Steuererklärung zinsen

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    Zinsen auf Steuererstattung

    Wer keine Abgabefrist hat, bekommt hohe Zinsen vom Staat

    • Zuletzt aktualisiert: 31. Mai 2016
    • Von: Udo Reuß

    Das Wichtigste in Kürze

    • Viele Arbeitnehmer können freiwillig eine Steuererklärung abgeben. Wer sich damit etwas Zeit lässt, erhält hohe Zinsen auf seine Steuererstattung.
    • Denn 15 Monate nach Ablauf des Kalenderjahrs, in dem die Steuer entstanden ist, beginnt das Finanzamt Zinsen auf die Rückzahlungssumme zu zahlen – und zwar 0,5 Prozent für jeden vollen Monat, also 6 Prozent im Jahr.
    • Wer nicht zur Steuererklärung verpflichtet ist, kann sich bis zu vier Jahre Zeit lassen – und die Zinsen ansparen.
    • Die Zinsen auf die Steuererstattungen sind als Kapitaleinkünfte zu versteuern. Müssen Sie dagegen Nachzahlungszinsen an das Finanzamt zahlen, können Sie sie nicht als Kosten verrechnen.

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    Steuerfälle ziehen sich manchmal über Jahre hin – insbesondere, wenn es zwischen dem Steuerpflichtigen und dem Finanzamt zu Meinungsverschiedenheiten kommt. Oft muss dann ein Finanzgericht entscheiden. Steht dann nach dieser langen Wartezeit endlich fest, dass das Finanzamt einen Teil der vor Jahren gezahlten Steuern zurückerstatten muss, bekommt der Steuerzahler zusätzlich Zinsen ausbezahlt: stattliche 0,5 Prozent für jeden vollen Monat, also 6 Prozent für ein komplettes Jahr (Paragraf 238 Abgabenordnung (AO)). Der sogenannte Zinslauf beginnt immer nach einer Karenzzeit von 15 Monaten nach Ablauf des Kalenderjahrs, in dem die Steuer entstanden ist (§ 233a AO).

    Helfer für die Steuererklärung

    Von später Antragsveranlagung profitieren

    Diese Regel können sich Arbeitnehmer zunutze machen, die freiwillig eine Einkommensteuererklärung abgeben. Hierbei handelt es sich dann im Finanzamts-Deutsch um eine Antragsveranlagung. Das betrifft mehr als acht Millionen Steuererklärungen im Jahr. Nach Auskunft von Uwe Rauhöft, Geschäftsführer des Neuen Verbands der Lohnsteuerhilfevereine (NVL), liegt bei Arbeitnehmern ohne weitere Einkünfte in rund 55 Prozent der abgegebenen Steuererklärungen eine freiwillige Veranlagung auf Antrag vor und nur in 45 Prozent der Fälle eine Pflichtveranlagung.

    Denn nur in bestimmten Fällen sind Arbeitnehmer tatsächlich verpflichtet, eine Einkommensteuererklärung zum 31. Mai des Folgejahres abzugeben (ab 2019 zum 31. Juli): Das gilt beispielsweise, wenn sie bereits während des Jahres einen geringeren Lohnsteuerabzug hatten, weil sie einen Freibetrag auf ihrer elektronischen Lohnsteuerkarte haben. Auch Ehepaare, die die Steuerklassenkombination III/V oder IV mit Faktor gewählt haben, sind zur Abgabe verpflichtet.

    Viele andere Lohnsteuerzahler sind dagegen nicht dazu gezwungen. Sie haben bis zu vier Jahre nach Ablauf des Steuerjahres Zeit, ihre Steuererklärung abzugeben. Sie können die Unterlagen für das Jahr 2015 also noch bis zum 31. Dezember 2019 einreichen. Ab April 2017 beginnt dann die Zeit, in der eine Steuererstattung für 2015 zusätzlich auch Zinsen vom Finanzamt bringt.

