Steuerpflicht in deutschland bei wohnsitz im ausland

    0
    275

    Steuerberatungsgesellschaft

    G ONZE & S CHÜTTLER – D IE B ERATER AG

    W IRTSCHAFTSBERATUNG S TEUERBERATUNGSGESELLSCHAFT

    F RANKFURT – L EIPZIG – D ÖBELN – N IDDERAU

    Die nachfolgenden Links, Infos + Texte stellen keine Rechtsberatung dar. Bei Erstellung der Texte haben wir uns bemüht, eine auch für Nichtsteuerfachleute verständliche Ausdrucksweise zu wählen. Dies geht teilweise zu Lasten einer am Gesetzeswortlaut orientierten Präzision. Für die Inhalte kann trotz größtmöglicher Sorgfalt keinerlei Gewähr übernommen werden. Bitte sprechen Sie über Konkretes mit dem Berater Ihres Vertrauens oder gerne auch mit uns.

    Unbeschränkte Steuerpflicht in Deutschland

    Gem. § 1 EStG (Einkommensteuergesetz) sind natürliche Personen, die im Inland ihren Wohnsitz oder ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben, unbeschränkt einkommensteuerpflichtig.

    Unbeschränkt Einkommensteuerpflichtig“ bedeutet, dass sich die Besteuerung der Einkünfte (§ 2 EStG) auf das gesamte Einkommen – Welteinkommen – erstreckt.

    Im Umkehrschluss sind natürliche Personen, die im Inland weder einen Wohnsitz noch einen gewöhnlichen Aufenthalt haben, beschränkt einkommensteuerpflichtig (§ 49 EStG).

    Beschränkt Einkommensteuerpflichtig“ bedeutet, dass sich die Besteuerung der Einkünfte auf die inländischen (im Inland erzielten) Einkünfte beschränkt. Die beschränkt steuerpflichtigen Einkünfte sind in § 49 EStG dargelegt und entsprechen weitgehend den Einkunftsarten gem. § 2 EStG.

    Dies zum Grundsätzlichen. Durchbrochen werden die vorgenannten Ausführungen durch zahlreiche Sonder-/Ausnahmeregelungen.

    Entscheidend sind die tatsächlichen wirtschaftlichen und persönlichen Verhältnisse. Darüber hinaus ist es gut zu wissen, unter welchen Umständen die „unbeschränkte Steuerpflicht“ vorteilhaft und unter welchen Umständen die „unbeschränkte Steuerpflicht“ im Einzelfall Nachteile mit sich bringt. Dies gilt es im Einzelfall zu prüfen/zu beraten.

    1. Vorteile einer „unbeschränkten Steuerpflicht“ und Sonderregelungen hierzu:

    Beschränkt Steuerpflichtige werden nur mit ihren inländischen Einkünften besteuert und können systembedingt damit eine Reihe von Steuererleichterungen nicht in Anspruch nehmen, die sich an der Leistungsfähigkeit des Steuerpflichtigen/seinen gesamten Einkünften orientieren (vergl. § 50 EStG).

    Hierzu gehören – bis auf die im Gesetz geregelte Ausnahmen – :

    • Berücksichtigung des Grundfreibetrages (§ 32a Abs. 1 S.2 Nr. 1 EStG)
    • Anwendung des Splittingtarifes für Verheiratete
    • Sonderausgaben über den Pauschbetrag und die Vorsorgepauschale hinaus.
    • Nichtberücksichtigung von Kinderfreibeträgen
    • Kein Anspruch auf Kindergeld
    • Nichtberücksichtigung von außergewöhnlichen Belastungen

    Soweit die Einkünfte überwiegend im Inland bezogen werden, kann im Ergebnis die „beschränkte Steuerpflicht“ zu einer steuerlichen Benachteiligung/steuerlichen/finanziellen Mehrbelastung gegenüber den unbeschränkt Steuerpflichtigen führen.

    Antrag auf „unbeschränkte Steuerpflicht“ gem. § 1 Abs. 3 EStG

    Auf Antrag werden beschränkt steuerpflichtige Personen wie unbeschränkt steuerpflichtige Personen behandelt, wenn ihre Einkünfte zu 90 % der deutschen Steuer unterliegen oder die ausländischen Einkünfte den Grundfreibetrag nicht übersteigen. Auf die Detailregelungen der Gesetzesvorschrift hierzu wird verwiesen.

    Damit besteht ggf. Anspruch auf Kindergeld, Grundfreibetrag etc.

