragen. Beantragen müssen Sie diese bei der zuständigen Diözese oder Landeskirche. Dafür genügt ein formloses Schreiben sowie die Kopie des letzten Einkommensteuerbescheids.

    In allen anderen Bundesländern müssen Steuerzahler außer der Steuererklärung nichts weiter unternehmen, weil das Finanzamt von sich aus die günstigere Kirchensteuer berechnet.

    Kirchensteuer teilweise zurückholen

    Tatsächlich können Sie sich einen Teil der gezahlten Kirchensteuer zurückholen. Dazu müssen Sie nur eine Einkommensteuererklärung machen. Denn die gezahlte Kirchensteuer – und dazu gehört auch das Kirchgeld – ist unbeschränkt als Sonderausgabe abzugsfähig (§ 10 Absatz 1 Nummer 4 Einkommensteuergesetz).

    Dazu geben Sie die gesamte Kirchensteuer und Kirchgeld auf der zweiten Seite im Mantelbogen der Einkommensteuererklärung an (im Formular für das Jahr 2016 in der Zeile 42).

    Nicht abzugsfähig ist aber die Kirchensteuer als Zuschlag auf die Abgeltungssteuer bei Kapitalerträgen. Grund hierfür: In Paragraf 32d Absatz 1 Satz 3 Einkommensteuergesetz ist geregelt, dass im Fall der Kirchensteuerpflicht die Abgeltungssteuer um 25 Prozent gemindert wird.

    Kirchensteuer für Erblasser als eigene Sonderausgabe

    Als Sonderausgabe abziehen kann der Erbe die für den Erblasser gezahlte Kirchensteuer. Diese gilt sodann als eigene Sonderausgabe.

    Bezüglich der sachlichen Zuständigkeit in Kirchensteuerangelegenheiten müssen Sie unterscheiden zwischen:

    1. Die Berechnung des zu versteuernden Einkommens beziehungsweise der Einkommensteuer: Hierfür ist das Finanzamt zuständig. Einsprüche sind innerhalb eines Monats dort schriftlich einzulegen.

    2. Die Berechnung einer „fiktiven Einkommensteuer“ gemäß Paragraf 51a Absatz 2 Einkommensteuergesetz. Einen Einspruch hiergegen müssen Sie beim zuständigen Kirchensteueramt einlegen.

    Darüber hinaus kann selbstverständlich jeder freiwillig Geld an gemeinnützige Organisationen nach eigener Wahl spenden und dies ebenfalls als Sonderausgabe absetzen.

    Ab 2017 sollen sogar die benötigten Spendenbescheinigungen elektronisch an die Finanzämter übermittelt werden, sodass dann für solche Fälle keine Spendenbescheinigung in Papierform mehr vorzulegen wäre.

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    Kirchenaustritt

    Die Kirchensteuer ist eine der wenigen Steuern, die sich ganz leicht vermeiden lässt: durch einen Kirchenaustritt. Wer sich hierfür entschieden hat, geht mit seinem Personalausweis oder Reisepass zum Standesamt. In manchen Kommunen ist das Amts- oder Kreisgericht verantwortlich. Verheiratete benötigen manchmal auch die Heiratsurkunde. Vor Ort füllen Sie das Kirchenaustritts-Formular aus und unterschreiben es. In manchen Städten und Gemeinden müssen Sie eine Gebühr zwischen 25 und 100 Euro bezahlen. Lassen Sie sich eine Bestätigung für den Kirchenaustritt aushändigen, damit Sie auch nach einem Umzug einen Nachweis haben. Je nach Bundesland endet die Kirchensteuerpflicht entweder im Folgemonat oder einen Monat später.

    Da das Bundeszentralamt für Steuern Ihren Arbeitgeber automatisch über Ihren Kirchenaustritt informiert, ist keine Meldung ans Finanzamt erforderlich. Kontrollieren Sie aber vorsichtshalber Ihre Gehaltsabrechnungen in den Folgemonaten.

