Kosten arbeitszimmer

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    Arbeitszimmer.de

    So beteiligen Sie das Finanzamt an den Kosten Ihres häuslichen Arbeitszimmers

    Viele Kunden, Auftrag- und Arbeitgeber erwarten kurze Reaktionszeiten – oft sogar nach Feierabend und am Wochenende.

    Immer mehr Menschen möchten Beruf, Familie und Freizeitaktivitäten besser miteinander verbinden: Um flexibler zu sein und mehr Zeit für Familie und Freunde zu haben, nehmen sie billigend in Kauf, auch daheim „always on“ zu sein.

    Kein Wunder also, dass die steuerliche Berücksichtigung eines „häuslichen Arbeitszimmers“ für immer mehr Steuerpflichtige an Bedeutung gewinnt. Leider gehört die Anerkennung von Arbeitszimmerkosten neben Reise- und Bewirtungskosten zu den häufigsten Streitanlässen zwischen Steuerpflichtigen und Finanzämtern.

    Definition "häusliches Arbeitszimmer"

    Im Einkommensteuergesetz ist der Begriff des häuslichen Arbeitszimmers nicht definiert. Im BMF-Schreiben vom 2. März 2011 (PDF, 64 KB) haben die Finanzbehörden ihre Sicht der aktuellen Rechtslage konkretisiert. Demnach handelt es sich bei einem häuslichen Arbeitszimmer vereinfacht gesagt um einen Raum, der …

    seiner Lage, Funktion und Ausstattung nach in die häusliche Sphäre des Steuerpflichtigen eingebunden ist,

    vorwiegend der Erledigung gedanklicher, schriftlicher, verwaltungstechnischer oder organisatorischer Arbeiten dient und

    ausschließlich oder nahezu ausschließlich zu betrieblichen und/oder beruflichen Zwecken genutzt wird:

    Was es mit der Einbindung in die „häusliche Sphäre“ im Einzelnen auf sich hat, erfahren Sie in Kapitel 3 „Räumliche Voraussetzungen“.

    Wichtig: Verwaltungspraxis und Rechtsprechung geben nur den allgemeinen Rahmen vor – ob die Aufwendungen für ein Arbeitszimmer anerkannt werden, hängt letztlich immer von der „Gesamtschau des Einzelfalls“ ab. Die Details Ihres Steuerfalls besprechen Sie am besten mit einem Steuerberater.

    Steuer-Sparpotenzial

    Vor der Anerkennung des Steuerabzugs müssen vergleichsweise hohe Hürden überwunden werden. Immerhin bietet ein (Zweit-)Büro in den eigenen vier Wänden vielen Steuerpflichtigen attraktive Gestaltungsmöglichkeiten. Angesichts hoher Mieten, Energie-, Finanzierungs- und Erhaltungskosten kommen pro Jahr schnell Aufwendungen von mehreren tausend Euro zustande. Kein Wunder, dass der Gesetzgeber vor ein paar Jahren versucht hat, Ausgaben für häusliche Arbeitszimmer bis auf wenige Ausnahmen die steuerliche Anerkennung komplett zu versagen.

    Zum Glück erklärte das Bundesverfassungsgericht Mitte 2010 die zwischenzeitlich geltende restriktive Gesetzeslage für verfassungswidrig. Trotzdem gehören „Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer sowie die Kosten der Ausstattung“ laut § 4 Abs. 5 Nr. 6b EStG zunächst einmal zu den Ausgaben, die den Gewinn nicht mindern dürfen:

    Allerdings lässt der Gesetzestext zwei bedeutsame Ausnahmen zu (in der Abbildung grün markiert):

    Wenn das häusliche Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung bildet, dürfen die Raum- und Ausstattungskosten in voller Höhe als Betriebsausgabe oder Werbungskosten geltend gemacht werden.

    Wenn es sich zwar nicht um den Mittelpunkt der gesamten Betätigung handelt, für die Tätigkeit aber kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. In dem Fall ist die Höhe der abziehbaren Aufwendungen auf 1.250 Euro begrenzt.