    Ein deutsches Ehepaar mit Kind erzielt nur inländische Einkünfte und gibt seinen inländischen Wohnsitz auf, um einen längeren Auslandsaufenthalt (über sechs Monate) anzutreten. Im Ausland werden keine Einkünfte erzielt. Folge: Kein Anspruch auf Kindergeld etc.

    Lösung: Antrag gem. § 1 Abs. 3 EStG

    Der Antrag kann im Rahmen des Antrages auf Lohnsteuerermäßigung und im Rahmen der Erstellung der Einkommensteuererklärung gestellt werden. Die ausländische Finanzbehörde hat die dortigen Einkommensverhältnisse zu bescheinigen. Die Formulare können im Internet in deutscher und der jeweiligen EU-Landessprache abgerufen werden.

    Fiktive unbeschränkte Steuerpflicht für im EU/EWR-Ausland lebende Familienangehörige (Ehegatten, geschiedene Ehegatten)

    Unbeschränkt Steuerpflichtige mit Angehörigen im EU/EWR-Ausland werden durch eine Reihe von Sonderregelungen den inländischen unbeschränkt Steuerpflichtigen, deren Familienangehörige im Inland leben, gleichgestellt.

    Hierzu gehören gem. § 1a EStG:

    • Anwendung des Splittingtarifes bei im Ausland lebenden Ehegatten, soweit diese nicht dauernd getrennt leben.
    • Berücksichtigung von Unterhaltsleistungen an den getrennt lebenden oder geschiedenen Ehegatten (§ 10 Abs. 1 EStG/Realsplitting).
    • Weitere Regelungen gem. Gesetzeswortlaut (§ 1a EStG).

    Antrag im Rahmen der Einkommensteuererklärung gem. Anlage EU/EWR in deutscher und der jeweiligen EU/EWR Landessprache.

    2. Vorteile einer „beschränkten Steuerpflicht“ und Sonderregelungen hierzu:

    Bei hohen Einkünften, die im Ausland erzielt wurden, aber im Inland zu den inländischen Steuersätzen besteuert werden sollen oder beispielsweise auch bei hohen Abfindungszahlungen oder Sondererlösen, wünscht sich der Steuerbürger häufig doch das Land für die Dauer des „Geldregens“ zu verlassen.

    Prinzipiell sind natürliche Personen, die weder ihren Wohnsitz noch ihren gewöhnlichen Aufenthalt im Inland haben, nur mit ihren inländischen Einkünften im Rahmen der beschränkten Steuerpflicht (§ 49 EStG) steuerpflichtig.

    Darüber hinaus bestehen zwischenstaatliche Regelungen (DBA – Abkommen zur Vermeidung einer Doppelbesteuerung), die bei bestimmten Einkünften (Arbeitslohn, Immobilien u.a.) die Besteuerungshoheit regeln.

    Ein Staat, der seinen Beamten Pensionen gewährt und Zuschüsse in die öffentlichen Rentenkassen zahlt, will sich die Besteuerung dieser Einkünfte nicht nehmen lassen.

    Bezug von Renten aus der deutschen Rentenversicherung im Ausland

    Erweiterte beschränkte Steuerpflicht nach dem Außensteuergesetz und nach Abkommen zur Vermeidung einer Doppelbesteuerung

    Erfolgt ein „plötzlicher“ Umzug ins Ausland allein steuermotiviert, greifen i.d.R. eine Reihe von Sondervorschriften, die einem Entzug der deutschen Besteuerung vermeiden sollen.

    Personen, die nach ihrem Umzug ins Ausland dort nicht oder niedrig besteuert werden, trifft unter Umständen eine erweiterte beschränkte Steuerpflicht gem. § 2 Außensteuergesetz (AStG) oder auch die länderspezifischen Regelungen gem. den bilateralen Abkommen zwischen den Staaten zur Vermeidung einer Doppelbesteuerung (z.B. Österreich, Schweiz etc. oder auch MusterDBA).

    In allen Regelungen ist der Tenor, dass der „Wegzug“ mehr oder weniger steuerlich motiviert ist und ansonsten nicht auf wirtschaftlichen Interessen (Arbeitsaufnahme etc.) begründet ist und allein die Besteuerung dem Grunde nach „inländischer Einkünfte“ ins Ausland verlagert werden soll.

    Nach § 2 AStG ist eine natürliche Person auch nach Wegzug in ein Niedrigsteuerland unter bestimmten Umständen (wesentliche wirtschaftliche Inlandsinteressen u.a.) für weitere zehn Jahre in Deutschland mit ihren inländischen Einkünften erweitert beschränkt steuerpflichtig.