    Beispiel: Der Steuerpflichtige gibt seine freiwillige Steuererklärung 2015 am 31. Dezember 2019 ab. Er erhält Anfang Juni 2020 neben der Steuererstattung von 2.500 Euro auch noch Zinsen vom Finanzamt. Für die ersten 15 Monate gibt es keine. Für den Zeitraum April 2017 bis Mai 2020 (38 Monate) sind dies: 2.500 Euro × 38 × 0,5 Prozent = 475 Euro.

    Diese muss er jedoch in seiner Steuererklärung 2020 als Kapitaleinkünfte versteuern – und zwar mit pauschal 25 Prozent. Auf diese Pauschale kommen noch 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag (insgesamt 26,4 Prozent = 125,40 Euro). Kirchensteuerpflichtige müssen darauf zusätzlich auch Kirchensteuer zahlen. In einer Nettobetrachtung verbleiben demnach 349,60 Euro an Zinsen nach Steuern.

    Vierjahresfrist ausnutzen

    Für die Antragsveranlagung haben Sie vier Jahre Zeit. Falls sicher ist, dass Ihnen eine Steuererstattung zusteht und Sie nicht dringend auf das Geld angewiesen sind, macht es sich bezahlt, die Verzinsung vom Finanzamt mitzunehmen. Achtung: Heben Sie die für diese Steuererklärung benötigten Belege entsprechend lange auf.

    Ausgezahlte Zinsen sind steuerpflichtig

    Aufgrund dieser Zinszahlung muss der Steuerpflichtige für das Jahr der Auszahlung eine Anlage KAP zur Einkommensteuererklärung ausfüllen. Denn von den Zinsen hat der Staat keine Abgeltungssteuer einbehalten, das Finanzamt zahlt sie zunächst unversteuert aus. Dass die Zinsen als Kapitalerträge gelten, hat der Fiskus in Paragraf 20 Absatz 1 Nummer 7 Einkommensteuergesetz festgelegt, bestätigt vom Bundesfinanzhof (Urteil vom 12. November 2013, Az. VIII 36/10).

    Für den umgekehrten Fall gilt das allerdings nicht: Muss der Steuerpflichtige Verspätungszinsen ans Finanzamt zahlen, bleibt er darauf sitzen. Er kann sie in seiner Steuererklärung nirgendwo geltend machen. Dass Nachzahlungszinsen im Gegensatz zu Erstattungszinsen steuerneutral sein sollen, ist zwar umstritten, entspricht aber der aktuellen Rechtslage.

    Auf Aussetzung der Vollziehung verzichten

    Liegen Sie mit dem Finanzamt im Clinch, können Sie Aussetzung der Vollziehung beantragen. Bewilligt die Behörde diesen Antrag, dann brauchen Sie den umstrittenen Betrag zunächst nicht zahlen. Das Problem: Entscheidet das Finanzgericht doch gegen Sie, dann verlangt das Finanzamt die Steuerschuld plus hohe Nachzahlungszinsen. Sofern Sie es sich finanziell also leisten können, sollten Sie daher darauf verzichten, die Vollziehung auszusetzen. Damit vermeiden Sie eine mögliche Zinslast.

    Steuererklärung lohnt sich Finanzamt sorgt für satte Rendite

    Es gibt sie noch, die guten Zinsen: Sechs Prozent zahlt Vater Staat jenen, die ungebührlich lange auf eine Steuererstattung warten müssen. Davon können vor allem jene profitieren, die sich in den letzten Jahren vor der Steuererklärung gedrückt haben.

    Beim Gedanken an sechs Prozent Zinsen bekommen Sparer feuchte Augen. Dass man mit sicheren Investments derartige Renditen erwirtschaften konnte, ist lange her. Es gibt einen zuverlässigen Schuldner, der solche Zinsen noch bezahlt: Der Fiskus. Lässt sich das Finanzamt mit der Bearbeitung der Steuererklärung zu lange Zeit, muss es Erstattungsszinsen überweisen.