    Fragen über Fragen: Nicht nur im Hinblick auf den Tätigkeits-Mittelpunkt oder einen anderen (Haupt-) Arbeitsplatz ergeben sich bei der steuerlichen Anerkennung von Arbeitszimmerkosten eine Menge Zweifelsfragen. Leider passen die Antworten nicht immer zum gesunden Menschenverstand. Umso wichtiger ist es, den Überblick über die verschiedenen Aspekte der steuerlichen Absetzbarkeit zu behalten:

    Räumliche Voraussetzungen: Was macht aus einem Raum überhaupt ein „Arbeitszimmer“? Was ist bei der Abgrenzung gegenüber anderen häuslichen Bereichen und der privaten Nutzung zu beachten?

    Berufliche oder betriebliche Voraussetzungen: Wann bildet mein häusliches Arbeitszimmer aus Sicht des Finanzamts den „Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit? Unter welchen Bedingungen erkennt das Finanzamt das Fehlen eines anderen Arbeitsplatzes an?

    Ermittlung und Dokumentation der Kosten: Welche Ausgaben zählen zu den Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer? Welche weiteren Aufwendungen können auf andere Weise steuerlich geltend gemacht werden – ganz gleich, ob das Arbeitszimmer anerkannt wird oder nicht? Wie berechne ich den Kostenanteil des Arbeitszimmers und wie dokumentiere ich das Ergebnis?

    Bevor wir uns in die Niederungen der Arbeitszimmer-Vorschriften begeben, zunächst noch zwei wichtige Abgrenzungen:

    Arbeitszimmer vs. häusliche Betriebsstätte

    Als Betriebstätte gilt laut § 12 Abgabenordnung „jede feste Geschäftseinrichtung oder Anlage, die der Tätigkeit eines Unternehmens dient.“ Zu den Betriebsstätten eines Unternehmens oder Freiberuflers gehören unter anderem …

    die Stätte der Geschäftsleitung,

    Zweigniederlassungen und Geschäftsstellen,

    Werkstätten und Warenlager sowie

    Ein- oder Verkaufsstellen.

    In aller Regel unstrittig ist die Abgrenzung eines oder mehrerer Räume von der häuslichen Sphäre, wenn …

    es einen separaten Eingang gibt,

    Mitarbeiter beschäftigt werden,

    regelmäßiger Publikumsverkehr stattfindet und

    ein Wartebereich oder auch Besucher-Toiletten vorgehalten werden.

    Findet der gesamte Geschäftsbetrieb in einer derartigen räumlichen Umgebung innerhalb der häuslichen Sphäre eines Steuerpflichtigen statt, spricht man von einer häuslichen Betriebsstätte.

    Wichtig: Handelt es sich um eine häusliche Betriebsstätte, greifen die Abzugsbeschränkungen für ein häusliches Arbeitszimmer nicht. Die erforderlichen Raum- und Ausstattungs-Aufwendungen dürfen in voller Höhe steuerlich geltend gemacht werden.

    Als typische häusliche Betriebsstätten gelten die Praxisräume und Kanzleien von Ärzten, Rechtsanwälten, Steuer- oder Unternehmensberatern mit Angestellten und Publikumsverkehr. Solche Standorte gelten auch dann als Betriebsstätten, wenn sie sich innerhalb der räumlichen Sphäre des Steuerpflichtigen befinden oder daran angrenzen.

    Doch auch bei anderen hauptberuflichen Solo-Selbstständigen, die selten Besucher haben und häufiger außerhalb ihres „Home Office“ im Einsatz sind, werden die Raumkosten einer (einzigen) Betriebsstätte normalerweise nicht moniert. Das gilt zum Beispiel für …

    Journalisten und Schriftsteller,

    Künstler und Kunsthandwerker,

    Trainern und Dozenten

    Coaches und Beratern oder auch

    Werbe- und IT-Fachleuten.

    Da es sich von vornherein nicht um ein (zusätzliches) häusliches Arbeitszimmer handelt, ist die komplizierte Prüfung des qualitativen Mittelpunkts der Tätigkeit entbehrlich. Wird dieselbe selbstständige Tätigkeit hingegen im Nebenberuf ausgeübt, kann in der Gesamtwürdigung des Einzelfalls die unbeschränkte Anerkennung der Raumkosten gefährdet sein, sofern das häusliche Arbeitszimmer nicht der Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung ist. Mehr dazu weiter unten.