    Die Entscheidung, ob Sie in der Kirche bleiben oder eventuell die Konfession wechseln, sollte in erster Linie eine Frage des Glaubens sein und keine rein materielle Entscheidung. Die Kirchen in Deutschland sind auch Träger vieler sozialdienlicher Einrichtungen.

    Natürlich steht es Ihnen frei, die im Fall eines Austritts gesparte Kirchensteuer an andere soziale Einrichtungen eigener Wahl zu spenden.

    FAQ Kirchensteuer

    1. Wer ist in Deutschland kirchensteuerpflichtig?

    Antwort: Kirchensteuerpflichtig ist, wer einer Kirche oder einer Glaubensgemeinschaft angehört, die Kirchensteuer erhebt. In Deutschland sind dies vor allem die beiden großen Kirchen, die römisch-katholische und die evangelische. Mitglied dieser beiden Kirchen wird man durch den Akt der Taufe, der meist im Säuglingsalter vorgenommen wird. Ein bewusster Eintritt liegt somit in der Regel nicht vor, dennoch haben die Getauften die Rechtsfolgen für die Entscheidung ihrer Eltern zu tragen. Eine Gebühr für den Kircheneintritt wird von staatlichen Stellen nicht erhoben.

    2. Dürfen auch andere Glaubensgemeinschaften außer den beiden großen Kirchen Kirchensteuer erheben?

    Antwort: Ja, auch andere Gemeinschaften können grundsätzlich Kirchensteuer erheben. Voraussetzung ist jedoch, dass diese den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts haben. So wird in Deutschland u.a. von Israelitischen Kultusgemeinden und Altkatholiken Kirchensteuer erhoben. Glaubensgemeinschaften, die als Vereine organisiert sind, können keine Kirchensteuer erheben. Sie können lediglich Mitgliedsbeiträge einfordern.

    3. Worin unterscheidet sich die Kirchensteuer von einem Mitgliedsbeitrag?

    Antwort: Als Steuer ist die Kirchensteuer, wenn ein Mitglied nicht zahlt, direkt durch die staatliche Finanzverwaltung vollstreckbar; ein ausstehender Mitgliedsbeitrag muss durch ein zivilrechtliches langwierigeres Mahn- und Vollstreckungsverfahren eingetrieben werden.

    Durch ihre Koppelung an die Lohnsteuer steigt bei einer Lohnerhöhung automatisch auch die Kirchensteuer; die Erhöhung eines Mitgliedsbeitrages muss in der Regel durch die Mitglieder- oder Delegiertenversammlung beschlossen werden. Andererseits sind die Einnahmen der Kirchen auch von der Senkung der direkten Steuern betroffen.

    4. Welche Arten von Kirchensteuer gibt es in Deutschland?

    Kircheneinkommens- bzw. Kirchenlohnsteuer: Diese Kirchensteuer wird als prozentualer Zuschlag zur Einkommens- bzw. Lohnsteuer berechnet. Sie wird bei abhängig Beschäftigten direkt bei der Gehaltsabrechnung nach den Angaben auf der Lohnsteuerkarte abgezogen und durch den Arbeitgeber an das Finanzamt abgeführt. Dieses leitet die Beträge an die jeweiligen Religionsgemeinschaften weiter.

    Eine Sonderregelung gilt in Bayern. Dort wird bei den großen Kirchen für alle Steuerpflichtigen, die ihr Einkommen in einer Steuererklärung deklarieren müssen, die Kircheneinkommensteuer auf Grund eines Bescheids kircheneigener Kirchensteuerämter festgesetzt.

    Mindestbetrags-Kirchensteuer: .In einigen Bundesländern wird von den Kirchen ein Mindestbetrag festgelegt.Fällt bei einem wenig verdienenden Kirchenmitglied die von der Lohnsteuer berechnete Kirchensteuer unter diesen Betrag, wird stattdessen der höhere

    Mindestbetrag als Kirchensteuer erhoben.