    Bei freiwilliger Veranlagung sind Steuererstattungen häufig.

    Geld gibt es, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind: Zum einen muss der Steuerbescheid natürlich positiv sein. Ohne Rückerstattung gibt es auch keine Zinsen. Zum anderen startet der Verzug 15 Monate nach Ablauf des Kalenderjahrs, für das die Steuererklärung gilt. Wer für die Steuererklärung 2013 noch keinen Bescheid bekommen hat, bekommt also Zinsen seit April 2015. Für die Steuererklärung für 2014 werden frühestens im April 2016 Verzugszinsen fällig. Ab dann fallen für jeden Monat ohne Steuerbescheid 0,5 Prozent Zinsen an – also sechs Prozent im Jahr. Einfordern muss man das Geld nicht, es wird automatisch mit der Rückerstattung überwiesen.

    Wenn sich langes Zögern lohnt

    Allzu große Hoffnung auf satte Renditen vom Fiskus sollte man aber nicht hegen – zumindest dann, wenn man pflichtveranlagt ist, also die Steuererklärung bis zu einem bestimmten Termin abgeben muss. Selbst in Stoßzeiten sind Steuererklärungen selten länger als zehn Wochen in Bearbeitung, wer das Elster-Verfahren nutzt, hat den Bescheid oft deutlich schneller. Gute Aussichten gibt es hingegen, wenn es Streit mit dem Finanzamt gibt und der Fall vor Gericht landet. Dann kann sich die Steuererstattung auch schon mal um mehrere Jahre verzögern – vorausgesetzt, man hat vorher erfolgreich die Aussetzung der Vollziehung beantragt. Gewinnt man den Fall, kann man sich über eine gut verzinste Rückerstattung freuen.

    "Richtig interessant ist die Sache für alle, die keine Steuererklärung abgeben müssen“, sagt Christina Georgiadis, Sprecherin der Vereinigten Lohnsteuerhilfe (VLH). Freiwillig Veranlagte könnten nämlich bis zu vier Jahre rückwirkend die Steuererklärung einreichen. Auch dann würden 15 Monate nach Ablauf des Steuerjahres Zinsen auf die Rückerstattung gezahlt. Sprich: Wer jetzt erst seine Steuererklärung für 2011 abgegeben hat, bekommt die Zeit ab 1. April 2013 verzinst. Bei einer Rückzahlung von 700 Euro wären das in Summe fast 90 Euro extra.

    Nachzahlungen werden teuer

    Die Kehrseite der Medaille: Die Verzugszinsen sind keine einseitige Sache. Wer keine Rückzahlung erwartet, sondern Steuerschulden hat, wird ebenfalls mit sechs Prozent p.a. zur Kasse gebeten, wenn das Steuerjahr seit mehr als 15 Monaten abgelaufen ist. Dabei ist es übrigens egal, ob die Ursache der Verzögerung beim Steuerzahler oder beim Finanzamt liegt. Lässt sich das Amt mit dem Steuerbescheid bedenklich lange Zeit, hakt man besser nach. Im Extremfall kommt eine Untätigkeitsklage in Betracht. Falls man sich mit dem Fiskus um eine Steuernachzahlung streitet, überweist man die fragliche Summe besser erstmal, sonst könnte es teuer werden, wenn man den Fall verliert.

    Mit dem Zinsen vom Finanzamt verhält es sich übrigens wie mit allen anderen Kapitaleinnahmen: Man muss sie versteuern. Sofern man den Sparerfreibetrag von 801 Euro (Verheiratete: 1602 Euro) nicht schon anderweitig ausgeschöpft hat, ist das kein Problem. Dann sollte man lediglich die Zinseinnahmen in der nächsten Steuererklärung in Anlage KAP eintragen. Versäumt man das, berechnet das Finanzamt automatisch 25 Prozent Abgeltungssteuer.