    Arbeitszimmer vs. Arbeitsmittel

    So viel schon jetzt vorweg: Falls Ihnen das Finanzamt die Anerkennung eines häuslichen Arbeitszimmers zu Recht verwehrt, sind davon keineswegs alle Kosten betroffen. Denn als „Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer“ und „Kosten der Ausstattung“ gelten nur:

    die anteiligen Raumkosten (z. B. Miete, Heizung, Strom etc.) sowie

    die dekorative Ausstattung des Arbeitszimmers (z. B. Gardinen, Tapeten, Teppiche, Decken- und Wandlampen).

    Was viele Steuerpflichtige nicht wissen: Ausgaben für Büromöbel, Computer, Software, Telekommunikationsgeräte, Schreibtischlampen, Fachbücher, Werkzeuge und andere beruflich oder betrieblich genutzte Arbeitsmittel muss das Finanzamt auch dann als Werbungskosten oder Betriebsausgaben anerkennen, wenn sie in Privaträumen genutzt werden! Auch die Kosten für betriebliche oder berufliche Telefonate dürfen Sie steuerlich geltend machen – ganz gleich, ob sie im häuslichen Arbeitszimmer oder im Wohnzimmer geführt werden.

    Der Nachweis des beruflichen Mittelpunktes einer Tätigkeit oder die Verfügbarkeit eines anderen Arbeitsplatzes spielt bei den Arbeitsmitteln keine Rolle. Sie müssen im Zweifel nur glaubhaft machen können, dass die betreffenden Arbeitmittel ausschließlich beruflich oder betrieblich genutzt worden sind.

    Alternativen zum häuslichen Arbeitszimmer

    Wichtig: Wenn Sie einen (zusätzlichen) Arbeitsplatz außerhalb Ihres Unternehmens benötigen, an dem Sie unterwegs, nach Feierabend und am Wochenende berufliche oder betriebliche Arbeiten erledigen, dürfen Sie das selbstverständlich auch außerhalb Ihrer Wohnung tun! Denken Sie nur an vorübergehend oder dauerhaft angemietete …

    Einzelbüros, Räume in Bürogemeinschaften oder Gemeinschaftsbüros,

    Co-Working-Spaces und ähnliche Formen des „Büro auf Zeit” oder auch

    leer stehende Räume bei Nachbarn, Kollegen oder Kooperationspartnern.

    Sofern der betreffende Arbeitsraum außerhalb Ihrer Wohnung liegt und ausschließlich betrieblich oder beruflich genutzt wird, steht der steuerlichen Anerkennung der dazugehörigen Aufwendungen grundsätzlich nichts entgegen. Und zwar in voller Höhe: Die Fragen nach dem ominösen „Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit“ oder der Verfügbarkeit eines „anderen Arbeitsplatzes“ stellt sich nur bei den Kosten eines häuslichen Arbeitszimmers!

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    Kostenarten: Ermittlung und Dokumentation der Arbeitszimmerkosten

    Leider genügt es nicht, alle Voraussetzungen für den beschränkten oder gar unbeschränkten steuerlichen Abzug der Kosten eines häuslichen Arbeitszimmers zu erfüllen. Die Ausgaben müssen darüber hinaus …

    einzeln belegt und

    richtig in einen privaten und einen betrieblichen Anteil aufgeteilt werden.

    Außerdem sollten Sie darauf achten, dass Sie auch wirklich alle Abzugsmöglichkeiten ausschöpfen.

    Abzug & Aufteilung von Raum-Aufwendungen

    Bei der Kostenermittlung unterscheiden Sie zunächst zwischen …

    den allgemeinen Raum-Aufwendungen (anteiliger Kostenabzug),

    den speziellen Raum-Aufwendungen für das Arbeitszimmer (kompletter Kostenabzug) und

    den Ausstattungs-Ausgaben für das Arbeitszimmer (kompletter Kostenabzug).