    Besonderes Kirchgeld in glaubensverschiedener Ehe: Diese Steuer wurde mittlerweile in fast allen Bundesländern eingeführt, wird meistens jedoch nur von der evangelischen Kirche erhoben. Das Kirchgeld zahlt ein nicht oder gering verdienendes Kirchenmitglied, wenn der allein oder besser verdienende Ehepartner keiner kirchensteuerpflichtigen Gemeinschaft angehört. Berechnungsgrundlage des Kirchgeldes ist das Gesamteinkommen, also auch und vor allem das Einkommen des Nichtkirchenmitglieds. Damit erlangen die Kirchen die Steuerdaten auch von Konfessionslosen.

    Kirchensteuer auf Kapitalertragssteuer: Kapitalerträge (z.B. Zinsen auf Sparanlagen) unterliegen als Einkommen der Abgeltungssteuer und auch der Kirchensteuer. Entsprechend den Angaben zur Kirchenmitgliedschaft führt die Bank die Abgeltungssteuer einschließlich Kirchensteuer an das Finanzamt ab.

    Kirchengrundsteuer: Die Kirchengrundsteuer wird in einigen Bundesländern als Zuschlag zu den Grundsteuermessbeträgen aus land- und forstwirtschaftlichem Grundbesitz erhoben, wenn sie die Kircheneinkommens- oder Kirchenlohnsteuer übersteigt.

    Ortskirchensteuer: Wird in manchen Bundesländern zusätzlich als teils freiwilliges Kirchgeld erhoben.

    5. Wie hoch ist die Kirchensteuer in Deutschland?

    Antwort: Der Kirchensteuersatz auf Lohn- bzw. Einkommenssteuer sowie auf die Kapitalertragssteuer beträgt in Bayern und Baden-Württemberg 8%, in den übrigen Bundesländern 9% der Einkommenssteuerschuld.

    Wird die Lohnsteuer pauschal vom Arbeitgeber abgeführt (z.B. bei Geringfügiger Beschäftigung, Aushilfen), wird auch die Kirchensteuer pauschal berechnet, egal ob der Arbeitnehmer tatsächlich Kirchenmitglied ist. Der Prozentsatz liegt zwischen 4 und 7% je nach Bundesland. Bei Minijobs ist in der Lohnsteuerpauschale ein Kirchensteueranteil von 5% enthalten. Hierzu erläutert ein Kirchensteuerexperte der EKD: „Die in der einheitlichen Pauschsteuer definitorisch enthaltene Kirchensteuer ist keine solche im eigentlichen Sinn, da ihr die sie begründenden Merkmale fehlen. Es ist vielmehr eine von allen Arbeitgebern zu tragende staatliche Steuer mit gesetzlicher Verwendungsfiktion.“

    6. Müssen Konfessionslose für ihren Ehepartner Kirchensteuer zahlen?

    Antwort: Das kann passieren und zwar durch das so genannte „Besondere Kirchgeld in glaubensverschiedenen Ehen“. Dabei wird bei der Berechnung der Kirchensteuer eines Kirchenmitglieds, das selbst kein oder nur ein geringes Einkommen hat, das Einkommen des Ehepartners herangezogen. Dieser hat dann für die Kirchensteuer (in diesem Fall als „Kirchgeld“ bezeichnet) des Ehepartners aufzukommen. Das Kirchgeld wird in fast allen Bundesländern bzw. von allen evangelischen Landeskirchen und manchen römisch-katholischen Diözesen erhoben. Eine Verfassungsbeschwerde (Az. 2 BvR 591/06) hat das Bundesverfassungsgericht im November 2010 nicht zur Entscheidung angenommen und damit die bisherige Praxis bestätigt.

    7. Müssen auch Rentner und Arbeitslose Kirchensteuer zahlen?

    Antwort: Rentner müssen Kirchensteuer zahlen, vorausgesetzt sie sind einkommenssteuerpflichtig und verfügen über eine entsprechend hohe Rente. Einige Kirchengemeinden haben ein in der Regel freiwilliges Kirchgeld für Rentner und andere Mitglieder, die kein entsprechend hohes Einkommen (mehr) haben, eingeführt.

