Warum kirchensteuer

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    Schuld war eigentlich Napoleon

    „Warum muss ich Kirchensteuer zahlen?“, „Wo geht das Geld hin?“ und „Ist die Kirche nicht reich genug?“ sind nur einige Fragen, die katholischen Steuerzahlern auf den Nägeln brennen.

    Geschichte | Bonn – 13.05.2015

    Zahlreiche Useranfragen landen pro Woche im E-Mail-Eingang der katholisch.de-Redaktion. Mindestens eine davon trägt den Betreff Kirchensteuer. „Warum muss ich Kirchensteuer zahlen?“, „Wo geht das Geld hin?“, „Ist die Kirche nicht reich genug?“ sind nur einige Fragen, die katholischen Steuerzahlern auf den Nägeln brennen.

    Warum Kirchensteuer? Anders als in den meisten anderen Ländern darf die Kirche in Deutschland Steuern erheben. Schuld daran ist ein bekannter Franzose: Napoléon Bonaparte. Nach dem Koalitionskrieg gegen Preußen, Ende des 18. Jahrhunderts, mussten die weltlichen deutschen Fürsten ihre linksrheinischen Gebiete an Frankreich abtreten. Im Gegenzug erhielten sie Güter und Ländereien der Kirche, die bis 1803 vollständig enteignet wurde.

    Kirchensteuer gegen den Willen der Kirche

    Die Länder übernahmen im Gegenzug die Finanzierung der kirchlichen Aufgaben. In den folgenden Jahren stiegen die Bevölkerungszahlen und damit auch die Zahlen der Kirchenmitglieder rasant und die Ausgaben explodierten. Schon bald wurde dem Staat die Unterstützung zu teuer. Gegen den Willen der Kirche führte er die Kirchensteuer ein, und legte damit die Finanzierung in die Hände der Kirchenmitglieder.

    Dort liegt sie auch heute noch, denn wer als Mitglied der Kirche Lohn- oder Einkommenssteuer abführt, der zahlt neun Prozent Kirchensteuer (acht Prozent in Bayern und Baden-Württemberg). Die Kirchensteuer ist die Haupteinnahmequelle der Kirche und deckt rund 80 Prozent aller Kosten ab. Anders als in Großbritannien, wo die Kirche nie enteignet wurde und gut aus den Erträgen ihres Vermögens leben kann, verfügt die Kirche in Deutschland vor allem über unveräußerliche Werte – denkmalgeschützte Gebäude oder bebaute Länderein.

    „Natürlich gibt es eine Vielzahl von Kirchengebäuden, aber auch sonstige kirchliche Gebäude, zum Beispiel Pfarrhäuser und Pfarrheime“, erklärt Joachim Schnieders, Finanzdirektor im Bistum Osnabrück dazu. Dabei handele es sich aber um „gebundenes Vermögen“, das in der Regel nicht anders genutzt werden könne und deshalb über einen allenfalls geringen „Marktwert“ verfüge. Im Gegenteil verschlingt die Erhaltung alter Gotteshäuser mehr, als durch Mieten und Pachten erwirtschaftet werden kann. So kostet die Instandhaltung des Kölner Dom nach Angaben des Domkapitels etwa 30.000 Euro am Tag.

    Vielfältiger Einsatz der Kirchensteuer

    Anders als viele vermuten, bleibt die Verwendung der Kirchensteuer nicht im Dunkeln. Alle Bistümer müssen ihren Haushalt offenlegen. Kirchensteuerräte bestimmen, wofür das Geld eingesetzt wird. Auf den Internetportalen der meisten Bistümer lassen sich die Details herunterladen.

    Die Ausgabenfelder sind so vielfältig wie die Aufgaben der Kirche selbst. Ein Blick auf den Haushalt der Diözese Trier offenbart zum Beispiel, dass das meiste Geld in den Bereich Pastoral und Gesellschaft fließt. Dazu zählen etwa die Gemeindeseelsorge, aber auch Schulen und Hochschulen, Erziehung und Beratung. „Wir geben Zuschüsse in Höhe von drei Millionen Euro für Baumaßnahmen im Kindergartenbereich, was auch mit den neuen Anforderungen zusammenhängt, Plätze für Kinder unter zwei Jahren zur Verfügung zu stellen“, konkretisiert Kirsten Straus, Finanzdirektorin des Bistums Trier.

    Ein wichtiger Aufgabenbereich der Kirche sind auch die sozialen Dienste. Im Erzbistum Freiburg entfallen rund 33 Millionen Euro auf Altenhilfe, Lebensberatung, Familienarbeit. Die Kirchen sind nach dem Staat der größte Arbeitgeber Deutschlands. Auf der Ausgabenseite fallen in den Bistümern daher vor allem Personalkosten ins Gewicht. Im Bistum Speyer nehmen sie mehr als die Hälfte des gesamten Haushalts ein. Finanziert werden über die Kirchensteuer Gehälter von Seelsorgern ebenso wie von Gemeindereferenten, Personal an katholischen Schulen oder Schuldnerberatern beim Caritasverband.