    Beispiele: Die Kosten eines Fassadenanstrichs oder einer neuen Heizungsanlage werden dem Arbeitszimmer nur anteilig im Verhältnis Raumfläche zu Gesamtwohnfläche zugerechnet. Demgegenüber stellen Reinigungs- und Renovierungskosten des häuslichen Arbeitszimmers zu 100 Prozent Werbungskosten oder Betriebsausgaben dar. Dasselbe gilt für Ausstattungsgegenstände.

    Allgemeine Raum-Aufwendungen (anteiliger Kostenabzug)

    Zu den Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer gehören

    laut BMF-Schreiben bei Eigenheimen und Eigentumswohnungen insbesondere die anteiligen Aufwendungen für:

    Finanzierungszinsen für Kauf, Erhalt und Reparatur der Immobilie,

    Grundsteuer, Müllabfuhrgebühren, Schornsteinfegergebühren, Gebäudeversicherungen,

    allgemeine Renovierungskosten aller Art am Haus (die anteiligen Kosten von Gartenarbeiten dürfen nur dann angesetzt werden, wenn der Garten durch Arbeiten am Haus in Mitleidenschaft gezogen wurde),

    Wasser- und Energiekosten oder auch

    Bei gemieteten Objekten sind viele Kostenpositionen bereits in der Miete enthalten. Die Liste der raumbezogenen Kostenpositionen ist dadurch kürzer:

    Kaltmiete plus Nebenkosten,

    allgemeine Renovierungskosten, die nicht vom Vermieter getragen werden,

    Hausrat- und andere wohnungsbezogenen Versicherungskosten, die nicht vom Vermieter getragen werden,

    Wasser- und Energiekosten und

    Tipp: Ganz gleich, ob Sie Ihre Wohnimmobilie gemietet oder gekauft haben: Auch beruflich veranlasste Umzugskosten können Sie anteilig als Werbungskosten oder Betriebsausgaben geltend machen.

    Aufteilung allgemeiner Raum-Aufwendungen

    Maßstab für die Aufteilung der Raumkosten auf das Arbeitszimmer und den privaten Wohnbereich ist der prozentuale Arbeitszimmer-Flächenanteil an der gesamten Wohnfläche. Die Berechnung ist in vielen Fällen ganz einfach:

    Sie entnehmen Ihrem Miet- bzw. Kaufvertrag die Gesamt-Wohnfläche,

    ermitteln die Quadratmeter-Zahl des Arbeitszimmers (ausmessen oder aus dem Grundriss der Wohnung / Immobilie entnehmen),

    teilen die Arbeitzimmerfläche durch die Gesamtwohnfläche und

    multiplizieren das Ergebnis anschließend mit 100:

    Angenommen, Ihr Arbeitszimmer ist 15qm groß und die Gesamtwohnung misst 120qm. Dann beträgt der Arbeitszimmer-Anteil an der Gesamtwohnfläche 12,5 %:

    Weiter angenommen, die Summe sämtlicher allgemeinen Raumkosten beträgt 23.392,50 Euro. Dann entfallen davon 12,5 % (=2.924,06 Euro) aufs Arbeitszimmer.

    Spezielle Raum-Aufwendungen (kompletter Kostenabzug)

    Neben den anteiligen Raumkosten gibt es spezielle raumbezogene Aufwendungen, die sich dem häuslichen Arbeitszimmer direkt zuordnen lassen. Denken Sie nur an:

    Um- und Einbauten im Arbeitszimmer (z. B. Fenster, Türen, Elektroinstallationen),

    Renovierungsarbeiten am und im Arbeitszimmer (Tapezieren, Anstreichen, Verlegearbeiten) oder auch

    laufende Reinigungskosten des Arbeitszimmers.

    Sämtliche Raumkosten, die dem häuslichen Arbeitszimmer direkt zuzuordnen sind, werden in voller Höhe als Werbungskosten oder Betriebsausgaben anerkannt.