    Ärgerlich: Wer selbst Verzugszinsen auf eine Nachzahlung berappen muss, kann sie bei der nächsten Steuererklärung nicht geltend machen. Das Bundesverfassungsgericht muss noch prüfen, ob diese Ungleichbehandlung rechtmäßig ist – sprich, ob die Zinseinnahmen besteuert werden können. Wer tatsächlich Abgeltungssteuer überwiesen hat, kann Einspruch gegen den Steuerbescheid einlegen und sich so eventuelle Ansprüche sichern.

    Zinsen aus Kapitalvermögen angeben

    Wer sie hat, kann sich glücklich schätzen: Zinsen aus Kapitalvermögen.

    Manch einer hat soviel davon, dass er allein davon seine Existenz bestreiten kann.

    Er kommt jedoch wie alle anderen Steuerbürger mit Kapitalvermögen nicht umhin, die Zinsen und Dividenden steuerlich zu erklären.

    Im Rahmen einer Einkommensteuererklärung müssen Zinsen aus Kapitalvermögen angegeben werden.

    Die Anlage KAP

    In der Anlage KAP der Einkommensteuererklärung werden solche Einnahmen eingetragen. Es sind jedoch mitnichten alle Kapitalertragseinkünfte steuerpflichtig.

    Zum einen hat jede natürliche Person einen steuerlichen Freibetrag von 802 € bis zu dem auf Zinsen und Dividenden keine Steuern zu zahlen sind. Bei Ehepaaren verdoppelt sich die Summe.

    Zum anderen kann jeder Steuerpflichtige bei seiner Bank einen Freistellungsauftrag über die erwirtschafteten Kapitaleinkünfte stellen. Ist das geschehen, dann zieht die Bank bis zur Höhe der beantragten Freistellungssumme keine Steuern ein.

    Die Abgeltungssteuer

    Sind mehr Zinsen oder Dividenden aus Kapitalvermögen angefallen, als der steuerliche Freibetrag ausmacht, muss auf den Rest Abgeltungssteuer bezahlt werden. Die Abgeltungssteuer beträgt 25 % der Erträge.

    Das bedeutet, dass 25 % des Gewinns aus Kapitalvermögen vom Staat einbehalten werden. Das hört sich zunächst einmal sehr viel an, wenn ein Viertel der Einnahmen einkassiert wird.

    Dabei sollte jedoch bedacht werden, dass Einkommenssteuern deutlich höher als 25 % liegen. Im Endeffekt bedeutet das, dass Einkünfte aus Kapital geringer besteuert werden als Einkünfte aus Arbeit.

    Geschickte Verteilung der Freistellungsaufträge

    Wer mehrere Quellen für die Einkommen aus Kapitalertrag hat, sollte seine Freistellungsaufträge geschickt verteilen. Denn egal welche Summen von der Steuerzahlung befreit werden, freigestellt werden kann immer nur der steuerliche Freibetrag.

    Deshalb muss bei der Einkommensteuererklärung auch zu jeder Einnahme aus Kapitalertrag angegeben werden, welcher Freibetrag bei welchem Geldinstitut in Anspruch genommen wurde.

    Liegt die Summe der tatsächlich freigestellten Zinserträge über dem steuerlichen Freibetrag, erhält die entsprechende Bank eine Mitteilung, dass der Freibetrag nur zu einem bestimmten Prozentsatz in Anspruch genommen werden kann. Den Rest regeln dann Finanzamt und Bank untereinander.

    Источники: http://www.finanztip.de/zinsen-auf-steuererstattungen/, http://mobil.n-tv.de/ratgeber/Finanzamt-sorgt-fuer-satte-Rendite-article14939536.html, http://www.steuerklassen.com/einkommensteuererklaerung/zinsen-aus-kapitalvermoegen/

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