    Die in einigen DBAs (Bilaterale Abkommen zur Vermeidung einer Doppelbesteuerung) getroffenen Regelungen zur sogenannten „überdachenden Besteuerung“ (Beispiel gem. Artikel 4 Abs. 4 des DBA Schweiz) führen dazu, dass im Ergebnis ein, in das Ausland abgewanderter Steuerbürger, mit seinen aus Deutschland resultierenden Einkünften für weitere fünf Jahre der deutschen Besteuerung unterliegt, obwohl ein DBA mit abweichender Grundregel besteht. Voraussetzung ist jedoch, dass dem Wegzug eine mindestens fünfjährige unbeschränkte Steuerpflicht vorausgegangen ist. Per Saldo soll hier das Besteuerungsrecht für Einkünfte aus Deutschland in bestimmten Fällen innerhalb von fünf Jahren nach Verlegung des Wohnsitzes in Deutschland verbleiben.

    Ist das Ziel die Besteuerung der Einkünfte in Deutschland zu vermeiden, muss der Steuerpflichtige seinen Wohnsitz und seine Einkünfte ins Ausland verlagern und im Einzelfall prüfen, inwieweit die genannten Sonderregelungen greifen.

    3. Weitere Sonderregelungen zur Besteuerungshoheit

    Für ausländische Beamte im Inland oder Angehörige einer ausländischen Armee (z.B. USA), obliegt die Besteuerung der dort erzielten Einkünfte (z.B. Lohn) dem jeweils anderen Staat. Grundlage hierfür bilden die getroffenen bilateralen Vereinbarungen (Nato-Truppen-Statut, Offshoreabkommen, DBA). Ob darüber hinaus eine unbeschränkte Steuerpflicht in Deutschland besteht, hängt von den Verhältnissen des Einzelfalls ab. Ein Armeeangehöriger, der auf dem Kasernengelände wohnt und sonst keine weiteren inländischen Einkünfte erzielt, ist in Deutschland nicht steuerpflichtig. Anders ist der Fall, wenn beispielsweise ein ausländischer Soldat mit seiner Ehefrau außerhalb der Kaserne wohnt. Die Armeeeinkünfte unterliegen dem Progressionsvorbehalt. Die übrigen inländischen Einkünfte unterliegen der deutschen Regelbesteuerung. Eine Zusammenveranlagung/Splittingtarif ist möglich.

    4. Näheres zum Thema „Wohnsitz“ und „gewöhnlicher Aufenthalt“

    Wichtig: Der „steuerliche Wohnsitz“ oder „gewöhnliche Aufenthalt“ einer Person bestimmt sich nach dem tatsächlichen Lebenssachverhalt und nicht nach dem Willen der Person oder sonstigen skriptiven Merkmalen wie polizeiliche Anmeldung, Mietverträge etc.

    Gem. § 8 AO (Abgabenordnung) hat jemand dort seinen Wohnsitz, wo er eine Wohnung unter Umständen innehat, die darauf schließen lässt, dass er die Wohnung beibehalten und benutzten wird.

    Unter Wohnung sind letztlich alle Räumlichkeiten zu verstehen, die zum Wohnen geeignet sind. Der Begriff ist weit auszulegen. Ein fester Raum, der mit Möbeln ausgestattet und beheizbar ist und über einen Zugang zu sanitären Einrichtungen und einer Kochgelegenheit verfügt, reicht. Dies kann eine Gemeinschaftsunterkunft, ein Ferienhaus oder auch ein feststehender Campingwagen sein.

    Der Steuerpflichtige muss die Wohnung tatsächlich mit einer gewissen Regelmäßigkeit nutzen und sie muss ihm auch zur Verfügung stehen. Eine weiter vermietete Wohnung (länger als sechs Monate) steht dem Steuerpflichtigen nicht zur Verfügung.

    Nicht getrennt lebende Ehegatten (räumlich zeitweise aber wirtschaftlich, familiär nicht getrennt) haben grundsätzlich ihren Wohnsitz dort, wo sich die Familie aufhält.

    Die Aufgabe des Wohnsitzes bedeutet, dass die Wohnung dauerhaft weder vom Steuerpflichtigen noch von seinen Angehörigen genutzt wird. Eine Wohnung gilt unzweifelhaft als aufgegeben, wenn sie geräumt und damit nicht mehr nutzbar ist.