    Ausstattungs-Aufwendungen (kompletter Kostenabzug)

    Auch die Ausgaben für die dekorative Ausstattung des Arbeitszimmers stellen zu 100 Prozent Werbungskosten oder Betriebsausgaben dar. Das BMF-Schreiben nennt als Beispiele:

    Üblicherweise steuerlich nicht berücksichtigt werden hingegen Luxusausstattungen wie Gemälde, Skulpturen und ähnliche Kunstobjekte. Immerhin spricht deren Vorhandensein nicht gegen die nahezu ausschließliche betriebliche oder berufliche Nutzung.

    Arbeitsmittel sind keine Arbeitszimmerkosten!

    Ganz gleich, ob Sie zur Miete wohnen oder Eigentümer sind: Nicht zu den Raum- und Ausstattungskosten eines häuslichen Arbeitszimmers gehören betrieblich oder beruflich genutzte Arbeitsmittel. Dazu zählen zum Beispiel:

    Computer und Software,

    Fachbücher und –Fachzeitschriften oder auch

    Die Kosten von Arbeitsmitteln muss das Finanzamt selbst dann als Werbungskosten oder Betriebsausgaben anerkennen, wenn sie in Privaträumen genutzt werden! Auch die Kosten für betriebliche oder berufliche Telefonate dürfen Sie steuerlich geltend machen – ganz gleich, ob sie im häuslichen Arbeitszimmer oder im Wohnzimmer geführt wurden.

    Exkurs: Abschreibungen und GWG

    Ausgaben müssen grundsätzlich in dem Jahr steuerlich geltend gemacht werden, in dem sie anfallen. Ausgerechnet für langlebige und besonders teure Wirtschaftsgüter gelten jedoch Sondervorschriften:

    Bei Wirtschaftsgütern, deren Netto-Anschaffungskosten höher als 410 Euro (=487,90 Euro brutto = inklusive Mehrwertsteuer / Umsatzsteuer) sind, müssen die Anschaffungskosten auf die „betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer“ verteilt werden. Dieser Vorgang nennt sich „Abschreibung“ oder auch „Absetzung für Abnutzung“ (AfA).

    Bitte beachten Sie: Weil die Verteilung dabei in gleichmäßigen Jahresbeträgen erfolgt, spricht man auch von der linearen Abschreibung. Die früher zulässige degressive Abschreibung (= Abschreibung in fallenden Jahresbeträgen) ist seit einigen Jahren außer Kraft gesetzt.

    Besonders pingelig ist der Fiskus bei der Ermittlung der Abschreibungsbeträge im Jahr der Anschaffung: Hier sind Sie sogar verpflichtet, die unterjährige Nutzungsdauer monatsgenau zu ermitteln.

    Wie lang die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer insgesamt ist, hängt von der Art der Anschaffung ab: Während zum Beispiel die Anschaffungskosten von Notebooks, Smartphones oder Tablets üblicherweise auf drei Jahre verteilt werden, beträgt die Nutzungsdauer eines PKW sechs Jahre. Büromöbel werden nach Ansicht der Finanzbehörden normalerweise sogar 13 Jahre lang genutzt!

    Die genauen Einzelheiten haben die Finanzbehörden in allgemeinen und branchenspezifischen AfA-Tabellen festgelegt. Die meisten der in häuslichen Arbeitszimmern genutzten Gegenstände finden Sie in der AfA-Tabelle für die allgemein verwendbaren Anlagegüter (= AfA-Tabelle "AV")

    Bitte beachten Sie: Die Anschaffungskosten von langlebigen Wirtschaftsgütern, die nicht mehr als 410 Euro (netto) kosten, dürfen bereits im Jahr der Anschaffung komplett abgeschrieben werden (= „geringwertige Wirtschaftsgüter“, GWG). GWG-Anschaffungskosten werden also in voller Höhe als Betriebsausgaben oder Werbungskosten anerkannt.

    Die korrekte Ermittlung der Abschreibungsbeträge unterscheidet sich je nach Umsatzsteuer-Status:

    Umsatzsteuerpflichtige Selbstständige und Unternehmer machen den Umsatzsteueranteil als Vorsteuer geltend und berechnen den Abschreibungsbetrag auf Grundlage der Netto-Anschaffungskosten.