    Arbeitslose müssen keine Kirchensteuer zahlen. Bis 2004 wurde bei der Berechnung des Arbeitslosengeldes eine „fiktive Kirchensteuer“ bei allen Arbeitslosen abgezogen, egal, ob sie einer Kirche angehörten oder nicht. Das Bundesverfassungsgericht bestätigte im Jahr 1994 die Rechtmäßigkeit u.a. damit, dass die Kirchensteuer zu den „gewöhnlich anfallenden Abzügen“ gehört, solange man „aufgrund statistischer Erkenntnisse davon ausgehen kann, dass die überwiegende Mehrheit der Arbeitnehmer die Abgabe zu zahlen hat“. Da dies zum Zeitpunkt der Neuregelung des Arbeitslosengeldes ab 2005 (Einführung ALG II) nicht mehr der Fall war, wurde die fiktive Kirchensteuer auf Arbeitslosengeld abgeschafft.

    8. Bekommen die Kirchen auch Geld von Nichtmitgliedern?

    Antwort: Ja, denn die Kirchensteuer macht nur einen Teil der Einnahmen der beiden großen Kirchen aus. Daneben erhalten sie sog. Staatsleistungen und zahlreiche andere Zuschüsse, die aus dem allgemeinen Steuertopf genommen werden. Allein an Baulasten und Zuschüssen für Kirchenpersonal zahlen die Bundesländer über 500 Millionen Euro jährlich an die Kirchen. So wird das Gehalt zahlreicher Bischöfe aus Steuermitteln entrichtet. Hohe Summen fließen auch für die Gehälter und die Ausbildung von Religionslehrern. Selbst Kirchentage und die Auslandsarbeit bezuschusst der Staat in hohem Maße. Auf diese Weise finanzieren auch Konfessionslose und Andersgläubige rein innerkirchliche Belange.

    9. Wie hoch werden Kapitalerträge von Kirchenmitgliedern besteuert?

    Antwort: Seit dem Jahr 2009 wird die Quellensteuer als Abgeltungssteuer erhoben und direkt von den Banken an die Finanzämter abgeführt. Die so versteuerten Kapitalerträge (z.B. Zinsen für Sparanlagen) müssen nicht mehr gesondert in der Einkommenssteuererklärung angegeben werden. Die Abgeltungssteuer beträgt 25% der Kapitalerträge. Hinzu kommen 5,5% der Abgeltungssteuer als Solidaritätszuschlag. Für Kirchenmitglieder erhöht sich der Betrag, der von den Zinsen abgezogen wird, um die Kirchensteuer (8% bzw. 9% der Abgeltungssteuer).

    Da die Kirchensteuer als Sonderausgabe wiederum die Abgeltungssteuer etwas mindert, ergeben sich folgende Gesamtabzüge auf die Kapitalerträge:

    für Kirchenmitglieder (bei 9% Kirchensteuer): 27,9951%

    für Nicht-Kirchenmitglieder: 26,375%

    Damit die Banken die Kirchensteuer abführen können, werden die Kunden über ihre Konfession befragt. Wer den Banken seine Kirchenmitgliedschaft nicht bekannt macht, muss die Kapitalerträge bei seiner Einkommenssteuererklärung angeben, damit hier die Kirchensteuer berechnet werden kann. Sonst hinterzieht das Kirchenmitglied einen Teil seiner Kirchensteuer.

    Entgegen dem Verfassungsgrundsatz, dass Angaben zur Konfession nur gegenüber Behörden zu machen sind, sollen die Banken jedoch ab 2011 über eine Datenbank beim Bundeszentralamt für Steuern in Berlin alle konfessionsrelevanten Daten ihrer Kunden (eventuelle Kirchenmitgliedschaft und Kirchensteuersatz) abrufen können. Die Banken führen dann die Kirchensteuer automatisch ab.

    10. Wieviel Kirchensteuer wird bei 400 Euro-Jobs fällig?

    Antwort: Auch bei geringen Einkünften, sog. Minijobs, halten die beiden großen Kirchen die Hand auf. Seit April 2003 besteht die Möglichkeit, die Steuerpflicht bei Minijobs pauschal mit 2% des Einkommens zu begleichen, wobei in diesen 2% die Kirchensteuer inklusiv ist. Wie der Begriff „Pauschalsteuer“ vermuten lässt, werden diese 2% inklusive Kirchensteuer auch für die Minijobber abgezogen, die kein (!) Mitglied der beiden großen Kirchen sind.