    Rund 11,5 Millionen Euro gehen im Bistum Speyer an die Gemeinden. „Sie dienen der Bezahlung von Pfarrsekretärinnen, Sakristanen und Hausmeistern, aber auch zur Bestreitung der gebäudebezogenen Betriebskosten in den Pfarreien“, heißt es im Haushaltsbericht 2009 der Diözese.

    500.000 Euro für Umweltschutz

    Klimaschutz ist in den vergangenen Jahren auch für die Bistümer ein wichtiges Thema geworden. Der Posten, wenn auch noch recht klein, ist aus dem Haushalt nicht mehr wegzudenken. So investiert das Bistum Osnabrück 500.000 Euro in die so genannte „Energieoffensive“. Ein Projekt, das Kirchengemeinden in der Diözese dabei unterstützt, notwendige Sanierungsmaßnahmen durchzuführen und den Energieverbrauch zu senken.

    Alle Bistümer geben einen Teil ihrer Kirchensteuereinnahmen an den Verband der Diözesen Deutschlands (VDD), der das Geld für Aufgaben verwendet, die über das einzelne Bistum hinausgehen. Ein großer Teil des Geldes fließt über katholische Hilfswerke wie Misereor oder Adveniat in die Entwicklungshilfe. Aber auch bundesweite Kirchenevents wie der Katholikentag oder Kultur- und Medienpreise werden so finanziert. Die Kirche wirkt mit ihrem Engagement also weit in die Gesellschaft hinein.

    Ein finanzieller Beitrag zum Leben Ihrer Kirche

    Die Kirchensteuer ist in Deutschland die weitaus wichtigste Einnahmequelle, mit der die großen Kirchen ihre Arbeit finanzieren. Die Kirche ist eine Solidargemeinschaft, in der die finanzielle Last möglichst gerecht auf viele Schultern verteilt wird.

    Leitender Grundsatz der Kirchensteuer ist eine möglichst große Steuergerechtigkeit: Die individuelle wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines jeden Mitglieds wird berücksichtigt, die Kirchensteuer ist an die Lohn- und Einkommensteuer gebunden. Wer mehr verdient, zahlt mehr Steuer und damit mehr Kirchensteuer – und umgekehrt. Die Mitglieder leisten auf diese Weise einen finanziellen Beitrag zum Leben ihrer Kirche.

    Kirchen sollen selbständig existieren können

    In Deutschland hat die Kirchensteuer historische Wurzeln. Vor etwa hundert Jahren (1903/1905) bekamen die Kirchengemeinden per Gesetz das Recht, Kirchensteuer zu erheben. Denn die Kirchen, bis dahin finanziell sehr stark vom Staat abhängig, sollten selbstständig existieren können. Im Jahr 1919 wurde das Besteuerungsrecht in die Verfassung der Weimarer Republik aufgenommen, heute ist es im Grundgesetz (Artikel 140) und in der Verfassung des Landes Nordrhein-Westfalen (Artikel 22) verankert.

    Die Mehrheit der christlichen Kirchen finanziert sich anders – etwa durch Kirchenbeiträge, durch Kollekten und Spenden insbesondere der Mitglieder, durch Erlöse aus Grundbesitz, durch den Verkauf von Kerzen, Bildern und diversen Artikeln oder auf anderen Wegen.

    Kirchensteuersysteme bestehen auch in Dänemark, Finnland, Schweden, Island und Kantonen der Schweiz. In Norwegen wird die Kirchensteuer in ähnlicher Form erhobe

    Die Abwicklung über die Finanzämter spart Geld

    Allein die öffentlich-rechtlichen Kirchen dürfen von ihren Mitgliedern Kirchensteuer erheben. In Deutschland wird die Kirchensteuer im Auftrag der Kirchen durch die Finanzämter festgesetzt. Dieses Verfahren ist für beide Seiten vernünftig und spart Kosten. Es verstößt nicht gegen die Trennung von Kirche und Staat: Die Finanzverwaltung erhält für ihre Dienstleistung eine Vergütung in Höhe von drei Prozent der Kirchensteuer. Der Aufbau einer eigenen Kirchensteuerverwaltung einschließlich eigenem Kirchensteuerveranlagungsverfahren (Kirchensteuerbescheide) wäre schätzungsweise drei- bis viermal so teuer wie das derzeitige Verfahren.