    Arbeitnehmer und umsatzsteuerliche Kleinunternehmer berechnen den Abschreibungsbetrag auf Grundlage der Brutto-Anschaffungskosten (= inklusive Umsatz-/Mehrwertsteuer).

    Wichtig: Ausschlaggebend für die 410-Euro-Wertgrenze sind trotzdem auf jeden Fall die Netto-Anschaffungskosten! Das gilt auch dann, wenn Sie Ihre Abschreibungen auf Grundlage der Brutto–Anschaffungskosten berechnen dürfen!

    Ein Arbeitnehmer darf also beispielsweise einen Schreibtischstuhl zum Bruttopreis von 476 Euro (= 400 Euro netto plus 19 % Mehrwertsteuer) bereits im Jahr der Anschaffung in voller Höhe als GWG bei den Werbungskosten geltend machen!

    Die unterschiedlichen Berechnungsverfahren bei den verschiedenen Einkunftsarten entnehmen Sie den beiden folgenden Beispielrechnungen:

    Lektüretipp: Ausführliche Informationen zu Abschreibungen bietet der Abschreibungs-Leitfaden unter abschreibung.de.

    Abschreibungs-Beispiel I: Umsatzsteuerpflichtige Selbstständige und Unternehmer

    Berechnungsgrundlage der Abschreibungen bei den Betriebsausgaben von umsatzsteuerpflichtigen Selbstständigen und Unternehmern sind die Netto-Anschaffungskosten:

    Angenommen, Sie haben am 15. Mai 2015 ein neues Notebook gekauft, das sie ausschließlich betrieblich nutzen. Der Kaufpreis beträgt 599 Euro (inklusive Umsatz-/Mehrwertsteuer). Die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer beträgt 3 Jahre. Dann berechnen Sie die korrekten Abschreibungsbeträge über die Nutzungsdauer wie folgt:

    (Der Nettobetrag wird auch auf der Rechnung ausgewiesen!)

    betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer: 3 Jahre

    Mit anderen Worten: Da das Notebook im Anschaffungsjahr nur acht von zwölf Monaten im Einsatz war, wird der lineare Abschreibungsbetrag um 4/12 (= 1/3) gekürzt. Statt mit 167,79 Euro erscheint die Notebook-Abschreibung daher im ersten Jahr nur mit 111,86 Euro in den Betriebsausgaben des Jahres 2015. In den Jahren 2016 und 2017 wird dann die volle Jahres-AfA berücksichtigt. Die fehlenden 55,92 Euro schließlich dürfen erst am Ende der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer im Jahr 2018 als Werbungskosten geltend gemacht werden:

    Wichtig: Der im Kaufpreis enthaltene Umsatzsteueranteil in Höhe von 95,64 Euro wird bereits bei der Umsatzsteuervoranmeldung für Mai 2015 in voller Höhe als Vorsteuer berücksichtigt. Die Vorsteuer hat mit der Nutzungsdauer der dazugehörigen Anschaffung also nichts zu tun!

    Abschreibungs-Beispiel II: Arbeitnehmer und Kleinunternehmer

    Berechnungsgrundlage der Abschreibungen bei den Werbungskosten von Arbeitnehmern und den Betriebsausgaben von umsatzsteuerlichen Kleinunternehmern ist der Bruttobetrag:

    Angenommen, Sie haben am 15. Mai 2015 ein neues Notebook gekauft, das sie ausschließlich betrieblich oder beruflich nutzen. Der Kaufpreis beträgt 599 Euro (inklusive Umsatz-/Mehrwertsteuer). Die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer beträgt 3 Jahre. Als Arbeitnehmer und Kleinunternehmer berechnen Sie die korrekten Abschreibungsbeträge über die Nutzungsdauer wie folgt:

    Anschaffungskosten: 599 Euro (inklusive Umsatz-/Mehrwertsteuer)

    betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer: 3 Jahre

  • Nutzungsdauer im Jahr der Anschaffung (2015): 8 Monate (Mai bis Dezember):