    Die Entscheidung darüber, ob dieser vereinfachte Weg – gleichsam Steuer „all inclusive“ – eingeschlagen wird, liegt dabei nicht einmal beim Steuerpflichtigen, sondern beim Arbeitgeber. Dieser kann auch bei 400 Euro-Jobs auf einer Eintragung auf der Lohnsteuerkarte bestehen. In diesem Fall wird selbstverständlich auch wieder die Kirchensteuer fällig. Eine Ausnahme bilden die Steuerklassen I-IV: Bei diesen fallen bei einem Monatseinkommen von 400 Euro keine Steuern an.

    Die Möglichkeit der oben genannten Pauschalsteuer besteht übrigens prinzipiell auch bei kurzfristigen Minijobs, die sich über die Dauer des Arbeitsverhältnisses und nicht über eine Einkommensgrenze definieren. Für diese gilt aber, dass dann pauschal die üblichen 25% sowie zusätzlich der Solidaritätszuschlag und wiederum die Kirchensteuer abgezogen werden.

    11. Was hat es mit der Kappungsgrenze und der Möglichkeit des Teilerlasses auf sich?

    Antwort: Bei hohen Einkünften, bei denen die Kirchensteuer über einem gewissen Prozentsatz des zu versteuernden Einkommens liegen würde, wird diese begrenzt. Die Kirchensteuer wird dabei von der Steuerprogression (wer viel verdient, zahlt auch mehr Steuern) abgekoppelt. Diese so genannte Kappungsgrenze beträgt je nach Bundesland und Kirche zwischen 2,75% und 4% des zu versteuernden Einkommens. In einigen Bundesländern erfolgt die Kappung nur auf Antrag, in Bayern gibt es keine Kappungsgrenze. Werden Gründe vorgetragen, die eine Ermäßigung der Kirchensteuer aus Billigkeitsgründen rechtfertigen, ist auch ein Teilerlass möglich (z.B. bei Abfindungen und außerordentlichen Einnahmen 50% der Kirchensteuer).

    12. Warum entlasten die Kirchen hohe Einkommen?

    Antwort: Die Kirchen möchten so verhindern, dass die Vermögenden aus der Kirche austreten, um die Kirchensteuerzahlung zu vermeiden und kommen ihnen deshalb finanziell entgegen.

    13. Wer ist für den Einzug der Kirchensteuer zuständig?

    Antwort: In Deutschland haben die Kirchen die Verwaltung des Einzugs der Kirchensteuer auf den Staat übertragen. Daher sind die Finanzämter zuständig, die für diesen Aufwand zwischen 2 und 4,5% Prozent der erhobenen Kirchensteuer bekommen. Eine Ausnahme stellt Bayern dar; hier gibt es für die Kircheneinkommenssteuer (nicht für die Kirchenlohnsteuer) eigene Steuerämter der Kirchen.

    14. Wie hoch ist das Kirchensteueraufkommen in Deutschland?

    Antwort: Im Jahr 2008 betrugen die Kirchensteuereinnahmen für die evangelische Kirche 4,6 Milliarden Euro, für die katholische Kirche 5,1 Milliarden Euro.

    Das Kirchensteueraufkommen wird sich in den kommenden Jahren verringern, da es hauptsächlich von zwei Faktoren abhängig ist: der Zahl der erwerbstätigen und damit steuerpflichtigen Kirchenmitglieder und der Einkommenssteuerpolitik. Die Zahl der Kirchenmitglieder verringert sich beständig, da insbesondere Jüngere nicht mehr getauft und dadurch Kirchenmitglied werden bzw. aus der Kirche austreten.

    Die Kirchensteuer ist eine Zuschlagssteuer (Annexsteuer) zur Einkommenssteuer. Es gibt einen europaweiten Trend, dass die Regierungen die Einkommenssteuern reduzieren und auf die indirekten Steuern (z.B.Mehrwertsteuer) ausweichen. Je stärker die Einkommenssteuer sich verringert, verringert sich auch dazu parallel das Kirchensteueraufkommen.