    Eine nur vorübergehende Nutzung (Urlaub etc.) begründet keinen Wohnsitz. Nur vorübergehend sind maximal zwei Monate.

    (Vergl. Zu § 8 Anwendungserlass zur Abgabenordnung/AEAO)

    Liegt kein Wohnsitz im steuerlichen Sinne von § 8 AO vor, kommt eine unbeschränkte Steuerpflicht in Betracht, wenn der Betroffene seinen gewöhnlichen Aufenthalt im Inland hat (§ 9 AO).

    Einen gewöhnlichen Aufenthalt hat gem. § 9 AO jemand dort, wo er sich unter Umständen aufhält, die erkennen lassen, dass er an diesem Ort oder in diesem Gebiet nicht nur vorübergehend verweilt. Dies ist regelmäßig bei einem zeitlich zusammenhängenden Aufenthalt von mehr als sechs Monaten gegeben. Kurzfristige Unterbrechungen bleiben hierbei unberücksichtigt.

    Aufenthalte, die ausschließlich privaten Zwecken wie Kur etc. dienen, bleiben unberücksichtigt soweit sie zwölf Monate nicht überschreiten.

    Inländer / unbeschränkt Steuerpflichtigen geben ihre Einkommensteuererklärung bei dem für ihren inländischen Wohnsitz zuständigen Finanzamt ab (vergl. §19 Abs. 1 AO).

    § 1 Abs. 4 i.V.m. § 49 EStG beschränkte Steuerpflicht

    § 1a fiktive unbeschränkte Steuerpflicht bei Angehörigen im EU/EWR-Ausland

    § 32a Abs. 1 S.2 Nr. 1 EStG Grundfreibetrag

    § 50 EStG Sondervorschriften für beschränkt Steuerpflichtige

    § 2 AStG Wohnsitzwechsel in niedrig besteuerte Gebiete

    Artikel 4 Abs. 4 des DBA Schweiz

    Dieter P. Gonze, Stb.

    Aktualisiert (09. März 2017)

    oder durchsuchen Sie alternativ

    auch unser Steuerlexikon

    Steuerberatungsgesellschaft Gonze & Schüttler AG | Copyright © 2010 | Impressum

    Beschränkte oder unbeschränkte Steuerpflicht

    Warum ist die Unterscheidung zwischen beschränkter und unbeschränkter Steuerpflicht so wichtig?

    Ob die Steuer nach der beschränkten oder unbeschränkten Steuerpflicht ermittelt wird, entscheidet in erheblichem Maße über die Berechnung und somit über die Höhe der Steuer.

    Im Folgenden werden die Unterschiede zwischen beschränkter und unbeschränkter Steuerpflicht dargelegt und die Voraussetzungen für die Behandlung als unbeschränkt Steuerpflichtiger erläutert.

    Beschränkte Steuerpflicht:

    Beschränkt einkommensteuerpflichtig nach § 1 Absatz 4 EStG sind Personen, die in Deutschland weder einen Wohnsitz haben, noch sich länger als 183 Tage in Deutschland aufhalten, jedoch bestimmte inländische Einkünfte gemäß § 49 EStG beziehen. Wenn Sie darüber hinaus ausländische Einkünfte erzielen oder inländische Einkünfte, die nicht in § 49 EStG genannt sind, bleiben diese bei der Veranlagung als beschränkt Steuerpflichtiger außer Ansatz.

    Die Einkommensteuer bemisst sich bei beschränkt steuerpflichtigen Rentenbeziehern nach dem Grundtarif ohne Berücksichtigung des Grundfreibetrages (§ 50 Absatz 1 Satz 2 EStG). In der Grundtarif-Tabelle ist der Grundfreibetrag bereits für alle Steuerpflichtigen eingearbeitet. Für beschränkt Steuerpflichtige wird daher zur rechnerischen Ermittlung der zutreffenden Einkommensteuer zunächst das zu versteuernde Einkommen um den Grundfreibetrag erhöht und dann auf dieses erhöhte zu versteuernde Einkommen der Grundtarif nach § 32a Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 EStG angewandt.

    Zahlreiche persönliche und familienbezogene Vergünstigungen werden bei der Veranlagung zur beschränkten Steuerpflicht nicht berücksichtigt. So sind beispielsweise außergewöhnliche Belastungen steuerlich nicht absetzbar und das Ehegattensplitting kann nicht in Anspruch genommen werden.