    Mit anderen Worten: Da das Notebook im Anschaffungsjahr nur acht von zwölf Monaten im Arbeitszimmer-Einsatz war, wird der lineare Abschreibungsbetrag um 4/12 (= 1/3) gekürzt. Statt mit 199,67 Euro erscheint die Notebook-Abschreibung daher im ersten Jahr nur mit 133,11 Euro als „Arbeitsmittel“ in den Werbungskosten. Die restlichen gut 66 Euro dürfen erst am Ende der Nutzungsdauer im Jahr 2018 als Werbungskosten geltend gemacht werden:

    Aufzeichnungen und Belege

    Am Jahresende machen Sie eine separate Aufstellung sämtlicher Raum- und Ausstattungskosten. Die sieht dann zum Beispiel so aus:

    Arbeitszimmer Martina Mustermann

    Es genügt übrigens, diese Kostenaufstellung zusammen mit den dazugehörigen Einzelbelegen und Flächenberechnung bei Ihren betrieblichen bzw. privaten Steuerunterlagen aufzubewahren.

    Bitte beachten Sie: Die obligatorische Pflicht zum Einreichen sämtlicher Belege ist inzwischen auch beim Werbungskostenabzug von Arbeitnehmern abgeschafft. Wenn das Finanzamt nachfragt, müssen Sie aber in der Lage sein, die Unterlagen vorzulegen. Falls Sie zum allerersten Mal Raum- und Ausstattungskosten eines häuslichen Arbeitszimmers geltend machen, kann es sinnvoll sein, die Kostenaufstellung und Flächenberechnung von vornherein unaufgefordert mitzuschicken.

    So lässt sich das Arbeitszimmer von der Steuer absetzen

    Der Bundesfinanzhof hat entschieden: In Sachen Arbeitszimmer bleiben die strengen Regeln erhalten. Was heißt das für Ihre nächste Steuererklärung?

    Dies ist ein Home Office: Die Regeln für die steuerliche Absetzbarkeit bleiben

    • Der Bundesfinanzhof hat darüber entschieden, wann sich ein häusliches Arbeitszimmer von der Steuer absetzen lässt. Was muss man wissen?

    Alles bleibt beim Alten, aus Arbeitnehmersicht: leider. Das Urteil bedeutet, dass auch weiterhin die Ausgaben für ein Arbeitszimmer in der Wohnung nur dann bei der Steuer geltend gemacht werden können, wenn es nahezu ausschließlich beruflichen Zwecken dient. Hätte das oberste Steuergericht anders entschieden, wäre auch eine Aufteilung zulässig gewesen. Zum Beispiel: Wer ins Arbeitszimmer eine Schlafcouch stellt und es hin und wieder als Gästezimmer nutzt, hätte die Flächen aufteilen können und vielleicht ein 60-Prozent-Arbeitszimmer mit 40-Prozent-Gästebereich gehabt. Doch diese lebensnahe Herangehensweise wurde nun höchstrichterlich verworfen.

    • Warum wird ein Teilzeit-Arbeitszimmer nicht anerkannt?

    Nach Ansicht der Richter lässt sich kaum überprüfen, wie viel Zeit der Arbeitnehmer tatsächlich in dem Raum arbeitet. 20 Prozent seiner gesamten Arbeitszeit, oder doch eher 40 Prozent? Es wurde sogar über ein Zeitenbuch diskutiert, in dem der Steuerzahler seine Anwesenheit im häuslichen Arbeitszimmer dokumentiert, was aber aus Sicht der Richter keinen Beweiswert gehabt hätte. Das wäre vielleicht auch zu bürokratisch geworden.

    • Nochmal zum Mitschreiben: Wann kann ich ein Arbeitszimmer steuerlich geltend machen?

    Ein Arbeitszimmer dient allein beruflichen Zwecken. Wer hin und wieder private Mails an seinem Computer beantwortet, hat damit noch kein Problem. Wer aber etwa einen großen Teil der Zeit nutzt, um die Webseite des Handballvereins zu pflegen, verstößt gegen geltende Bestimmungen. Auch eine Arbeitsecke im Wohnzimmer sieht der Fiskus nicht als Arbeitszimmer an. Im aktuellen Fall hatte ein Mann in seinem Arbeitszimmer nebenher mehrere vermietete Wohnungen verwaltet. Das gehört aber nicht zu seinen beruflichen Aufgaben.