    15. Wofür wird die Kirchensteuer verwendet?

    Antwort: Die Kirchensteuer wird fast ausschließlich für kircheninterne Zwecke verwendet. Etwa 60-70% der Kirchensteuereinnahmen benötigen die Kirchen für die Bezahlung des eigenen Personals. Weitere größere Posten sind Verwaltung und Kirchenbauten. Lediglich einen Bruchteil der Kirchensteuereinnahmen gibt die Kirche für öffentliche soziale Zwecke aus.

    16. Werden Krankenhäuser und Kindergärten aus der Kirchensteuer finanziert?

    Antwort: Die Krankenhäuser in kirchlicher Trägerschaft werden – wie die Einrichtungen anderer Träger auch – durch die Krankenkassen, die Sozialversicherungsträger, die Kranken selbst mit ihren Eigenbeiträgen und den Staat in Form von Investitionen finanziert. Somit fließt kein Euro Kirchensteuer in die Krankenhäuser.

    Anders sieht dies bei Kindergärten aus. In die Erziehung der Kinder im kirchlichen Sinne investiert die Kirche tatsächlich Mittel aus der Kirchensteuer, jedoch mit stark abnehmender Tendenz. Waren in den 1990er Jahren noch ca. 20% kirchliche Eigenleistungen vorgesehen (die Zahlen schwanken von Bundesland zu Bundesland), ging dieser Anteil in den letzten Jahren auf ca. 10% zurück. Viele kirchliche Kindergärten werden jedoch schon auf Druck der Kirchen völlig durch die öffentliche Hand finanziert. Die Kirchen drohen den Kommunen damit, ihre Kindergärten zu schließen, wenn keine zusätzlichen Zuschüsse über den gesetzlich festgelegten Anteil der öffentlichen Hand hinaus gewährt werden.

    17. Werden die Finanzen der Kirchen und ihre Verwendung von unabhängigen Stellen kontrolliert?

    Antwort: Die Kirchen bestellen in der Regel eigene Rechnungsprüfer, die ihre Einnahmen und Ausgaben prüfen. Die Finanzämter sind nicht berechtigt, die Finanzen der Kirchen zu prüfen.

    18. Wann endet die Kirchensteuerpflicht?

    Antwort: Die Kirchensteuerpflicht ist an die Steuerpflicht gekoppelt; Kirchenmitglieder, die zu keiner einschlägigen Steuer herangezogen werden (weil sie zum Beispiel über kein Einkommen verfügen), müssen auch keine Kirchensteuer zahlen. Es kann jedoch passieren, dass der konfessionslose Ehepartner dann zur Steuer herangezogen wird. Sie herzu Punkt 5.

    Ansonsten endet die Kirchensteuerpflicht mit dem Austritt aus der betreffenden Religionsgesellschaft, und zwar je nach Bundesland mit Ablauf des Monats bzw. des Folgemonats, in dem der Kirchenaustritt erfolgte. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Einnahmen, die über Jahr hinweg erfolgen und zum Jahresende zur Auszahlung gelangen, anteilig für die Monate versteuert werden müssen, in denen noch eine Kirchensteuerpflicht bestand. (Wer also erst im Oktober aus der Kirche austritt, muss auf eine solche Einnahme für zehn Monate Kirchensteuer zahlen.)

    19. Wie kann ich aus der Kirche austreten?

    Antwort: Der Kirchenaustritt muss gegenüber einer staatlichen Stelle erklärt werden. Dies ist, je nach Bundesland, das für Ihren Wohnsitz zuständige Standesamt oder Amtsgericht. Nur in Bremen kann der Kirchenaustritt sowohl beim Standesamt als auch bei kirchlichen Stellen erklärt werden (Haus der Kirche bzw. katholische Pfarrämter). Hierzu brauchen Sie einen Personalausweis und wenn Sie verheiratet sind, wird oft auch die Heiratsurkunde verlangt. In der Regel wird eine Austrittsgebühr gefordert. Detaillierte Informationen zum Kirchenaustritt können Sie der FAQ des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten entnehmen.