    Spenden und Mitgliedsbeiträge an politische Parteien und an unabhängige Wählervereinigungen werden jeweils zur Hälfte direkt von der Steuerschuld abgezogen, höchstens jedoch bis zu 825 Euro. Soweit die Zuwendungen an Parteien höher sind, werden sie bis zu 1.650 Euro als Sonderausgaben berücksichtigt.

    Freibeträge für Kinder, einschließlich Betreuungs- und Ausbildungskosten, sowie der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende können ebenfalls nicht gewährt werden.

    Werbungskosten sind in nachgewiesener Höhe nur absetzbar, wenn sie in unmittelbarem wirtschaftlichen Zusammenhang mit inländischen Einkünften stehen. Bei Renteneinkünften wird ab dem Veranlagungszeitraum 2009 mindestens der Werbungskostenpauschbetrag berücksichtigt, wenn keine höheren mit den Einkünften im wirtschaftlichen Zusammenhang stehenden Werbungskosten nachgewiesen werden.

    Zu verwenden ist der Vordruck ESt1C sowie die Anlage R für die Renteneinkünfte.

    Unbeschränkte Steuerpflicht auf Antrag:

    Sofern Ihr gesamtes Welteinkommen im Kalenderjahr mindestens zu 90 % der deutschen Einkommensteuer unterliegt, können Sie nach § 1 Absatz 3 EStG einen Antrag auf Behandlung als unbeschränkt Steuerpflichtiger stellen. Dies gilt auch, wenn Ihre Einkünfte, die nicht der deutschen Einkommensteuer unterliegen, nicht mehr als 6.136 Euro betragen. Dieser Betrag ist ab dem Jahr 2008 auf 7.664 Euro, ab 2009 auf 7.834 Euro, ab 2010 auf 8.004 Euro, ab dem Jahr 2013 auf 8.130 Euro und ab dem Jahr 2014 auf 8.354 Euro erhöht worden. Diese Beträge sind zu kürzen, soweit es nach den Verhältnissen im Wohnsitzstaat des Steuerpflichtigen notwendig und angemessen ist.

    Aufgrund der Behandlung als unbeschränkt Steuerpflichtiger können unter Berücksichtigung der einzelnen Voraussetzungen – anders als bei beschränkter Steuerpflicht – personenbezogene Steuervergünstigungen sowie eine Reihe von familienbezogenen Vergünstigungen in Anspruch genommen werden, so dass diese Veranlagungsart zu einer geringeren Einkommensteuer führen kann.

    Insbesondere können grundsätzlich Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen und Aufwendungen für haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse bzw. haushaltsnahe Dienstleistungen steuermindernd geltend gemacht werden. Des Weiteren kommen Steuerermäßigungen für Kinder und der Abzug von Unterhaltsaufwendungen an Angehörige in Betracht.

    Im Gegensatz zur beschränkten Steuerpflicht müssen bei der unbeschränkten Steuerpflicht auch die ausländischen Einkünfte erklärt werden. Diese werden zwar nicht besteuert, aber zur Berechnung des Steuersatzes für die inländischen Einkünfte einbezogen (§ 32b Absatz 1 Nummer 5 EStG).

    Die Einkommensteuer bemisst sich bei unbeschränkter Steuerpflicht nach dem Einkommensteuertarif. Einkünfte bis zur Höhe des Grundfreibetrages werden nicht besteuert (§ 32a Absatz 1 Satz 1 Nummer 1 EStG)

    Nach § 1 a EStG besteht die Möglichkeit mit dem Ehegatten zusammen veranlagt zu werden und von dem günstigeren Splittingtarif zu profitieren, wenn einer der beiden Ehegatten die Voraussetzungen zur Behandlung als unbeschränkt Steuerpflichtiger erfüllt. Darüber hinaus ist erforderlich, dass der antragstellende Ehegatte Staatsangehöriger eines EU oder EWR Staates ist, dass der jeweils andere Ehegatte seinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in einem EU oder EWR-Staat inne hat und dass die gemeinsamen Einkünfte die doppelten Grenzen des § 1 Absatz 3 Satz 2 EStG nicht überschreiten (§ 1a Absatz 1 Nummer 2 Satz 3 EStG).