    • Für wen ist das Arbeitszimmer damit absetzbar?

    Es wird zwischen zwei Varianten unterschieden.

    Bei Variante A erkennt das Finanzamt ein Heimbüro an, wenn es Dreh- und Angelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit ist. Arbeitet ein freier Journalist oder Buchautor zum Beispiel ausschließlich von daheim aus, kann er seine Kosten fürs heimische Arbeitszimmer in unbegrenzter Höhe in seine Steuererklärung hineinnehmen. Auch Hausfrauen und -männer können versuchen, all ihre Kosten anzusetzen, wenn sie sich etwa mit dem Verkauf von Versicherungen, Kosmetik oder anderem etwas dazu verdienen. Ebenso Rentner mit Nebenjob, die beispielsweise Arbeiten für die frühere Firma daheim am Computer erledigen. Dann ist ihr Heimbüro zwangsläufig Mittelpunkt ihrer Tätigkeit, und die Ausgaben für das Zimmer sind Werbungskosten.

    Variante B betrifft mehr Bürger: Fehlt ein fester, eigener Schreibtisch im Betrieb, dürfen Kosten für das eigene Arbeitszimmer von bis zu 1250 Euro pro Jahr in die Steuererklärung eingetragen werden. Von diesem Bonus können zum Beispiel Lehrer profitieren, aber auch etliche Außendienstmitarbeiter, Versicherungsmakler und Freiberufler quer durch alle Berufsgruppen. Ihren heimischen Arbeitsplatz absetzen könnten auch Steuerzahler, die in Aus- oder Fortbildung sind, ein Fernstudium oder sonstige Weiterbildungsmaßnahmen durchziehen. Kein Problem mit dem Finanzamt dürfte auch bekommen, wer am Arbeitsplatz zu Hause während der Elternzeit oder Arbeitslosigkeit für den künftigen Job lernt.

    • Muss man beim Zuschnitt des Zimmers etwas beachten?

    Für die Größe des Arbeitszimmers gibt es keine starren Vorgaben. Was zu beachten ist: Der Raum muss mit einer Tür abgetrennt sein, ein Durchgangszimmer geht nicht. Die Wohnung muss zudem so groß sein, dass noch genügend sonstiger Raum bleibt. Wer bei 48 Quadratmetern Wohnfläche ein 30 Quadratmeter großes Arbeitszimmer absetzen will, dürfte sich eine Abfuhr beim Finanzamt holen.

    Beruflich Notwendiges wie Schreibtisch, Stuhl, Regale, Bücherschrank sollte dominieren. Eine Sitzecke, Blumen und Bilder sind erlaubt. Heikel wird es, wenn Gästebett, Fernseher oder ein Kühlschrank im Arbeitszimmer stehen.

    Anrechenbar sind die anteilige Miete und Versicherungen, ebenso Schornsteinfeger- und Müllkosten, Aufwendungen für Lift, Strom, Wasser und Reinigung – alles bis maximal 1250 Euro. Zusätzlich dürfen Arbeitsmittel sowie Schreibtisch, Computer und Ähnliches geltend gemacht werden.

    • Und wenn ich ein Arbeitszimmer außerhalb meiner Wohnung miete?

    Das macht die Sache einfacher, denn die Rechtslage ist dann eindeutig: Das Finanzamt wird alle Kosten akzeptieren. Außerdem hat man es dann mit dem hübschen Steuerrechtswort „außerhäuslich“ zu tun. Außerhäuslich ist ein Arbeitszimmer schon dann, wenn es, getrennt von der Wohnung, in einer anderen Etage liegt.

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    Источники: http://www.arbeitszimmer.de/, http://www.arbeitszimmer.de/kostenarten.htm, http://m.spiegel.de/karriere/wann-darf-man-ein-arbeitszimmer-von-der-steuer-absetzen-a-1074168.html

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