    Sinnvoll ist es, bei dieser Gelegenheit auch gleich die Lohnsteuerkarte, auf der die Religionszugehörigkeit vermerkt ist, umschreiben zu lassen.

    Wichtiger Hinweis: Eigentlich sollte 2011 eine elektronische Datenweitergabe an die Arbeitgeber statt der papiernen Lohnsteuerkarte eingeführt werden. Da aber die Regierenden auch dies wieder nicht hinbekommen haben, gelten nun erstmal die alten Lohnsteuerkarten von 2010 auch für 2011 weiter. Die Änderung des Konfessionsmerkmals nach dem Kirchenaustritt nimmt das für Sie zuständige Finanzamt vor.

    20. Warum sollte die Kirchenaustrittsbescheinigung gut aufgehoben werden?

    Antwort: Wenn Sie aus der Kirche austreten, erhalten Sie eine Austrittsbescheinigung. Verwahren Sie diese unbedingt gut, denn immer wieder kommt es vor allem nach Umzügen zu falschen Konfessionsangaben auf den Lohnsteuerkarten oder zu fehlerhafter Datenweitergabe an die Kirchen.

    Vor allem – aber nicht nur – im Bereich der evangelischen Kirchen in Berlin-Brandenburg schreibt die Kirche auch immer wieder ehemals Getaufte, die keine Kirchensteuer zahlen, an und fordert sie auf, Angaben zu ihrer Kirchenzugehörigkeit zu machen. Menschen, die seit langem nichts mehr mit der Kirche zu tun haben oder außer der Säuglingstaufe nie mit ihr zu tun hatten, müssen plötzlich ihren Austritt nachweisen. Dabei geht es der Kirche nicht darum, Menschen vom Glauben zu überzeugen und zu überzeugten Mitgliedern zu machen, sondern Kirchensteuer einzutreiben. Diese wird rückwirkend eingefordert – bei Weigerung per Gericht – und verjährt erst nach fünf Jahren.

    Kirchensteuererstattung in die Steuererklärung eintragen – der Grund

    So wie andere Steuern kann man sich auch zuviel gezahlte Kirchensteuer mit der Steuererklärung zurückerstatten lassen. Wieviel, hängt unter anderem davon ab, wo man wohnt.

    Als prozentualer Zuschlag zur Lohn- bzw. Einkommenssteuer beträgt sie in den meisten Bundesländern 9%, in Bayern und Baden-Württemberg 8%. Details aber wie etwa Mindestbeträge werden völlig unterschiedlich gehandhabt, was mitunter für Verwirrung sorgt.

    Kirchensteuererstattung in die Steuererklärung eintragen – warum eigentlich?

    Doch nicht nur das. Viele fragen sich, warum man eine Kirchensteuererstattung in der Steuererklärung eintragen muss. Andere Steuerrückzahlungen werden schließlich auch nicht angegeben. Wurde einmal abgerechnet, sollte die Sache eigentlich erledigt sein – „Das gleicht doch einer Doppelbesteuerung“, so der verbreitete Kommentar in zahlreichen Internetforen.

    Dieser Gedanke aber ist zu kurz gegriffen und übersieht die Struktur der Kirchensteuer. Man kann sie nämlich zugleich als Sonderausgabe geltend machen. Mit dieser Steuerminderung fördert der Staat die Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft.

    Hat jemand in einem Jahr zuviel Steuern gezahlt, erhält er auch den anteiligen Kirchensteuerbetrag zurück. Die Erstattung verringert die Kirchensteuer und die Sonderausgaben im Jahr der Erstattung.

    Gegenseitiger Einfluss von zwei Funktionen

    Anders gesagt: Man muss die Kirchensteuererstattung in der Steuererklärung eintragen, weil sie aus zwei Baustellen mit verschiedenen Funktionen besteht. Zum einen als zu zahlende Steuer und zum anderen als abzugfähige Sonderausgabe.