    Gesellschaftliches Engagement nicht ohne Kirchensteuern möglich

    Das breite und vielfältige Engagement in allen Bereichen der Gesellschaft, wie es die großen Kirchen in Deutschland kennzeichnet, wäre ohne Kirchensteuer nicht möglich. Sie gewährleistet die finanzielle Unabhängigkeit der Kirchen und ist eine Grundlage umfassender kirchlicher Angebote. Dabei berücksichtigt sie zumindest weitgehend Kirchenmitgliedschaft und Steuergerechtigkeit.

    Navigator »Kirchensteuer«

    Weitere Fragen zur Kirchensteuer

    Die Evangelische Kirche von Westfalen hat seit Ende 2000 ein kostenloses Service-Telefon für Fragen zur Kirchensteuerfestsetzung eingerichtet. Antworten auf alle Fragen rund um die Kirchensteuer gibt es unter der Telefonnummer

    montags bis donnerstags:

    8 Uhr bis 16 Uhr

    8 Uhr bis 12.30 Uhr

    Über diese Zeiten hinaus oder falls alle Leitungen belegt sein sollten: Hinterlassen Sie auf dem Anrufbeantworter eine Nachricht. Wir rufen Sie zurück.

    Kirchensteuer – zahlen oder besser aus der Kirche austreten?

    Nicht jeder ist darüber erfreut die Kirchensteuer entrichten zu müssen. Um Geld bzw. Steuern zu sparen treten immer mehr Steuerzahler aus der Kirche aus.

    Jeder Arbeitnehmer und Selbständige der Mitglied einer Kirche ist, ist in Deutschland dazu verpflichtet die Kirchensteuer zu bezahlen. Früher war es so, dass die Menschen überhaupt keine Probleme damit gehabt haben diese Steuer zu entrichten. Doch heutzutage gibt es immer mehr Leute, die nicht mehr dazu bereit sind diese Steuer abzuführen. Um die Steuer nicht mehr entrichten zu müssen, treten deshalb immer mehr Leute aus der Kirche aus.

    Die Höhe der zu bezahlenden Kirchensteuer hängt von zwei Faktoren ab. Zum einen ist das Nettoeinkommen beziehungsweise das zu versteuernde Einkommen entscheidend, wie hoch die Steuer letztendlich ausfällt. Je mehr man verdient, desto höher ist der Betrag welcher an die Kirche abgeführt wird – die Steuer wird also anteilig berechnet. Übrigens spielt es keine Rolle ob man evangelisch oder katholisch ist, die Höhe der Kirchensteuer ist nicht von der Konfession abhängig – auch wenn das von vielen Leuten immer wieder behauptet wird. Des Weiteren hängt die Höhe der Steuer auch vom jeweiligen Bundesland ab, in welchem sich der Hauptwohnsitz des Steuerzahlers befindet. Je nach Bundesland können sich die Steuersätze der Kirchensteuer voneinander unterscheiden.

    Wie eingehend schon erwähnt treten immer mehr Leute aus der Kirch aus, um die Kirchensteuer nicht mehr zahlen zu müssen. Was viele dieser Leute allerdings nicht wissen, ist dass man die abgeführte Kirchensteuer steuerlich geltend machen kann – man muss die bezahlten Beträge lediglich in der Einkommensteuererklärung ansetzen. Allerdings kann man diese nur steuerlich mindernd geltend machen – eine vollständige Zurückzahlung ist nicht möglich.

    Aus der Kirche kann man übrigens ganz schnell und unkompliziert austreten. Dazu muss man sich mit der Kirche noch nicht einmal auseinandersetzen beziehungsweise mit ihr Kontakt aufnehmen. Man muss lediglich ein Amt aufsuchen, welches der Kirch sehr nahe ist – nämlich das Standesamt. Allerdings ist der Kirchenaustritt nicht auf jedem Standesamt möglich, sondern nur in der Stadt, in welcher man seinen Hauptwohnsitz angemeldet hat. Die ganze Abmeldung beziehungsweise der Austritt dauert in aller Regel keine fünf Minuten – und ist ohne Angabe eines Grundes möglich. Die Kosten für den Verwaltungsakt belaufen sich je nach Gemeinde auf rund 10 bis 20 Euro. Seine Lohnsteuerkarte kann man allerdings nicht sofort umschreiben lassen, denn bis der Austritt sämtliche mit eingebundenen Behörden durchlaufen hat, sind schnell zwei Wochen vergangen.

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    Источники: http://www.katholisch.de/aktuelles/dossiers/kirchensteuer-was-passiert-mit-dem-geld/schuld-war-eigentlich-napoleon, http://www.evangelisch-in-westfalen.de/kirche/haeufige-fragen/kirchensteuer/warum-kirchensteuer/, http://www.wallstreet-online.de/ratgeber/finanzen-steuern-versicherung/kirchensteuer-zahlen-oder-besser-aus-der-kirche-austreten

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