    Falls die Voraussetzungen für den Antrag nach § 1 Absatz 3 EStG erfüllt sind und ein entsprechender Antrag gestellt wurde, ist eine Einkommensteuererklärung für unbeschränkt Steuerpflichtige abzugeben (Vordruck ESt1A), und zur Angabe der ausländischen Einkünfte eine ausgefüllte „Bescheinigung EU/EWR“ beizufügen, wenn Sie Staatsangehöriger eines Mitgliedstaates der EU oder des EWR sind, oder eine ausgefüllte „Bescheinigung außerhalb EU/EWR“, wenn Sie nicht Staatsangehöriger eines Mitgliedstaates der EU oder des EWR sind.

    Wer muss Steuern zahlen?

    Aufgepasst: Wer im Ausland lebt, muss eventuell seine deutschen Einkünfte in Deutschland versteuern!

    Ab dem Jahr 2005 gilt dies für Empfänger einer deutschen Rente, selbst wenn sie im Ausland wohnen.

    Allerdings trifft die Steuerpflicht nicht jeden Rentner. Entscheidend ist die Art der Einkünfte sowie das Land, in dem der Rentenempfänger lebt.

    Weil nicht alle Einkünfte betroffen sind – also nicht das gesamte Welteinkommen besteuert wird – werden die Personen als „beschränkt“ steuerpflichtig bezeichnet.

    Ob eine Rente in Deutschland zu versteuern ist, hängt einerseits davon ab, um was für eine Art von Rente es sich handelt und in welchem Staat Sie Ihren Wohnsitz haben! Die Höhe der Rente spielt für die Steuerpflicht keine Rolle.

    Zunächst entscheidet die Art der Rente

    Alle beschränkt steuerpflichtigen Einkünfte sind in § 49 Absatz 1 Einkommensteuergesetz (EStG) abschließend aufgezählt. Renteneinkünfte fallen unter § 49 Absatz 1 Nummer 7 oder Nummer 10 EStG. Diese Rechtsnorm verweist auf § 22 EStG. Dort sind alle Rentenarten genannt, die das deutsche Steuerrecht kennt und zwar ungeachtet eines Wohnsitzes in Deutschland. Es gibt gesetzliche, betriebliche und private Renten, die unterschiedlich besteuert werden.

    Sowohl § 22 EStG als auch der Katalog der beschränkt steuerpflichtigen Einkünfte in § 49 EStG wurden in den letzten Jahren mehrmals geändert, so dass sich die Anzahl der steuerpflichtigen Rentenarten schrittweise verändert hat. Ab dem Jahr 2010 unterliegen sämtliche Renten der beschränkten Steuerpflicht. Die Art der Rente ist daher für die Frage „Wer Steuern zahlen muss?“ nur bis zum Jahr 2010 entscheidend.

    Warum der Wohnsitz wichtig ist

    Die Steuerpflicht allein führt noch nicht zur Steuerfestsetzung! Besteht zwischen Ihrem Wohnsitzstaat und Deutschland ein Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung (kurz: Doppelbesteuerungsabkommen) regelt dieses, welcher Staat die Rente besteuert: entweder der Ansässigkeitsstaat (Wohnsitzstaat) oder der Quellenstaat oder beide. Steht ausschließlich dem Ansässigkeitsstaat – also dem Wohnsitzstaat – das Recht zur Besteuerung der deutschen Rente zu, darf Deutschland nicht besteuern.

    Es ist daher wichtig zu wissen, ob zwischen Ihrem Wohnsitzstaat und Deutschland ein Doppel- besteuerungsabkommen besteht und – falls ja – welchem Staat darin das Recht zur Besteuerung der deutschen Rente zugewiesen wird.

    Möglich ist auch, dass beide Staaten – sowohl der Wohnsitzstaat als auch der Quellenstaat – die deutsche Rente besteuern dürfen. In diesem Fall muss der Ansässigkeitsstaat eine doppelte Besteuerung vermeiden. Die Doppelbesteuerung kann im Ansässigkeitsstaat durch Steuerbefreiung für die deutsche Rente oder durch Anrechnung der deutschen Steuer erfolgen. Welche der Methoden zur Vermeidung einer Doppelbesteuerung anzuwenden ist, ist ebenfalls im Doppelbesteuerungsabkommen geregelt.

    Источники: http://www.steuer-gonze.de/web/index.php/steuertips/privatpersonen/484-steuerpflicht, http://www.finanzamt-rente-im-ausland.de/de/wer-warum-wieviel/wieviel-muss-ich-zahlen/was-unterscheidet-die-beschraenkte-und-unbeschraenkte-steuerpflicht/, http://www.finanzamt-rente-im-ausland.de/de/wer-warum-wieviel/wer-muss-steuern-zahlen/

    HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

    Please enter your comment!
    Please enter your name here