    Als Steuer ist sie ein Zuschlag in Höhe von 9% oder 8% auf den zu zahlenden Lohn- bzw. Einkommenssteuerbetrag. Zieht man von seinem Einkommen alle Werbungskosten und Sonderausgaben oberhalb der Pauschbeträge von 36 € ab, verringert es sich und damit die Steuerbelastung inklusive Kirchensteuer. Wurde sie bereits abgeführt, entsteht eine Überzahlung. Die anteilige Kirchensteuer wird erstattet.

    Wird dabei die Kirchensteuer selbst als Sonderausgabe abgezogen, ist zu bedenken, dass nur das absetzbar ist, was man auch ausgegeben hat. Und durch die Kirchensteuererstattung fällt dieser Sonderausgabenposten eben geringer aus. Man hat weniger Sonderausgaben in Form von Kirchensteuer gezahlt. Deshalb wird die Erstattung abgezogen.

    Erstattung vermindert Sonderausgaben

    Würde man die Kirchensteuererstattung in der Steuererklärung nicht eintragen, wäre die ausgewiesene Kirchensteuerzahlung als Sonderausgabe zu hoch. Das Rechenprogramm des Finanzamts würde diesen Fehler jedoch erkennen. Nach einem entsprechenden Hinweis müsste man diesen Fehler korrigieren. Die entsprechende Eintragung ist auf Seite 2 Zeile 42 des Mantelbogens vorzunehmen.

    Die Höhe der Erstattung, lässt sich dem vorangegangenen Steuerbescheid des Finanzamts entnehmen. Nur in Bayern kommen solche Schreiben separat vom Kirchensteueramt, das Kirchensteuerabrechnungen separat regelt.

    Was die Höhe als Sonderausgaben angeht: Auch eventuelle Kirchensteuernachzahlungen des Vorjahres sind abzugsfähig, ebenso Mitgliedsbeiträge zu anderen staatlich anerkannten Freikirchen. Entsprechende Belege sind vorzulegen. Dasselbe gilt für das „besondere Kirchgeld“, mit dem bei Ehepaaren der nichtkonfessionelle Partner anteilig zur Kasse gebeten wird. Übrigens: Eine jüngere Klage gegen diese als „Heidensteuer“ bekannte Abgabe wurde vom BGH abgewiesen, sie ist rechtmäßig.

    Teilweise Vereinfachung

    Die Sonderstellung der Kirchensteuer sorgt also für erheblichen Erklärungsbedarf. Vielfach wird die Steuer regelrecht mit der Kirche ums Dorf getragen, und das auf verschiedenen Wegen.

    Wenigstens wird mittlerweile ein einfacherer Weg beschritten, was die Auswirkung von Erstattungen angeht: Bis 2012 wurden die Änderungen bei der gesamten Steuerschuld auf das Jahr der bezahlten Kirchensteuer berechnet. Die ärgerliche Folge war, dass auch die Steuerbescheide längst abgehakter Vorjahre nachträglich geändert wurden.

    Seitdem werden Erstattungen nun dem Gesamtbetrag der Einkünfte des laufenden Jahres hinzugerechnet. Die Besteuerung ist damit einfacher und vor allem berechenbarer.

    Abgeltungssteuer als Sonderfall

    Bei Kapitalanlagen jedoch entfällt über die Abgeltungssteuer das ganze Prozedere komplett. Die entsprechende Kirchensteuer lässt sich nicht als Sonderausgabe in der Steuererklärung absetzen. Sie wird seit Anfang 2015 automatisch eingezogen, wobei zugleich der Sonderausgabenabzug beim pauschalen Abgeltungssteuersatz berücksichtigt ist. Beträgt die Kirchensteuer 8%, vermindert er sich von 25% auf 24,51%, in den Ländern mit 9% Kirchensteuer auf 24,45%.

    8. September 2015

    Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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    Источники: http://www.finanztip.de/kirchensteuer/, http://www.kirchensteuer.de/node/71, http://www.gevestor.de/details/kirchensteuererstattung-in-die-steuererklaerung-eintragen-der-grund-752130.html

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